Mainz - Es war ein allerletzter Versuch: Andre Schürrle zog wieder einmal von der linken Außenbahn in die Mitte, zog mit seinem rechten Fuß aus gut 20 Metern ab und der Ball flog unhaltbar für Gladbachs-Torhüter Marc-Andre ter Stegen zum Siegtreffer für die Mainzer ins Netz. "Das war ein großes Glücksgefühl", gab Schürrle nach seinem 13. Saisontreffer zu.

Immer wieder war er angerannt, oft gescheitert und wurde am Ende doch noch für seinen Einsatz belohnt. "Das war ein dreckiger Sieg", sagte Schürrle, nachdem die Mainzer über weite Strecken gegen dezimierte Gladbacher kein Mittel gefunden hatte. Mike Hanke hatte in der 53. Minute die gelb-rote Karte gesehen. Es war ein glücklicher, aber sehr wertvoller Sieg für Mainz 05.

Schub für den Saisonendspurt

Zum einen war es ein Erfolg im letzten Flutlichtspiel im Stadion am Bruchweg, bevor die Mannschaft zur neuen Saison in die neue, größere Arena umzieht. Und es war der erste Heimsieg für die Rheinhessen seit dem 6. November 2010. "Besonders das Überzahlspiel hat gezeigt, wie groß der Rucksack für die Spieler war", gab auch der Mainzer Trainer Thomas Tuchel zu.

Seine Mannschaft hatte in der 70. Minute - sehr zum Unmut der Gladbacher - viel Glück, als Schiedsrichter Deniz Aytekin bei Eugen Polanski Ensatz gegen den Gladbacher Marco Reus im Strafraum nicht auf den Punkt zeigte. "Ein klarer Elfmeter", erklärte auch Tuchel: "Wären wir in Rückstand geraten, wäre es mit unserer Heimhistorie schwer geworden, zurückzukommen." So aber glaubt Tuchel nun an einen "großen Schub" für seine Mannschaft im Saisonendspurt.

"Müssen uns nicht schämen"

Mit dem Erfolg verteidigten die Mainzer nicht nur Platz 5, sondern stellten mit nun 48 Punkten auch einen neuen Vereinsrekord auf. So viele Zähler hat noch keine Mainzer Mannschaft zuvor in der Bundesliga gesammelt. "Wir müssen uns für nichts schämen. Heute hatten wir das Glück, das in manchen Spielen zuvor der Gegner hatte", sagte Tuchel, der den befreienden Sieg als "wichtig für die Seele und das Wohlbefinden seiner Spieler" bezeichnete.

Selbstvertrauen können die Mainzer im Saisonendspurt gebrauchen. Schon am nächsten Wochenende kommt es zum richtungsweisenden Spiel beim 1. FC Nürnberg, der nur zwei Punkte schlechter platziert ist als die Mainzer. Auch die Nürnberger wollen Platz 5 am Ende erreichen, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt.

Abschied in Würde

Von einem Endspiel will Tuchel allerdings nichts wissen. Auch nach dem Auftritt in Franken habe seine Mannschaft noch Möglichkeiten, etwa bei den Heimspielen gegen Eintracht Frankfurt oder im letzten Spiel am Bruchweg und der Saison gegen den FC St. Pauli.

Wie gut, dass der Heimfluch nun besiegt ist. "Dieser Sieg gegen Gladbach gibt uns Rückhalt für die kommenden Heimspiele", glaubt Thomas Tuchel: "Wir wollen uns würdig von unserem Stadion verabschieden." Am liebsten als Europapokalteilnehmer.

Tobias Schächter