München - Im Kampf gegen den Hunger in der Welt haben die europäischen Top-Ligen am kommenden Wochenende eine große gemeinsame Aktion geplant.

Im Rahmen des "The 1billionhungry project" wollen die Clubs ihre mediale Präsenz nutzen, um eine Million Unterschriften zu sammeln, die im November an alle Regierungschefs der UN-Mitgleidsstaaten übergeben werden soll. Damit wollen die Fußballer gemeinsam mit der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf das Problem aufmerksam machen.

In Deutschland ist Hansi Müller ehemaliger Spieler des VfB Stuttgarts und deutscher Nationalspieler Botschafter für die Aktion. bundesliga.de sprach mit dem 53-Jährigen über "The 1billionhungry project".

bundesliga.de: Herr Müller, die europäischen Fußball-Ligen engagieren sich am kommenden Wochenende gemeinsam für ein Projekt gegen den Hunger. Wie sind Sie in das Projekt eingebunden?

Hansi Müller: Man braucht bei solchen Projekten immer einen "Botschafter", der für das Projekt steht. Als die DFL auf mich zukam, war ich spontan bereit mitzumachen. So eine Aktion ist für uns Fußballer eine gute Möglichkeit, etwas zurückzugeben. Als ich vor zwei Jahren in Kairo war, konnten ich mir vor Ort ein Bild davon machen, wie groß die Not in Ägypten zum Beispiel ist. Ich begrüße die Initiative der DFL in Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden, die Leute auf den Missstand aufmerksam zu machen, dass circa eine Milliarde Menschen an Hunger leidet. Mann muss an das Bewusstsein der Leute appellieren.

bundesliga.de: Ist es nicht eine besonders schwierige Aufgabe, dass gut bezahlte Profi-Fußballer Menschen in Überfluss-Gesellschaften für einen Kampf gegen den Hunger am besten sensibilisieren?

Müller: Der Grad ist sehr schmal, richtig. Fußball hat sehr viel Popularität und kann viel bewegen. Auf der anderen Seite verbindet man den Fußball mit viel Geld - auch gerade junge Spieler verdienen schon viel Geld. Die Spieler stehen selber in der Pflicht, sich mit so einem Projekt auseinanderzusetzen. In sportlich schlechteren Phasen muss ich mir als Profi klarmachen, dass ich in einer sehr privilegierten Position bin und es auf dieser Welt sehr viel Leid gibt. Da muss man selbst die Dinge relativieren und ein Stück Demut zeigen.

bundesliga.de: "The 1billionhungry project" hat das Ziel, eine Million Unterschriften gegen den Hunger zu sammeln, die im November an alle Regierungschefs der UN-Mitgliedsstaaten übergeben werden. Glauben Sie, dass das zu schaffen ist?

Müller: Ja, das glaube ich - aber nur mit einer gewissen Nachhaltigkeit in den Aktionen. Man muss die Leute immer wieder aufwecken und animieren, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Unterschriften zu sammeln ist eine Sache. Jeder muss aber dann für sich entscheiden, wie er mit solchen Problemen umgeht. Die Leute müssen sensibilisiert werden durch so eine Aktion und in die Verantwortung genommen werden.

Das Gespräch führte Tim Tonner