München - Der 1. FC Nürnberg liegt voll im Soll. Vor Saisonbeginn hatten sich die Franken vorgenommen, diesmal nicht wieder in die Relegation zu müssen, der Klassenerhalt sollte frühzeitig feststehen.

Der "Club" ist auf dem besten Weg dahin - und wie. Denn Nürnberg hat in dieser Saison nicht nur bereits 29 Punkte gesammelt und steht momentan auf Rang 9, der FCN entwickelt sich vor heimischem Publikum immer mehr zum Favoritenschreck.

Nürnbergs neue "Stärke"

Am Wochenende musste dies auch Bayer Leverkusen feststellen, denn der Tabellenzweite verlor bei den Nürnbergern mit 0:1 und verpasste die Chance, näher an Borussia Dortmund heranzukommen.

Der "Club" hat sich eine Spielweise angeeignet, die für den Gegner äußerst unbequem ist. bundesliga.de geht der neuen Stärke der Mannschaft von Trainer Dieter Hecking auf den Grund.

Sattelfeste Defensive

Zuletzt gewann der "Club" zwei Mal in Folge, beide Spiele entschieden die Franken zu Null für sich. Ohnehin hat die Mannschaft nach der Winterpause erst zwei Gegentore kassiert, und das liegt nicht ausschließlich an Keeper Raphael Schäfer, der mit 61 Prozent parierter Schüsse nur einen durchschnittlichen Wert vorweist.

Die spielerischen Mittel, die den Nürnbergern im Vergleich zu den Top-Teams fehlen, machen sie mit Einsatz wieder wett. Beim 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV am 20. Spieltag hatten acht der zehn Feldspieler aus der Startformation eine positive Zweikampfbilanz. Beim knappen 1:0-Sieg gegen Bayer waren die Nürnberger eigentlich in allen Belangen wie Ballbesitz, Zweikampfbilanz und Torschüssen unterlegen, aber sie haben es geschafft, dass die "Werkself" bei elf Versuchen einen ungeblockten Schuss aus dem Sechzehner Richtung Tor bringen konnte. Zudem musste Bayer-Keeper Rene Adler entschärfen, Schäfer nur zwei.

Mit Zweikampfhärte zum Erfolg

Nürnberg hat es geschafft, auch ohne seinen Spielgestalter Ilkay Gündogan, der verletzungsbedingt seit dem Wintertrainingslager fehlt, den gegnerischen Teams den Zahn zu ziehen. Der "Club" kompensierte den Ausfall durch eine engagierte Teamleistung, ging gegen Leverkusen aggressiv in die Zweikämpfe und erstickte damit den Spielfluss der Gäste schon im Keim, wie auch Bayer-Trainer Jupp Heynckes fand: "Nürnberg hat meiner Meinung nach sehr körperbetont agiert."

Gegen die Gäste zahlte es sich zudem aus, dass Michael Ballack und Arturo Vidal mit Almog Cohen und Timmy Simons zwei "Aufpasser" an die Seite gestellt wurden. Der israelische Nationalspieler Cohen zeigt sich ohnehin in aufstrebender Form und traf am Spieltag zuvor gegen den HSV. "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen", meinte dann auch Jens Hegeler: "Aber uns zeichnet, wie man gegen Bayer und gegen Hamburg gesehen hat, unser Zusammenhalt aus."

Starke Heimbilanz

Neben dem starken Kollektiv sind es vor allem die Heimspiele, die den FCN weiterbringen. Während auswärts in dieser Saison erst ein Sieg heraussprang, feierten die Franken bereits sieben "Dreier" vor eigenem Publikum und liegen in der Heimtabelle nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter FC Bayern München auf Platz 4.

Vor der Saison höher eingeschätzte Mannschaften wie der VfB Stuttgart, Schalke oder zuletzt der HSV und Bayer mussten allesamt ohne Punkte nach Hause fahren, auch Hannover 96 ging am 17. Spieltag leer aus.

Immer für Punkte gut

Auswärts können die Franken aber noch zulegen, obwohl sie mit fünf Remis auch in der Ferne immer für Punkte gut sind. Das soll am kommenden Samstag auch der VfB zu spüren bekommen.

"Stuttgart ist eine Mannschaft mit vielen bekannten Namen und guten Spielern - sie gehören nicht da unten rein", meinte Juri Judt zur Situation des Tabellensiebzehnten: "Für uns ist aber nicht wichtig, was beim VfB los ist, sondern dass wir uns gut vorbereiten und Stuttgart schlagen." Dafür müssen die Franken aber wieder ihren ganzen Kampfeswillen in die Waagschale werfen.

Jessica Pulter