Dortmund - Wenn Dede am Samstag zum letzten Mal im BVB-Trikot aufläuft, wird es Tränen geben. Viele Tränen, weil der Brasilianer nach 13 Jahren den Verein verlässt. Aber auch Freudentränen, denn Dede geht mit der Meisterschale. Für ihn ist es der zweite Titel nach 2002 - "aber diesmal mit einem echten Team".

Als vor zwei Wochen nach dem Sieg gegen Nürnberg die Deutsche Meisterschaft perfekt war, sprang Dede ausgelassen über den Rasen wie ein kleines Kind. Immer wieder schwenkte er eine BVB-Flagge, winkte ins Publikum, genoss den Jubel.

In diesem Moment wusste Leonardo de Deus Santos, den alle nur Dede nennen, dass er sich von seinem Verein und aus seinem "Wohnzimmer" mit dem Höchsten verabschieden wird, was es im deutschen Fußball gibt.

Er kam als Brasilianer und geht als Schwarz-Gelber

Es macht dem 33-Jährigen den Abschied etwas leichter, der doch auch so schwer genug wird. Vor 13 Jahren kam er zum BVB als Brasilianer, jetzt geht er als schwarz-gelbes Urgestein. Schon in den letzten Wochen, nachdem er seinen Abschied verkündet hatte, war Dede in einem Meer aus Dankbarkeit, Zuneigung und Liebe fast versunken.

"Ich weiß nicht, wie das erst am letzten Spieltag werden soll", gestand er mit feuchten Augen. Am Samstag, vor dem Spiel gegen Frankfurt, wird er zusammen mit Nuri Sahin offiziell verabschiedet.

Liebe, Disziplin und Respekt

Dass Dede zu einer Kultfigur in Schwarz-Gelb werden würde, war 1998 nicht abzusehen. Damals dachte das Talent aus einem Armenviertel in Belo Horizonte selbst nicht daran, länger als zwei, drei Jahre in Deutschland zu bleiben. Doch Dede verliebte sich in die Stadt, in den Verein, in das Stadion - und in die Fans.

Und die erwiderten die Liebe, weil dieser Brasilianer anders war als andere. Weil er sein technisches Können und sein brasilianisches Ballgefühl verband mit Kampfgeist und Willen, mit Disziplin und Teamgeist. Dass er sich damit auch bei seinen Mitspielern mehr als Respekt erarbeitet hat, bewies die aktuelle Meistermannschaft beim Warmlaufen vor dem letzten Heimspiel. Alle Profis huldigten dem dienstältesten Borussen in Dede-Shirts mit der legendären Nummer 17.

Dede selbst ist gerade diese junge Truppe ans Herz gewachsen wie keine Zweite zuvor, wie er bundesliga.de erklärt: "Wir sind ein echtes Team! Jeder braucht jeden und jeder ist auch für jeden da. Jeder läuft und kämpft für den anderen mit. Dieser Zusammenhalt ist unglaublich. Wenn wir als Team auftreten, dann ist es eben ganz, ganz schwer, gegen uns zu gewinnen."

Vergleiche mit den Meistern von 2002

In einer Mannschaft, die nur schwer zu besiegen war, hat Dede schon einmal gespielt. 2002 gewann er mit dem BVB seine erste Deutsche Meisterschaft in einer Elf, die doch so ganz anders war als die heutige. "Wenn man den einzelnen Spieler betrachtet", erinnert sich Dede, "dann war jeder im Kader von 2002 eine Klasse für sich. Ein Torjäger wie Marcio Amoroso brauchte eine Chance für ein Tor, er war ein eleganter Spieler. Oder Tomas Rosicky - er war schneller mit dem Ball am Fuß als ohne. Oder Ewerthon, Koller, Reuter, Kohler...! Damals waren wir eine gewachsene Mannschat mit Spielern, die schon vieles gewonnen hatten. Heute sind wir ein hungriges Team von Freunden."

Aber auch damals habe man oftmals schönen Fußball gespielt, schmunzelt Dede. Wie beim 4:0-Sieg über den AC Mailand im UEFA-Cup: "Mit solchen Spielen haben wir die Fans begeistert - schön und elegant. Wir waren in gewisser Weise auch eine Show-Mannschaft."

Auch in schweren Zeiten treu

Der Show aber folgte der Absturz; in den Jahren nach dem Titel blieb von dem Glanz nicht viel. Der Verein geriet in wirtschaftliche Existenznot, verschwand im sportlichen Niemandsland. Einer aber hielt der Borussia trotz lukrativer Angebote immer die Treue: Dede. Dafür lieben ihn die Menschen in Dortmund. Und dafür, dass er sich nach schweren Verletzungen immer wieder herankämpfte. Kreuzbandriss, Kieferbruch - Dede kam immer wieder.

Seine größte Leistung aber war es vielleicht, sich hochloyal auf die Ersatzbank zu setzen, als Marcel Schmelzer sich auf seiner Position als Linksverteidiger in der ersten Elf etablierte. "Ein guter Junge", sagt Dede voller Respekt: "Wir verstehen uns sehr gut - da fällt es schwer, von einem Konkurrenten zu sprechen."

13 Jahre werden am Samstag lebendig

Die Erinnerungen an das Gute und weniger Gute in 13 Jahren, an die Höhen und Tiefen beim BVB, sie werden alle lebendig sein, wenn Dede am Samstag das schwarz-gelbe Trikot auszieht. Vielleicht wird er auch weinen müssen. Aber tief in seinem Innern, da wird Leonardo de Deus Santos eine große Genugtuung und Freude spüren, weil seine Mission in Dortmund mit dem Titel endet.

"Wir hatten hier eine sehr schwierige Zeit. Wir hatten kein Geld. Andere Mannschaften, die hier gespielt haben, hatten den Respekt verloren. Aber heute können wir wieder lachen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte