Der Augsburger Neuzugang Sascha Mölders (l.) erzielte bisher alle drei Treffer des Neulings
Der Augsburger Neuzugang Sascha Mölders (l.) erzielte bisher alle drei Treffer des Neulings
Bundesliga

Ein Mölders allein reicht nicht

München - Die Euphorie beim Bundesliga-Neuling FC Augsburg war groß nach den ersten beiden Spieltagen. "Wir sind der einzige Bundesligist, der in der Geschichte der Bundesliga noch ungeschlagen ist", scherzte FCA-Kapitän Uwe Möhrle nach den beiden Remis zum Auftakt gegen den SC Freiburg und beim 1. FC Kaiserslautern. Doch längst ist der Neuling auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet. Ernüchterung ist eingekehrt.

Nach den beiden Niederlagen gegen 1899 Hoffenheim und den 1. FC Nürnberg wartet der Aufsteiger immer noch auf seinen ersten Saisonsieg und ist auf den Relegationsplatz 16 abgerutscht. Ein schlechtes Omen: Der SSV Ulm (Saison 1999/00) und der VfB Leipzig (1993/94) waren die letzten zwei Liga-Neulinge, die in den ersten vier Spielen sieglos blieben. Sie stiegen am Saisonende ab.

Dicke Brocken warten auf Augsburg

Daher macht auch Manager Andreas Rettig keinen Hehl daraus, dass er sich den Auftakt ein wenig anders vorgestellt hatte. "Mit vier Punkten aus vier Spielen wären wir sehr zufrieden gewesen, doch jetzt haben wir zwei - und sind nur bedingt zufrieden." Auch, weil es die kommenden fünf Gegner wirklich in sich haben. Bereits am Freitag stellt sich Vize-Meister Bayer Leverkusen in der SGL arena vor. Nach dem Auswärtspiel bei Mitaufsteiger Hertha BSC gastieren der Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 und der Deutsche Meister Borussia Dortmund in Augsburg. Daraufhin folgt die Auswärtsfahrt zum Vorjahres-Fünften 1. FSV Mainz 05. Der Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze droht frühzeitig verloren zu gehen.

Und so beginnen bei den "Fuggerstädtern" bereits die Durchhalteparolen. "Wir dürfen den Glauben nicht verlieren", sagte FCA-Trainer Jos Luhukay nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg. Eines steht fest - beim Neuling ist noch viel Luft oben.

Zusammenspiel passt noch nicht

Über die Spiele verteilt hatte der FCA im Schnitt nur 44 Prozent Ballbesitz, nur der VfL Wolfsburg hatte weniger. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Fehlpassquote von 22 Prozent ist definitiv zu hoch.

Auch in der Defensive gibt es noch Abstimmungsschwierigkeiten. Torhüter Simon Jentzsch, der in der vergangenen Saison 14 Zweitliga-Spiele zu Null absolvierte, konnte in den ersten vier Bundesliga-Partien noch nicht ein Mal seinen Kasten sauber halten. Zudem ließen die Süddeutschen nach dem Hamburger SV bisher die meisten Torschüsse zu (63). Besonders auffällig: In beiden Auswärtsspielen kassierte Augsburg in der Schlussviertelstunde ein Gegentor. In der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga gab es in 34 Partien nur einen Gegentreffer in der Schlussviertelstunde.

Hoffnungen ruhen auf Bah und Nando Rafael

Der Luhukay-Elf fehlt momentan aber auch das nötige Glück im Abschluss. Schon vier Mal trafen die FCA-Kicker Pfosten oder Latte, nur Mainz hatte in dieser Hinsicht öfter Pech. Dazu plagen den FCA große Personalsorgen. Angreifer Thorsten Oehrl fehlt mit einer Knieverletzung schon seit Saisonbeginn, Rechtsverteidiger Paul Verhaegh und Mittelfeldmann Marcel Ndjeng stehen in den nächsten Wochen ebenfalls nicht zur Verfügung. Diese Ausfälle kann Luhukay nur bedingt auffangen, fehlt es in der Kaderbreite beim Neuling doch an Qualität.

Daher hat Manager Rettig kurz vor dem Ende der ersten Wechselperiode auch noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und verpflichtete Dawda Bah von HJK Helskini. "Er ist im Offensivbereich auf allen Positionen einsetzbar. Darüber freuen wir uns", sagte Rettig. Zudem steht Angreifer Nando Rafael, der in der vergangenen Spielzeit 14 Tore erzielte, nach seiner Achillessehnen-Entzündung gegen Leverkusen vor seinem Comeback. Zwei Optionen mehr also für die Offensive. Das wird den Cheftrainer erfreuen. Denn vor allem im Angriffspiel drückt beim Aufsteiger der Schuh noch gewaltig. Für die drei Saisontreffer war bisher nämlich nur ein Akteur zuständig: Sascha Mölders.

Fehlende Durchschlagskraft

Trifft der Neuzugang vom FSV Frankfurt aber nicht, dann steht der FCA prompt auch mit leeren Händen da. So geschehen bei den Niederlagen gegen 1899 Hoffenheim und den 1. FC Nürnberg. Auch die Anzahl von Mölders Torchancen nahm zuletzt deutlich ab: Nach sechs Torschüssen gegen Freiburg und zwei Torschüssen in Kaiserslautern kam der Torjäger in den letzten beiden Spielen jeweils nur noch einmal zum Abschluss.

Überhaupt gaben die Schwaben bislang insgesamt nur 46 Torschüsse ab - das ist der viertschlechteste Wert aller Bundesligisten. Und einzig Kaiserslautern hatte weniger Großchancen als der FCA. Ein weiterer Beleg für die fehlende Durchschlagskraft im Spiel nach vorne ist, dass sich Augsburg die wenigsten Ecken (13) erspielte.

FCA immer noch einzigartig

Es bleibt also noch viel zu tun für Luhukay. Dabei kann er mit seinem Team Geschichte schreiben. Der letzte Novize ohne Sieg nach vier Spielen, der den Klassenerhalt schaffte, war der FC Homburg vor 25 Jahren (1986/87).

Und obwohl die Augsburger den Nimbus der Unbesiegbarkeit schon längst verloren haben, sind sie immer noch einzigartig. Als einziger Bundesligist in der Geschichte der Bundesliga hat der FCA nämlich noch keinen "Dreier" auf seinem Konto. Doch diese Besonderheit will der Neuling so schnell wie möglich ablegen. Möglichst schon am Freitag gegen Leverkusen.

Robin Schmidt