Mönchengladbach - Jahrelang konnte Borussia Mönchengladbach nicht mehr gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Jetzt gelang der "Fohlenelf" bereits der zweite Sieg innerhalb von zwei Monaten gegen den Westrivalen.

Nach einem spannenden Pokalfight, der 1:1 nach Verlängerung endete, behielt die Borussia im Elfmeterschießen die Nerven - und dank Christofer Heimeroth die Oberhand.

Während alle Schützen der Borussia trafen, parierte der Gladbacher Keeper einen Elfmeter von Leverkusens Patrick Helmes. Damit sicherte Heimeroth, der diesmal den Vorzug vor der etatmäßigen Nummer eins Logan Bailly erhielt, seinem Verein den Einzug ins Achtelfinale. Nach dem Spiel beantwortete der 29-Jährige die Fragen von bundesliga.de.

bundesliga.de: Glückwunsch, Christofer Heimeroth zum Pokalsieg bei Ihrem Comeback im Borussia-Tor. Das war ein Spiel wie gemalt für Sie?

Christofer Heimeroth: Es war alles drin, was man sich für einen Pokalspiel wünscht, inklusive Flutlicht, Verlängerung und Elfmeterschießen. Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, haben ein bisschen die Außenseiterrolle eingenommen. Wir hatten schon in der 1. Halbzeit viele gute Torchancen. Am Ende hatten wir das nötige Glück und können uns bei den Schützen im Elfmeterschießen bedanken.

bundesliga.de: In der Bundesliga ist die Borussia nach einem Rückstand oft auseinander gebrochen. Diesmal hat die Mannschaft nach dem 0:1 in der Verlängerung sofort zurückgeschlagen.

Heimeroth: Es war ein total verrücktes Spiel. Wir haben in der Verlängerung das 0:1 bekommen. Es war emotional schwierig, das wieder zu drehen. Aber wir sind sofort zurückgekommen. Das hat uns auch fürs Elfmeterschießen die nötige Moral gegeben.

bundesliga.de: Sie standen nach langer Zeit wieder zwischen den Pfosten. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Heimeroth: Man muss in so ein Spiel erst einmal reinkommen. Das ist mir ganz gut gelungen. Ich hatte in den letzten Wochen als Logan Bailly bei der Nationalmannschaft war, ein paar Freundschaftsspiele absolviert. Ich war also nicht ganz unvorbereitet. Dann bin ich gleich mit der ersten Aktion gut ins Spiel gekommen. Die Sicherheit war da. Es freut mich, dass wir das Spiel gewonnen haben und ich einen Elfmeter halten konnte. Ich konnte meinen Teil dazu beitragen, dass wir eine Runde weitergekommen sind.

bundesliga.de: Haben Sie vor dem Elfmeterschießen noch Tipps von Torwarttrainer Uwe Kamps bekommen, der 1992 selbst einmal in einem Elfmeterschießen gegen Leverkusen vier Elfmeter pariert hat?

Heimeroth: Ich habe ein paar Videos von den letzten Elfmetern der Leverkusener gesehen. Von Uwe Kamps gab es jetzt unmittelbar vor dem Elfmeterschießen keine Tipps. Wir haben das in der Mannschaftssitzung ganz klar angesprochen und bildlich gezeigt. Damit war die Sache klar für mich.

bundesliga.de: Empfinden Sie auch ein bisschen Genugtuung, nachdem Sie so lange nicht gespielt haben?

Heimeroth: Von Genugtuung möchte ich nicht reden. Aber es ist doch ein schöner Abend gewesen. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte.

bundesliga.de: Könnte das Pokalspiel eine Trendwende bedeuten, nachdem die Borussia in der Bundesliga seit sieben Spielen auf einen Sieg wartet?

Heimeroth: Der Trainer hat davon gesprochen, einen Pflock zu setzen und erklärt, was er damit meinte.

bundesliga.de: Was meinte er damit?

Heimeroth: Er meinte damit, genau so ein Spiel abzuliefern wie heute. Das ist uns sehr eindrucksvoll gelungen. Jetzt müssen wir gucken, dass wir diesen Schwung mitnehmen.

bundesliga.de: Wie locker sind Sie in die Partie gegangen? In der Situation hatten Sie ja nichts zu verlieren?

Heimeroth: Ich hatte schon etwas zu verlieren. Der Druck war da. Ich wollte das Spiel auch gewinnen. Ich habe mein Spiel gut gesehen und bin zufrieden mit meiner Leistung.

bundesliga.de: Borussia ist ja im Moment in der Bundesliga so etwas wie die Schießbude der Liga. Diesmal stand die Abwehr recht sicher. Was war der Grund dafür?

Heimeroth: Wir haben defensiv sehr kompakt und im Block gestanden, alle gut nach hinten gearbeitet. Das hat gut geklappt.

bundesliga.de: Gegen Kaiserslautern hat die Borussia die Chance, einen Konkurrenten im direkten Duell zu überholen.

Heimeroth: Das wird ein sehr wichtiges Spiel in der Tabellensituation, wie sie sich im Moment darstellt. Das ist schon eine Aufgabe.

bundesliga.de: In den kommenden Wochen tritt die Borussia gegen die aktuellen Topclubs wie Dortmund und Mainz und außerdem auch gegen Vereine wie Bayern oder den HSV an. Liegt darin auch eine Chance oder wird es richtig gefährlich für die Borussia?

Heimeroth: Als konterstarke Mannschaft, die wir sind, bekommen wir mehr Chancen, wenn wir auf einen Gegner treffen, der mitspielt. Das war gegen Leverkusen so. In der Bundesliga kann sowieso jeder jeden schlagen. Es gibt nicht mehr dieses oben und unten. Wer als Gegner kommt, spielt keine Rolle.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski