München - Über ein Jahr lang musste die Bundesliga nach dem Wechsel von Lukas "Prinz Poldi" Podolski nach London ohne einen Prinzen auskommen. Diese Zeit ist nun vorbei, denn am Samstag trug Kevin-Prince Boateng zum ersten Mal das Schalker Trikot. Und zu welchem Verein würde ein "blaublütiger" Spieler besser passen als zu Königsblau?

Nur einmal trainierte der Neuzugang vom AC Mailand mit der Mannschaft, bevor er Samstagabend im Topspiel gegen Bayer Leverkusen im offensiven Mittelfeld auflief. Auch wenn dem gebürtigen Berliner noch nicht alles gelang, war er bereits eine prägende Figur im Schalker Spiel. Insgesamt vier Torschüsse gab er ab - die meisten auf dem Feld. Zweimal stand er kurz vor seinem ersten Treffer für den neuen Club. Mit einem Tor und einer Vorlage war allerdings Jefferson Farfan der Matchwinner beim 2:0 über die Werkself. Der Peruaner war auf der rechten Seite nicht zu bremsen und schlug insgesamt neun Flanken in den Bayer-Strafraum. So viele Bälle spielte kein anderer Akteur an diesem Spieltag vor das gegnerische Tor .

Daheim trifft Diouf am liebsten

Die Gäste aus Leverkusen verpassten den Sprung an die Spitze. Ähnlich erging es dem 1. FSV Mainz 05, der genau wie Bayer mit drei Siegen perfekt in die Saison gestartet war. In Hannover unterlag das Team von Trainer Thomas Tuchel nun das erste Mal. Auch, weil Mame Diouf wieder einmal zuhause traf. Der Senegalese erzielte 18 seiner 20 Bundesliga-Tore im eigenen Stadion. Mit drei Siegen sind die Niedersachsen so gut wie seit 48 Jahren nicht mehr in eine Bundesliga-Spielzeit gestartet. "Wir waren in unserer vordersten Reihe heute sehr effektiv und haben aufopferungsvoll verteidigt", erklärte Mirko Slomka das Rezept für den 4:1-Erfolg (Trainerstimmen).

Mit dem gleichen Ergebnis schickte Borussia Mönchengladbach die zuvor so defensivstarken Bremer nach Hause. Die Mannschaft von Lucien Favre überzeugte auf ganzer Linie und hatte sowohl die beste Pass- als auch die beste Zweikampfquote des Spieltags. 86,7 Prozent der Zuspiele fanden einen Mitspieler und 57,1 Prozent der direkten Duelle konnten die Borussen für sich entscheiden. Mit zehn Toren nach vier Spieltagen ist die Offensive zudem so gefährlich wie seit zehn Jahren nicht mehr (XL-Galerie: Bilder des Spieltags). Christoph Kramer hielt seinen Vorderleuten erneut eindrucksvoll den Rücken frei. Mit 12,9 Kilometern war er der drittbeste Dauerläufer des Spieltags und gewann zudem jede Menge Zweikämpfe (21).

Sprintertrio mit neun Punkten

Am Sonntag setzte sich Borussia Dortmund dank seiner Geschwindigkeit mit 2:1 bei Eintracht Frankfurt durch und verteidigte die Tabellenspitze. Insgesamt 267 Sprints zogen die Borussen an - Spieltagsbestwert. Neuzugang Henrikh Mkhitaryan brachte den BVB mit seinen ersten beiden Bundesliga-Treffern auf die Siegerstraße. Beim 1:0 wurde er von Kevin Großkreutz bedient, der unermüdlich seine rechte Seite bearbeitete. Den Bestwert von 39 Sprints teilt er sich mit zwei weiteren Akteuren, die ebenfalls siegreich waren.

Bei Stuttgarts 6:2-Gala gegen Hoffenheim glänzte nicht nur Vedad Ibisevic mit drei Treffern gegen seinen Ex-Club - auch der erst 17-jährige Timo Werner spielte sich in den Vordergrund. Das Offensivtalent flitzte wie aufgezogen über den Rasen und war ebenfalls 39 Mal in höchstem Tempo unterwegs. Auch Andre Hahn vom FC Augsburg betrieb beim Auswärtsspiel in Nürnberg enormen Aufwand. Neben seinen 39 Sprints spulte er mit 12,7 Kilometern ein sensationelles Pensum für einen Offensivspieler ab. Joker Kevin Vogt belohnte seinen fleißigen Kollegen mit dem goldenen Treffer zum 1:0 und fügte sich damit in den Trend des Spieltags ein.

Die Joker stechen reihenweise

Fünf Tore wurden in den bisherigen sieben Partien durch Einwechselspieler erzielt. Zuletzt fielen am 31. Spieltag der Saison 2011/12 mehr Jokertore. Hamburgs Hakan Calhanoglu traf bei seinem elfminütigen Einsatz sogar zwei Mal.

Zu verdanken hat er das seinem Trainer, der ihn mit einem klaren Arbeitsauftrag aufs Feld schickte: "Ich habe ihm gesagt, dass er ein Tor machen soll", erklärte Thorsten Fink nach dem Abpfiff. Streber Calhanoglu führte den Auftrag gleich doppelt aus - mit fatalen Auswirkungen für seine Regeneration. "Ich glaube, dass ich heute kaum schlafen werde", gab er nach dem Schlusspfiff glücklich zu Protokoll.

Mittlerweile dürfte sich auch der SC Freiburg wieder von seinem Auftritt gegen Bayern München erholt haben. Bereits am Dienstag rang der Sport-Club dem Rekordmeister einen Zähler ab und stellte dabei gleich zwei Saisonrekorde auf. Die Mannschaftsleistung von 128,7 Kilometern ist bisher ebenso unerreicht wie die 13,7 Kilometer, die Gelson Fernandes gegen die Münchner abriss. Da Leverkusen und Mainz am Samstag Niederlagen einstecken mussten, schob der Titelverteidiger sich trotz des Remis auf Platz zwei vor. Auch, weil die Bundesliga wieder einen Prince hat.

Florian Reinecke

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