Das Timing hätte nicht besser sein können. Mit einem Feuerwerk und der erstmaligen Tabellenführung nach 652 Tagen feierte der FC Bayern am Sonntag seinen 110. Geburtstag.

Der Hamburger SV entpuppte sich als höflicher Gast und ließ alle drei Punkte in der bayrischen Landeshauptstadt zurück. Pünktlich zum Ehrentag durfte sich damit FCB-Trainer Louis van Gaal das erste Mal als Tabellenführer der Bundesliga feiern lassen.

"Es ist ein gutes Gefühl wieder Tabellenführer zu sein. Gerade für unser Publikum ist es schön, zum Geburtstag oben zu stehen", sagte van Gaal und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: "Erst der Geburtstag, dann die Tabellenführung - das war ein perfektes Wochenende für uns. Wir haben darauf gewartet, dass Leverkusen stolpert. Es war psychologisch wichtig, nun nachzulegen. Wir wollen den Titel und sind auf einem guten Weg."

"Lieber Gejagter als Jäger"

Rummenigge weiter: "Für uns wird es nun mit der Meisterschaft zwar kein Selbstläufer, aber ich glaube, dass es sehr schwer wird uns da oben runterzuholen. Grundsätzlich sind wir lieber Gejagter als Jäger!"

Der Tabellenvierte aus Hamburg war eigentlich als potenzieller Spielverderber angereist. Die Vorzeichen standen gut: Gegen kein anderes Team gab es für die Bayern in der jüngeren Vergangenheit größere Probleme. Im Hinspiel setzte es mit einem 0:1 die letzte Bundesliga-Niederlage der Bayern, zudem waren die HSV-Kicker in der Allianz Arena gegen die Münchner noch ungeschlagen.

Matchwinner Ribery

Und der HSV machte seine Sache auch diesmal gut. "Sowohl für Franck Ribery als auch für Arjen Robben war es heute schwierig, weil sich die Verteidigung des HSV gut auf die beiden eingestellt hatte, aber trotzdem hat man gesehen, dass Franck dann mit einer Aktion das Spiel entscheiden konnte. Das ist eine Qualität, die man erst einmal haben muss", sagte Rummenigge.

In der 78. Minute passierte es: Der Franzose, der aufgrund seiner Verletzungen in dieser Saison erst zum vierten Mal in der Startelf der Bayern stand, fasste sich auf der linken Angriffsseite ein Herz und vollendete nach einem Dribbling gegen Guy Demel mit einem trockenen Schuss in die linke Torecke. Wolfgang Hesl, der in der zweiten Hälfte für den am Ellenbogen verletzten Stammkeeper Frank Rost im Kasten der Hamburger stand, war zwar mit den Fingern dran, musste die Kugel aber passieren lassen.

Nach seinem Treffer rannte der französische Nationalspieler Richtung Bayern-Bank und fand in Youngster David Alaba seinen ersten Jubelpartner. Trainer van Gaal hielt dieses Mal Sicherheitsabstand bei der kollektiven Bayern-Freude.

Ausgeglichene Spielanteile

Die Hamburger konnten sich im Grunde wenig vorwerfen. Sowohl am Ballbesitz (50 Prozent) als auch bei den Zweikämpfen (44 Prozent gewonnene Duelle) gab es wenig auszusetzen.

Kein Wunder daher, dass HSV-Coach Bruno Labbadia sichtlich enttäuscht war: "Vorne ein leichter Ballverlust und dann wussten wir, dass Bayern im Konter sehr stark ist. Ribery hat den Unterschied ausgemacht. Im Eins-gegen-Eins konnten sich die Bayern mehr durchsetzen als wir. In so einem Spiel sind diese Kleinigkeiten entscheidend."

Vor allem Mladen Petric und Piotr Trochowski, die zusammen für sieben der zwölf HSV-Abschlüsse verantwortlich zeichneten, hatten mehrmals die Gelegenheit zur Führung oder später zum Ausgleich auf dem Fuß, alleine es fehlte die nötige Genauigkeit. Nur zwei der Schüsse fanden den Weg aufs Tor - beide parierte Hans-Jörg Butt glänzend.

"Es liegt an uns, ob wir Meister werden oder nicht"

Petric haderte mit dem Ausgang der Partie: "Es war ganz klar mehr drin. Das Spiel war über 90 Minuten auf Augenhöhe und letztendlich hat eine einzige Aktion die Partie entschieden."

Bei den Hausherren dagegen zeigte die Wiedervereinigung von "Robbery" ihre Wirkung. Der Schütze des goldenen Tores, Ribery, versuchte gleich fünf Mal sein Glück beim Torabschluss, sein kongenialer Partner aus den Niederlanden bereitete vier Schüsse direkt vor.

Der lange Ball vor dem entscheidenden Schuss in der 78. Minute kam jedoch von Bastian Schweinsteiger. "Es ist schon so etwas wie Erleichterung zu spüren, auf jeden Fall ist es ein schönes Gefühl wieder ganz oben in der Tabelle zu stehen! Der HSV hat mitgespielt und versucht ein Tor zu machen. Aber es liegt an uns, ob wir Meister werden oder nicht", bekannte der Nationalspieler.

"Mia san mia"

Nach exakt 652 Tagen bzw. 57 Spieltagen thront der deutsche Rekordmeister damit also erstmals wieder an der Spitze der Liga. Die Bayern haben ihren Rhythmus gefunden. "Die Mechanismen laufen jetzt, wir haben über 90 Minuten ein ordentliches Spiel gemacht und deswegen auch verdient gewonnen. Ich denke, dass wir uns jetzt durchsetzen und vorne wegmarschieren werden", kündigte Thomas Müller an.

Im Anschluss an die Partie folgte schließlich die ausgelassene Geburtstags-Party der Sieger. In großen Leuchtbuchstaben bekamen die Anhänger nach Schlusspfiff das Lebensgefühl des FC Bayern im Mittelkreis zu lesen: "Mia san mia!" Stürmer Mario Gomez fasste es lächelnd in entsprechende Worte: "Besondere Momente muss man sich für besondere Tage aufheben."

Aus München berichten Sebastian Bisch und Denis Huber