Es gibt Unentschieden, die sind ein Punktgewinn. Und es gibt Unentschieden, die sind zwei Punkte zu wenig. Arminia Bielefeld kennt beide Arten der Punteteilung. Die Hälfte aller Saisonspiele bestritten die Ostwestfalen remis - zuletzt hintereinander auf Schalke und gegen Energie Cottbus.

In beiden Partien zeichnete sich vor allem ein Mann auf Seiten der Arminia aus: Dennis Eilhoff. Der Torhüter, der nach einem zweijährigen Gastspiel in Koblenz im Sommer auf die Alm zurückkehrte, steht aufgrund einer Verletzung von Rowen Fernandez seit Saisonbeginn zwischen den Pfosten.

Am kommenden Wochenende wartet eine weitere Prüfung auf Eilhoff. Bielefeld ist zu Gast beim FC Bayern München. Vor seinem Debüt gegen den Rekordmeister spricht bundesliga.de mit Eilhoff über Arminias "Remis-Fluch", die Torhütersituation beim DSC und das Wunschergebnis gegen die Bayern.

bundesliga.de: Herr Eilhoff, auf das 0:0 auf Schalke folgte ein 1:1 daheim gegen Cottbus. Wie sind die beiden Unentschieden einzuschätzen?

Dennis Eilhoff: Der Punkt auf Schalke war aufgrund der sehr guten Mannschaftsleistung absolut verdient. Mit diesem Punktgewinn haben auch nicht viel gerechnet. Gegen Cottbus wollten wir natürlich nachlegen und den auf Schalke gewonnenen Punkt noch wertvoller machen. Doch leider ist uns das am Dienstag nicht in vollem Umfang gelungen.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft machte einen Rückstand gegen Energie wett und spielte eine komplette Halbzeit in Überzahl. Hätte da mehr als nur ein Punkt herausspringen müssen?

Eilhoff: Mit Sicherheit. Obwohl es nicht leicht ist, gegen solch ein Abwehrbollwerk anzukommen. Die Cottbuser standen - auch weil sie auswärts gespielt haben - sehr weit hinten drin. Wir haben mit schnellen Pässen und Flanken versucht, die Lücke zu finden. Es ist schwer, da mit Kombinationsspiel durchzukommen. Aber wenn man die Situation nach 90 Minuten nüchtern betrachtet, hätten wir das Spiel gegen Cottbus - auch weil es ein Heimspiel war - gewinnen müssen.

bundesliga.de: Gegen Schalke avancierten Sie zum Star des Abends. Eine Glanzparade folgte der nächsten. War das eines der besten Spiele in Ihrer Karriere?

Eilhoff: In der Bundesliga war das sicher mein bestes Spiel. Ich habe in meinen beiden Jahren in Koblenz auch einige sehr gute Spiele absolviert. Aber wenn man auf Schalke als Mannschaft einen Punkt holt und als Torwart zu Null spielt, kann man schon zufrieden mit seiner Leistung sein.

bundesliga.de: Auch wenn es bislang nur einen Sieg für Bielefeld in dieser Saison gab. Kann die Arminia mit den vergangenen Spielen größtenteils zufrieden sein?

Eilhoff: Natürlich hätten wir in dieser Saison mindestens einen Sieg mehr auf dem Konto haben können. Aber aufgrund des Spiels auf Schalke, wo die Mannschaft gezeigt hat, was sie zu leisten im Stande ist, sind wir auf einem guten Weg. Vor allem kämpferisch können wir uns nichts vorwerfen.

bundesliga.de: Sie haben Ihre Profikarriere bei Arminia Bielefeld begonnen und wurden dann 2006 für zwei Jahre nach Koblenz ausgeliehen. Wie haben Sie damals über diesen Wechsel gedacht, und was denken Sie heute darüber?

Eilhoff: Damals bin ich nach Koblenz gegangen, um Spielpraxis zu sammeln. Im Nachhinein betrachtet war dies absolut der richtige Schritt. Ich war in Bielefeld jahrelang die Nummer 2 hinter Matthias Hain. Als Mannschafskapitän und Kopf des Teams war er natürlich gesetzt. Aus meiner Sicht und aus der Sicht des Vereins war der Wechsel nach Koblenz die beste Perspektive, um wieder aufs Spielfeld zu kommen. Mit dieser in Koblenz gesammelten Praxis kann ich jetzt der Mannschaft Arminias auch helfen und die Philosophie des Vereins umsetzen.

bundesliga.de: Im Sommer kehrten Sie nun nach Bielefeld zurück - eigentlich als Nummer 2 im Tor. Aufgrund des anhaltenden Verletzungspechs von Rowen Fernandez stehen Sie aber seit Saisonbeginn zwischen den Pfosten. Wie gehen Sie mit dem Konkurrenzkampf um, der sich früher oder später im Bielefelder Tor ereignen wird?

Eilhoff: Jeder Fußballspieler will auch auf dem Platz stehen, ansonsten wäre man kein echter Profi. Niemand sitzt gern auf der Bank. Natürlich will auch ich spielen. Daher bin ich vor zwei Jahren auch nach Koblenz gegangen. Ich bin nach Bielefeld zurückgekommen, um im Tor zu stehen. Dass das aufgrund einer Verletzung des Konkurrenten geschehen ist, ist nicht schön aus seiner Sicht. Aber in diesem Moment ist es halt die Aufgabe des zweiten Keepers, alles für den Erfolg des Teams zu geben. Das klappt im Moment ganz gut. An den Konkurrenzkampf denke ich noch gar nicht. Ich konzentriere mich nur auf das Ziel, mit Bielefeld die Klasse zu halten. Was in mehreren Wochen oder Monaten sein könnte, interessiert mich nicht.

bundesliga.de: Am kommenden Wochenende spielt die Arminia bei Bayern München. Sie spielen zum ersten Mal gegen den Rekordmeister. Wird das eine besondere Partie für Sie werden?

Eilhoff: Das wird ein ähnliches Spiel wie auf Schalke. Es ist keine Frage, dass wir der krasse Außenseiter sind. Wir können uns auf viele heranstürmende Bayern-Spieler gefasst machen. Wenn wir so wie auf Schalke auftreten und ein gewisses Quäntchen Glück haben, kann das Spiel auch wie die Partie in Gelsenkirchen enden. Ein Punkt bei den Bayern - das wäre ein Hammer!

bundesliga.de: Die Rollen in diesem Spiel sind klar verteilt. Ist es Ihnen Recht, als "Underdog" nach München zu fahren?

Eilhoff: Wenn man in Bielefeld spielt, fällt man logischerweise in vielen Spielen in diese Rolle. Aber fast jede Mannschaft kommt als Außenseiter nach München. Die Bayern haben in der Allianz Arena bislang nur wenige Male verloren. Am Samstag wollen wir diese Außenseiterrolle zu unserem Vorteil nutzen.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz