Das hat es in 45 Jahren Bundesliga überhaupt nur ein einziges Mal gegeben. Am Ende der Saison 1983/84 lagen gleich drei Mannschaften punktgleich an der Tabellenspitze.

Und dennoch war schon nach dem vorletzten Spieltag die Entscheidung gefallen: Der VfB Stuttgart stand als Deutscher
Meister fest, weil die Schwaben gegenüber dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach das deutlich und uneinholbar bessere Torverhältnis aufwiesen.

Ohlicher setzt sich seblst ein Denkmal

Mit diesem sicheren Polster konnte sich der neue Champion zum Saisonfinale zu Hause sogar eine 0:1-Niederlage gegen "Vize" Hamburger SV leisten, der als Favorit den Titelhattrick nur knapp verpasste. Zuvor hatten die Stuttgarter von einem 0:2-Ausrutscher des HSV gegen Eintracht Frankfurt profitiert und gleichzeitig bei Werder Bremen mit 2:1 gewonnen.

In der 82. Minute setzte sich VfB-Kapitän Hermann Ohlicher mit seinem entscheidenden Tor selbst ein Denkmal: "Ich weiß noch, wie ich mit Helmut Benthaus, unserem Trainer, danach durchs Stadion tanzte." Benthaus war 1982 als Nachfolger von "Wundermann" Jürgen Sundermann nach Stuttgart gekommen und hatte sein Team gleich auf Rang 3 geführt.

Benthaus schreibt Geschichte

Dann sorgte er nicht nur für die erste Deutsche Meisterschaft des VfB nach 32 Jahren, sondern der achtmalige Nationalspieler aus dem westfälischen Herne war auch der Erste, dem in der Bundesliga als Spieler und als Trainer der große Wurf gelang.

In der Premierensaison 1963/64 landete Benthaus im Trikot des 1. FC Köln ebenso auf Platz 1 wie jetzt als Fußballlehrer mit dem VfB Stuttgart. Zwischendurch war er sage und schreibe 17 Jahre lang als Spieler, Spielertrainer und Trainer beim FC Basel tätig gewesen, hatte dort sieben Mal die Schweizer Meisterschaft und zwei Mal den Pokal gewonnen - bis er dem Ruf der Bundesliga folgte.

Nicht zum DFB oder zu Barca

Als Jupp Derwall 1984 mit der Nationalelf bei der Europameisterschaft in Frankreich scheiterte, gab es für Benthaus keine Freigabe von Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Auch eine Offerte des FC Barcelona musste er ausschlagen. Franz Beckenbauer wurde Teamchef, Benthaus blieb zunächst beim VfB und kehrte später zum FC Basel zurück, um seine Trainerkarriere nicht viel später zu beenden und für eine Versicherungsgesellschaft tätig zu werden.

Beim VfB konnte Benthaus in der erfolgreichen Saison auf ein stark besetztes Mannschaftsgefüge setzen. Regisseur
Hansi Müller zählte zwar nach seinem Wechsel zu Inter Mailand nicht mehr dazu. Die Brüder Bernd und Karlheinz
Förster, der vom Nachbarn Stuttgarter Kickers gekommene Guido Buchwald und Hans-Peter Makan in der Abwehr vor
Torhüter Helmut Roleder ließen aber nur 33 Gegentreffer zu.

Ex-Bayern-Duo überragend

Mit dem Isländer Asgeir Sigurvinsson (zwölf Tore) als überragendem Spielgestalter und Kurt Niedermayer, beide zuvor beim FC Bayern, neben Hermann Ohlicher (8) im Mittelfeld, sowie mit den Offensivkräften Karl Allgöwer (12), Peter Reichert (13) und dem zu Saisonbeginn gekommenen schwedischen Nationalstürmer Dan Corneliusson (12) hatte
der VfB torgefährliche Akteure.

Ebenfalls zum Kader gehörte Schalkes Ex-Manager Andreas Müller. Schon nach der ersten Saisonhälfte führte der VfB die
Tabelle an. Der weitere Weg der Stuttgarter, die vor allem auch Teamgeist auszeichnete, führte bis zur Erfüllung eines Traums, den am 26. Mai 1984 in der baden-württembergischen Metropole rund 100.000 Fans bejubelten.