Hamburg - Die Erleichterung bei den Spielern und Verantwortlichen des Hamburger SV war deutlich spürbar - wenn auch nicht offensichtlich. Nach zwei Auswärtspleiten in Folge gelang mit dem 4:2 gegen den VfB Stuttgart zwar die Rückkehr auf die Erfolgsspur, die Jubelszenen hielten sich jedoch in Grenzen.

"Wir brauchen jetzt nicht nach oben schauen, sondern immer noch darauf, was von unten nachkommt", fand HSV-Trainer Armin Veh, der erstmals wieder im Trainingsanzug anstatt im feinen Zwirn an der Seitenlinie agierte, nach der Partie deutliche Worte.

Kein Wunder, entwickelte sich die Partie in der Imtech Arena doch zu einem munteren Schlagabtausch. Und das, obwohl die Gäste schon früh in Rückstand und durch den Aussetzer von Ciprian Marica in Unterzahl gerieten.

Torun seit langem wieder in der Startelf

"Vier Tore sollten in der Bundesliga normalerweise immer reichen. Aber in der Defensive haben wir zu viele Chancen zugelassen", kritisierte Tunay Torun nach dem Spiel gegenüber bundesliga.de.

Der junge Mittelfeldspieler war die große Überraschung in der Startformation von Trainer Armin Veh. Nach seinem Kreuzbandriss kam der 20-Jährige erstmals seit April wieder für die "Rothosen" in der Bundesliga zum Einsatz.

"Wir sagen immer, dass wir Trainingsleistungen belohnen, also müssen wir es auch machen. Er hat in den Einheiten unter der Woche sehr viel Engagement gezeigt und sich nicht nur durch seine drei Tore in der Regionalliga aufgedrängt", erklärte Veh.

Rost mit kritischen Tönen

Dagegen kam die Rückkehr von Frank Rost zwischen die Pfosten nicht so überraschend. Die etatmäßige Nummer eins verdrängte Jaroslav Drobny wieder auf die Ersatzbank. Rost dirigierte seine Vorderleute gewohnt lautstark und war auch nach dem Spiel kein Freund der leisen Töne.

"Wir haben gesehen, dass viel fehlt. Wir haben zu nachlässig gespielt und müssen schon gucken, dass wir weniger Tore bekommen. Ich will mich nicht daran gewöhnen, die Bude voll zu kriegen", sagte er.

Trochowski: Zu viele Gegentore

Piotr Trochowski, der im Mittelfeld in der Zentrale wieder an seiner Topform schnuppert, hat die Gegentore und die Angriffe der Stuttgarter auch mit Besorgnis registriert.

"Ein Zu-Null wäre für uns auch mal wieder sehr wichtig. Spiele gewinnt man normalerweise über die gute Defensive. Es darf uns einfach nicht passieren, dass wir jede Woche ein, zwei Gegentore kassieren", meinte Trochowski.

Über den Kampf zum Spiel

Durch den Dreier haben die Hamburger den Anschluss an die Spitzenplätze gehalten, mehr aber auch nicht. Das weiß auch Rost. "Die Tabelle lügt nicht." Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf Platz drei, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.

Bevor der HSV aber wieder einmal in zu große Euphorie verfällt, fordert Torun im Hinrunden-Endspurt altbewährte Tugenden. "Wir müssen weiter über den Kampf zu unserem Spiel finden, damit wir schon bald wieder zu alter Stärke zurückfinden."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis