Leverkusen - Als Spieler hat Sami Hyypiä große Schlachten geschlagen. Mit dem FC Liverpool gewann der Finne die Champions League und den UEFA-Cup, wurde so zur Kultfigur an der Anfield Road. In Leverkusen dann machte sich der Defensivspezialist auch in der Bundesliga einen Namen. Doch am Sonntag um 17:30 Uhr betritt der Mann, der als Fußballer fast alles erlebt hat, Neuland.

Erstmals wird der 38-Jährige auf der Trainerbank eines Profiklubs sitzen. Beim Hamburger SV soll er Bayer Leverkusen zum Sieg führen - und in den kommenden Wochen als Auszubildender die Saison der "Werkself" retten.

"Keiner, der große Reden schwingt"



"Wir haben hier das klare Ziel, ins internationale Geschäft einzuziehen", sagt Hyypiä: "Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft gut genug ist, um es zu erreichen." Ein Mann großer Worte, das wurde schnell deutlich, ist der finnische Rekordnationalspieler nicht. Über die Mikrofone der versammelten Presse gelehnt, gab der große blonde Mann nur das Nötigste von sich. "Er ist keiner, der große Reden schwingt", sagte auch Kapitän Simon Rolfes nach dem ersten Training: "Er wählt wenige, aber treffende Worte."

Offiziell wird er dies in den kommenden Spielen als Teamchef tun, denn auf dem Papier ist der frühere Weltklasse-Verteidiger noch kein Trainer. Erst seit dem vergangenen Jahr arbeitet Hyypiä in seiner Heimat an der A-Lizenz, die Position des Hauptverantwortlichen bekleidet daher der frühere U19-Trainer Sascha Lewandowski. Der 40-Jährige ist seit fünf Jahren in der Jugendabteilung des Vereins tätig.

Schon als Spieler in einer Ausnahmestellung - Chance für Ballack



Ein Azubi soll die angeschlagenen Leverkusener also aus der Krise führen - für Sportdirektor Rudi Völler ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil, gerade Hyypiäs Nähe zur Mannschaft soll Bayer nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie zurück in die Erfolgsspur befördern. "Mit seiner großen Profi-Erfahrung und dem Draht, den er immer noch zu den Spielern hat, kann er das Ruder herumreißen", sagte Völler. "Wir sind sehr froh, dass er jetzt einspringt - die Spieler schauen zu ihm auf."

Für die ehemaligen Kollegen war der Mann, der nun die Richtung vorgeben soll, ohnehin schon früher mehr als ein normaler Mitspieler. 2009 war er aus Liverpool an den Rhein gewechselt, in England zählte man nicht mehr auf die Dienste des damals 35-Jährigen. Bei Bayer wurde der Stoiker dennoch schnell zur festen Institution in der Innenverteidigung. Schon damals, so erinnert sich sein früherer Teamkollege Rolfes, hatte Hyypiä eine Ausnahmestellung innerhalb der Mannschaft: "Man hat gleich gemerkt, dass er sich Gedanken wie ein Trainer macht", sagt der Mittelfeldspieler.

Diese kamen vermehrt in den vergangenen Tagen - und bereiteten dem neuen Teamchef einige unruhige Stunden. "Zwei, drei Nächte" habe er nicht besonders gut geschlafen, sagte Hyypiä der "Rheinischen Post": "Ich habe über alles nachgedacht, was wir machen sollen." In seinen Überlegungen spielt offenbar auch Michael Ballack wieder eine Rolle. Hyypiä deutete an, der Ex-Nationalspieler, unter Dutt zum Reservisten degradiert, könne im Saisonfinale in die Mannschaft zurückkehren.