München - Das Torhüterkarussell in der Bundesliga ist mit dem Rückrundenstart heftig in Bewegung geraten - nicht nur der FC Bayern München ist nach der Ablösung von Jörg Butt als Stammkeeper durch Thomas Kraft bei der wilden Fahrt dabei.

Am 18. Spieltag gab neben Kraft ein gewisser Ron-Robert Zieler sein Debüt für Hannover 96. Beim 1. FC Köln kehrte der bei den Bayern ausgemusterte Michael Rensing zurück auf die große Bühne, und beim 1. FSV Mainz 05 verdrängte der genesene Heinz Müller mit Christian Wetklo einen der Garanten des Höhenflugs der Rheinhessen. Der Blick in die Datenbank zeigt, ob sich der Wechsel am 18. Spieltag ausgezahlt hat.

Kraft nutzt seine Chance

In der Vorsaison hielt Jörg Butt mit 79 Prozent die meisten Bälle aller Bundesliga-Torhüter und verdiente sich damit auch sein Ticket für die WM in Südafrika. In diesem Jahr sind es nur noch 66 Prozent gehaltener Schüsse, auch wenn der mäßige Hinrunde des FC Bayern auf keinen Fall nur an der Leistung des routinierten Keepers festgemacht werden kann.

Trotzdem entschied sich Trainer Louis van Gaal für einen Wechsel im Tor, um dem 22-jährigen Thomas Kraft eine Chance zu geben, sich in Drucksituationen zu beweisen. Und Kraft bedankte sich für das Vertrauen mit einem klasse Auftritt gegen den VfL Wolfsburg.

Der Torhüter leitete mit einem weiten Abschlag nicht nur die Führung der Bayern ein, er parierte zudem einen Elfmeter von Grafite und entschärfte weitere gefährliche Torschüsse (insgesamt 75 Prozent gehaltene Schüsse). Beim Ausgleich der "Wölfe" traf den Keeper keine Schuld.

Gelungener Einstand für Rensing

Michael Rensing gab sich nach einem starken Einstand beim FC äußerst zufrieden. Er habe bewiesen, dass er ein guter Torwart sei, sagte Rensing: "Ich fühle mich stärker als je zuvor." Zwar musste er das beim 1. FC Kaiserslautern nur selten unter Beweis stellen, doch in der 87. Minute rettete Rensing den Kölnern mit einer blitzschnellen Reaktion das 1:1.

"Dafür haben wir ihn geholt. Wir wussten, dass er ein guter Spieler ist", sagte FC-Kapitän Lukas Podolski über den Rückkehrer, der vor einem Jahr letztmals in der Bundesliga gespielt hatte. Trainer Frank Schaefer ist sicher: "Michael wird uns sehr weiterhelfen." Zumal Rensing als neue Nummer eins in die Domstadt geholt wurde.

Überraschung im 96-Tor

Ron-Robert Zieler hat dagegen beim Tabellenzweiten aus Hannover den eigentlichen Stammkeeper Florian Fromlowitz am 18. Spieltag ersetzt. Der 21-Jährige hat in fast fünf Jahren bei Manchester United viel erlebt und stellte gegen Eintracht Frankfurt gleich sein Potenzial gegen unter Beweis. Zieler spielte bei seinem Bundesliga-Debüt zu Null und wehrte vier Torschüsse ab, aber auch Fromlowitz blieb 2006 bei seinem Einstand für den 1. FC Kaiserslautern ohne Gegentor.

Der Keeper kam in den bisherigen 17 Partien in dieser Saison auf durchschnittlich 3,2 gehaltene Bälle bei rund 1,6 Gegentoren pro Spiel. Der Tausch auf der Torhüterposition bei den "Roten" dürfte für Fromlowitz überraschend gekommen sein, denn der 24-Jährige hatte in dieser Saison einen souveränen Eindruck hinterlassen.

Slomka hat sich aber letztlich auch aufgrund von sehr guten Trainingsleistungen für den Wechsel zwischen den Pfosten entschieden. "Natürlich war ich überrascht und ein bisschen nervös", sagte Zieler, der von der U 16 bis zur U 20 für jedes Junioren-Team des DFB spielte, über den Schritt seines Trainers. Der hatte Ende 2006 bereits einem gewissen Manuel Neuer bei Schalke 04 zum Bundesliga-Debüt verholfen.

Hauchdünner Vorsprung

In Mainz kehrte Heinz Müller zurück, weil er laut Trainer Thomas Tuchel "einen Millimeter" vor Wetklo liegt, obwohl Wetklo mit 76 Prozent gehaltener Bälle in der Hinrunde ligaweit auf Platz 3 lag. Allerdings war Müller in der Vorsaison die unumstrittene Nummer eins bei den Rheinhessen und gehörte zu den besten Keepern der Bundesliga. Nur Bayerns Butt hielt 2009/10 anteilig mehr Bälle (79 Prozent) als Müller (75 Prozent).

Das Spiel gegen den VfB Stuttgart war schon die zweite Partie, die Müller nach überstandener Verletzung absolvierte. Dabei blieb er beide Male nicht ohne Gegentreffer und hielt nur 63 Prozent der Schüsse auf sein Tor, bei den Gegentreffern war er allerdings immer chancenlos.

Keine endgültigen Entscheidungen

Die vielen Wechsel ohne Not im Tor zeigen aber, dass die Bundesliga einmal mehr ihrem Ruf gerecht wird, über erstklassige Torhüter zu verfügen.

Müller wird in jedem Training den heißen Atem Wetklos spüren, Fromlowitz dürfte mit aller Macht zurück ins 96-Tor drängen. Und auch Kraft darf sich nicht allzu sicher sein, denn Jörg Butt könnte bei klaren Fehlern sofort wieder übernehmen, wie van Gaal immer wieder deutlich machte.

Für Rensing gilt es, der FC-Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken, denn mit Thomas Kessler haben die Kölner noch einen erstklassigen Keeper unter Vertrag, der bis 2012 an den FC St. Pauli ausgeliehen ist. Auf den guten Leistungen der Vorbereitung und des 18. Spieltags darf sich also keiner der vier Torhüter ausruhen.