Hamburg - Es gab in der Vergangenheit durchaus Freundschaftsspiele der deutschen Nationalmannschaft, die im Vorbeigehen mitgenommen wurden. Die Partie am Dienstagabend gegen Australien (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ist aber mal wieder eine richtige Bewährungsprobe für Spieler, die sonst eher in der zweiten Reihe stehen - und für ein altes, neues taktisches System vielleicht auch.

Denn Bundestrainer Joachim Löw fasst eine Rückkehr zum 4-4-2 ins Auge. "Wir haben mehrere Optionen. Wir müssen uns noch genau überlegen, wie wir das angehen werden. Wir haben die Australier genau analysiert. Es könnte sein, dass wir unser System umstellen", erklärte Co-Trainer Hansi Flick in Vertretung von Löw auf der Pressekonferenz am Montag.

Dass die deutsche Startelf gegen die "Socceroos" ein anderes Gesicht als beim 4:0 gegen Kasachstan haben wird, das bestätigte Flick aber schon einmal. bundesliga.de hat die wichtigsten Fakten zusammengefasst.


Personal:

Verletzungsbedingt muss Joachim Löw im Vergleich zum Kader gegen Kasachstan nur auf einen Spieler verzichten. Jerome Boateng hat sich am Knie verletzt und ist bereits wieder nach England in die Obhut der Ärzte von Manchester City zurückgekehrt.

Auf Wunsch von Real Madrid Coach Jose Mourinho verzichtet Löw aber auf Mesut Özil und Sami Khedira, da den beiden "Spaniern" noch anstrengende englische Wochen bevorstehen. Auch Philipp Lahm bekommt eine Pause. Anders Bastian Schweinsteiger. Ihm wurde freigestellt, ebenfalls schon in die Heimat abzureisen. Aber er hat sich entschieden, das Team in Abwesenheit von Lahm gegen Australien als Kapitän aufs Feld zu führen.

Klar ist auch, dass Tim Wiese für Manuel Neuer zwischen den Pfosten stehen und er dafür eine komplett neue Viererkette bekommen wird. Christian Träsch, Arne Friedrich, Mats Hummels und Marcel Schmelzer sollen die Null gegen Australien verteidigen.

Bei den Gästen fehlt der Superstar. Evertons Tim Cahill muss wegen einer Fußverletzung passen und reißt damit das etatmäßige Sturmduo mit Harry Kewell auseinander. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass Trainer Holger Osieck das bevorzugte 4-4-2 umstellt und mit nur einer Spitze agieren lässt. Als Antwort auf den Ausfall Cahills nominierte Osieck mit James Holland (Sparta Rotterdam), Adam Sarota (FC Utrecht) und Brent McGrath (Brondby Kopenhagen) gleich drei Spieler nach.


Historie:

Zum vierten Mal messen sich Deutschland und Australien. Die drei vorherigen Begegnungen waren bis auf das 4:3 beim Confed-Cup 2005 eine klare Angelegenheit. Mit 3:0 schaltete das DFB-Team die Australier 1974 auf dem Weg zum WM-Titel aus. Noch frisch sind die Erinnerung der Gäste an die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr.

Mit 0:4 gingen die "Socceroos" im ersten Gruppenspiel unter. "Das war ein massiver Rückschlag für den Fußball 'Down Under' und hat richtig wehgetan", erklärte Australien-Profi Thomas Broich im bundesliga.de-Interview.


Zahlen und Fakten:

Nach seinem "Doppelpack" gegen Kasachstan wird Miroslav Klose auf einen Einsatz brennen. Dem Bayern-Stürmer fehlen nur noch sieben Tore, um mit der lebenden Legende Gerd Müller in der ewigen Torjägerliste des DFB gleichzuziehen. Sollte Klose zum Einsatz kommen, würde er zudem in der in der ewigen Rangliste der deutschen Länderspiel-Einsätze mit Jürgen Klinsmann auf Platz 2 gleichziehen (108). Unerreichbar scheint Lothar Matthäus, der 150 Mal für Deutschland auflief.

Bundestrainer Löw betreut das deutsche Team zum 64. Mal als verantwortlicher Bundestrainer seit seinem Debüt im August 2006. Seine Bilanz: 44 Siege, elf Unentschieden und neun Niederlagen bei einer Tordifferenz von 155:45. In den bisherigen 63 Länderspielen setzte Löw 69 Nationalspieler ein und verhalf 44 Neulingen zu ihrer Premiere im Trikot der DFB-Auswahl. Sven Bender könnte als 45. Debütant unter Löw in die Geschichte eingehen.

Die Australier haben Ende Januar unter Wettkampfbedingungen ihre Klasse unter Beweis gestellt. Beim Asien Cup mussten sie sich erst im Finale den Japanern geschlagen geben. Das "Goldene Tor" zum 0:1-Endstand fiel erst in der 109. Minute der Verlängerung.


Stimmen:

Hansi Flick: "Wir wollen unsere Spielphilosophie auch gegen Australien umsetzen. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat."

Thomas Müller: "Es wird auf jeden Fall ein offeneres Spiel als das gegen Kasachstan. Australien ist ein gefährlicher Gegner, der sehr robust ist und nicht ganz so defensiv auftreten wird."

Holger Osieck : "Wir wollen rausgehen und unser Spiel durchziehen. Und ich bin überzeugt, dass wir uns gegen die deutsche Mannschaft nicht verstecken werden."

Robbie Kruse: "Es ist für alle Spieler eine große Chance, sich zu präsentieren. Vor allem für uns junge Spieler."


Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: Wiese - Träsch, Friedrich, Hummels, Schmelzer - Kroos, Schweinsteiger - Götze, Müller, Schürrle - Gomez

Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Ognenovski, Carney - Jedinak, Valeri, Rukavytsya, McKay - Kruse, Kewell

Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)