Freiburg - SC-Trainer Christian Streich konnte seinen Ärger nach dem Schlusspfiff nur schlecht kanalisieren: "Das Spiel musst du einfach gewinnen. Es ist schade, dass sich meine Mannschaft für diese engagierte Leistung nicht belohnt hat."

In der Tat war der SC beim 2:2 gegen Werder Bremen über 90 Minuten das energischere, druckvollere Team gewesen. 18 zu acht Torschüsse, 7:1 Ecken und eine positive Zweikampfbilanz gaben dem SC-Coach in seiner Einschätzung Recht. Und die Fans feierten ihre Mannschaft, als habe sie gerade den Klassenerhalt geschafft.

Nur in Rückstand treffsicher

Schon im ersten Durchgang hatte der Tabellenletzte, der sich im Vergleich zum 1:3 bei Mainz 05 am vergangenen Spieltag auch spielerisch deutlich verbessert zeigte, die klareren Torchancen. Zunächst verfehlte ein Drehschuss von Interims-Kapitän Cedrick Makiadi das Tor nur knapp (20.), dann traf Neuzugang Michael Lumb mit einem Distanzschuss die Latte.

Doch der SC musste jeweils erst Bremer Toren hinterherrennen, um durch Makiadi (32.) und Youngster Jonathan Schmid (70.) wenigstens noch einen Punkt über die Zeit zu bringen. Doch auch nur ein einziger Punkt ist für Freiburger Verhältnisse gegen den Angstgegner eine erfreuliche Ausbeute - auch wenn angesichts des Tabellenstandes drei Punkte das Ziel gewesen waren. Gerade einmal vor zwei Jahren ging man an gleicher Stelle mit 0:6 unter. Und auch das Hinspiel bei den Hanseaten (5:3 für Bremen) hatte für die Freiburger Defensive torreich geendet.

Höhn debütiert

Umso erfreulicher aus Freiburger Sicht, dass der SC diesmal vor allem defensiv zu überzeugen wusste. Im Mittelfeld wurde konsequent gedoppelt, die Vierkette gab sich kaum eine Blöße. Was umso überraschender war, da Streich bei der Kader-Nominierung Mut bewiesen hatte. In der Innenverteidigung schenkte er dem 20-jährigen Immanuel Höhn, einem weiteren Spieler aus der eigenen Fußballschule, das Vertrauen und verhalf ihm so zum ersten Bundesligaspiel seiner Karriere.

Mit dem Spiel seiner Mannschaft war Christian Streich dann auch trotz der "individualtaktischen Fehler vor beiden Toren hochzufrieden". Dieser Sichtweise schlossen sich auch die Spieler an. "Wir haben Moral bewiesen und gezeigt, dass wir bundesligatauglich sind", sagte Mittelfeldmann Johannes Flum. "Jetzt müssen wir aber am Freitag in Wolfsburg nachlegen."

Flum schwärmt von Pizarro

Und dennoch, auch der Mittelfeldmotor haderte mit den gerade absolvierten 90 Minuten, die einmal mehr zur Gala des Mannes geworden waren, der gegen den SC immer besonders motiviert zu sein scheint und in 15 Begegnungen schon zehn Treffer gegen die Breisgauer erzielt hat. Claudio Pizarro, fand Flum, sei schon "europäische Spitzenklasse".

Genau deshalb hätte man auch konzentrierter zu Werke gehen müssen. "Vor dem Tor ist die entscheidende Zone. Da muss man am Mann bleiben", sagte Flum. "Und wenn der Mann dann Pizarro heißt, schon zwei Mal." Tröstlichere Worte fand Keeper Oliver Baumann, den man von einer Mitschuld am ersten Pizarro-Treffer nicht freisprechen konnte: "Das war insgesamt ein positives Erlebnis, auf das wir aufbauen können."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf