Ab der kommenden Saison werden sich die Köln-Fans umstellen müssen. Seit zehn Jahren sind sie es gewohnt, dass das Trikot mit der Nummer Acht von Matthias Scherz getragen wird. Damit ist jetzt Schluss. Nach dem Spiel gegen den VfL Bochum endet dessen aktive Karriere.

Im Interview verrät der 37-Jährige seine Gemütslage vor dem letzten Pflichtspiel.

Frage: Matthias, Du bist 1999 nach Köln gekommen und beendest jetzt nach zehn Spielzeiten für den FC Deine aktive Laufbahn - wie fällt Dein Karriere-Resümee aus?

Matthias Scherz: "Ich sehe meine Karriere durchaus positiv. Ich hatte hier nicht unbedingt immer den leichtesten Weg beim 1. FC Köln, bin aber immer wieder, wenn ich am Boden lag, aufgestanden. Ich habe gegen die Widrigkeiten, die es im Laufe der zehn Jahre gab, immer wieder angekämpft. Wir hatten mit den vier Aufstiegen ganz große Momente, mit den drei Abstiegen aber natürlich auch ganz traurige. Letztendlich überwiegt aber - auch durch die letzten Wochen - nur das Positive. Nach zehn Jahren FC weiß ich, dass ich hier hin gehöre und, dass ich das, was ich hier in der Zeit investiert habe, doppelt und dreifach zurück bekomme."

Frage: Du stellst die vergangenen Wochen positiv heraus, obwohl Du nicht mehr gespielt hast?

Scherz: "Ja, wenn ich auch nur im Kader war, habe ich von den Fans eine besondere Zuneigung erfahren. Wie sie mich in den letzten beiden Spielen gefordert haben - zuerst gegen Hertha und jetzt in Hamburg - da ist über die Zeit einfach etwas zusammen gewachsen und da weiß ich auch, dass ich an dieser Stelle alles richtig gemacht habe."

Frage: Wie hat sich der 1. FC Köln in den letzten zehn Jahren verändert?

Scherz: "Wir hatten eine zeitlang einen sehr hohen Durchfluss von Spielern und Trainern, aber durch die Personalien Michael Meier und Christoph Daum ist endlich mal wieder Kontinuität in diese Bereiche gekommen. Das ist eigentlich das Wichtigste für einen Verein, dass man kontinuierlich arbeiten kann und so auch die Gelegenheit bekommt, eine Philosophie aufzubauen."

Frage: Was ist das Besondere für Dich an Köln und dem FC?

Scherz: "Ich glaube, dass der Karneval eine ganz wichtige Rolle bei der Identifikation der Menschen mit dem FC spielt. Die Kinder haben eigentlich gar keine andere Chance, die werden einfach mit dem Bazillus Köln infiziert und hierzu gehört wie der Dom auch der FC. Es ist so eine starke Verbindung zwischen den Menschen, der Stadt und dem Verein vorhanden, die sich auch an den Zuschauerzahlen und dem Mitgliederzuwachs ablesen lässt - und ich glaube, dass die Entwicklung hier noch lange nicht zu Ende ist."

Frage: Bist Du wehmütig vor Deinem Karriere-Ende?

Scherz: "Ich bin ehrlich, ich kann das noch gar nicht einschätzen. So richtig wird das es erst kommen, wenn die neue Mannschaft am 25. Juni hier zum Trainingsauftakt antritt und ich das erste Mal nicht mehr dabei bin. Derzeit überwiegt noch die Vorfreude auf die neue Aufgabe. Die Wehmut kommt vielleicht, wenn dann die ersten Pflichtspiele in der Bundesliga anstehen - dann realisiert man wahrscheinlich erst, dass der Traum 'Profifußballer', den man als Kind immer geträumt hat und den man 'leben' durfte, aus ist."