Dortmund - Mit dem erhofften Schuss Selbstvertrauen für den Endspurt der Saison ist es nichts geworden bei Borussia Dortmund. Lange aufhalten kann und will man sich mit der Niederlage gegen die Bayern (Spielbericht) aber auch nicht - schon am Dienstag steht das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen 1899 Hoffenheim (ab 20:15 Uhr im Liveticker) auf dem Plan.

"Ins Finale nach Berlin zu kommen, ist noch ein Saisonziel. Dafür müssen wir zuhause gegen Hoffenheim einfach weiterkommen", fordert Sportdirektor Michael Zorc jetzt unmissverständlich. Die Aussage kam schon ein bisschen provokativ daher. Ohne Tor werde es doch aber wohl schwer gegen Hoffenheim, merkte ein Journalist nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern an. Sven Bender blieb nicht viel mehr übrig, als gequält zu lächeln: "Das ist richtig. Im Fußball kann man nur gewinnen, wenn man ein Tor mehr schießt als der Gegner."

Bemüht aber nicht zwingend

Genau das aber ist dem BVB gerade im heimischen Stadion zuletzt nicht mehr gelungen. Gegen die Münchner blieb man vor eigenem Publikum bereits zum dritten Mal in Folge ohne Treffer: 0:0 gegen Köln, 0:3 gegen Juventus, 0:1 gegen Bayern. In der Bundesliga stand damit in dieser Saison insgesamt schon zum elften Mal die Null auf der falschen Seite. Wobei das Spiel gegen den Rekordmeister auch noch einmal verdeutlichte, woran es zurzeit fehlt – an zündenden Ideen, überraschenden Momenten und einem druckvollen Offensivspiel.

Zwar sind die Dortmunder bemüht, aber die Aktionen in der Offensive sind in der Regel einfach nicht zwingend genug. Gegen die Bayern gab es in der ersten Halbzeit keinen wirklichen Torschuss. Michael Zorc legte den Finger nach der schon fünften Heimniederlage der Saison daher auch bewusst in die Wunde. Seine Aufzählung an Fehlern und Versäumnissen ist im Umkehrschluss zugleich eine klare Forderung, was der BVB am Dienstag gegen Hoffenheim besser machen muss: "Wir haben bei eigenem Ballbesitz zu oft zu schnell die Bälle verloren. Wir haben nicht konstruktiv genug nach vorne gespielt und waren dabei nicht ballsicher und nicht zwingend genug."

Mehr Klarheit und mehr Durchschlagskraft fordert auch Jürgen Klopp von seiner Mannschaft. Die Frage ist, wer es im Pokal kurzfristig richten soll. Bei Ilkay Gündogan als vermeintlichem Denker und Lenker im Mittelfeld zeigt der Trend seit Wochen klar nach unten. Nuri Sahin fällt als Alternative auch am Dienstag verletzt aus. Marco Reus blieb gegen die Bayern blass, auf den Flügeln herrscht unabhängig vom Personal generell eher Hausmannskost.

Gegen Hoffenheim Selbstvertrauen sammeln

Es wird die Dortmunder nur wenig trösten, dass auch der Pokal-Gegner nicht gerade einen Höhenflug erlebt und nach der Nullnummer in Paderborn gegen Mönchengladbach mit 1:4 (Spielbericht) böse unter die Räder gekommen ist. In Sachen Selbstbewusstsein dürfte es also eher ein Duell auf Augenhöhe werden. Geht es nach Sven Bender, sieht das nach der Partie am Dienstagabend aber ganz anders aus: "Wenn du im Pokal ein gutes Spiel machst und eine Runde weiterkommst, kann uns dass für den Rest der Saison auch noch sehr viel Selbstvertrauen geben. Das kann uns noch mal einen Schub geben."

Einen Schub, der zudem geradewegs nach Europa führen kann. "Der Pokal ist eine gute Möglichkeit, ins internationale Geschäft zu kommen", unterstrich Sportdirektor Zorc am Wochenende noch einmal den Stellenwert der Partie. Vielleicht hat er sich dabei auch an die Saison 2007/08 erinnert, als der BVB schon einmal in einem Pokal-Viertelfinale daheim auf Hoffenheim getroffen war. Auch damals spielte die Borussia eine unterdurchschnittliche Bundesligasaison, landete am Ende mit Mühe und Not und 40 Punkten auf Rang 13. Im Pokal aber ging es nach einem 3:1-Sieg über die Kraichgauer bis ins Finale nach Berlin und damit auch hinein in die Europa League. Sebastian Kehl und Mats Hummels werden sich daran erinnern – sie standen vor sieben Jahren gegen die TSG auf dem Platz und könnten das auch am Dienstag wieder tun.

Dass das Endspiel selbst damals nach Verlängerung verloren ging, und auch das mal wieder gegen die Bayern, mag Michael Zorc bei seinen Gedankespielen übrigens ausgeklammert haben. Geschichte muss sich ja nicht immer wiederholen...

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte