Köln - Hochwasseralarm in Bremen! Eine Sturmflut an der Nordsee hat den Pegel der Weser um mehr als vier Meter steigen lassen. Ein noch höherer Pegelstand könnte jetzt auch das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen im Weserstadion gefährden, das unmittelbar in Ufernähe steht. Ein Expertenteam um Werder Bremens Veranstaltungsleiter Hinrich von Hallen muss nun über das weitere Vorgehen – und eine mögliche Spielabsage - entscheiden.

"Zum Glück ist ein solches Szenario noch nicht eingetroffen. Aber es ist aufgrund unserer geografischen Lage möglich und wird bei der Risikobewertung im Vorfeld jedes Spiels von Werder berücksichtigt", sagt von Hallen. Das Bremer Beispiel war eines von zahlreichen hoch interessanten Themen, die im Rahmen der internationalen DFL-Konferenz "Veranstaltungsleitung im Lizenzfußball" am 10. Oktober in der Münchner Allianz Arena zur Sprache kamen.

Reibungslose spielorganisatorische Abwicklung von jährlich 612 Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga



Mehr als 90 Teilnehmer – darunter alle Vertreter aus den 36 Clubs des Ligaverbandes - und Gäste aus sechs Ländern nahmen an der Konferenz teil, die erstmals in dieser Form und Größe veranstaltet wurde. Zweifellos ist die reibungslose spielorganisatorische Abwicklung von jährlich 612 Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga ein wesentlicher Baustein der Erfolgsgeschichte Bundesliga. Und sorgt im Zusammenspiel mit den modernen Arenen, moderaten Eintrittspreisen und hoher sportlicher Attraktivität für jährliche steigende Besucherzahlen.

Sabine Funk, langjährige Expertin für die Organisation verschiedener Großveranstaltungen, gab neben ihrer Moderatorentätigkeit während der Konferenz einen generellen Überblick zur Veranstaltungsleitung. Nach der Tragödie der Duisburger Loveparade im Jahr 2010 habe sich die Veranstaltungswelt nachhaltig verändert und das Crowd Management sei in den Fokus gerückt. Dieses umfassende Konzept sieht besonders die systematische Planung für und die kontinuierliche Beobachtung von Bewegungen und Versammlungen von Menschen vor.

Versammlungsstättenverordnung für Veranstaltungsleiter bedeutsam



Rechtsanwalt Volker Löhr gab einen Überblick über gesetzliche Rahmenbedingungen. Für Veranstaltungsleiter ist vor allem die Versammlungsstättenverordnung entscheidend, die unter anderem auf Pflichten von Betreibern, Veranstaltern und Beauftragten eingeht. Eindeutige Absprachen über Befugnisse und Kompetenzen gelte es zu treffen; Aufgaben – etwa für Ordnungsdienste – müssten klar definiert und auch kontrolliert werden.

Wie die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann, stellte Andreas Rösner, Sicherheitsbeauftragter des VfL Bochum, vor. Volker Fürderer, Geschäftsführer FC Schalke 04 Arena Management GmbH, erklärte das Modell einer Laufkarte für den Schalker Ordnungsdienst. Mit Hilfe einer speziellen Software wird für jeden Ordner eine Laufkarte erstellt, die seinen Standort in der Arena bestimmt und seine festgelegten Aufgaben beschreibt. Diese Laufkarte führt der Ordner mit sich, die Aufgaben können je nach Art der Veranstaltung angepasst werden.

"Bundesliga bietet ein Stadionerlebnis für jedermann"



Jürgen Muth, Geschäftsführer Allianz Arena München Stadion GmbH, schilderte aus Sicht des Betreibers, wie Sicherheitskonzepte bei großen internationalen Veranstaltungen abgestimmt würden. Am Beispiel des Champions League Finales 2012 zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea zeigte Muth die verschiedenen Interessen der Clubs, Verbände und Behörden auf, die letztlich auch immer den Betreiber der Allianz Arena berührten.

Ein weiterer Themenblock der Veranstaltung beschäftigte sich mit der Frage, warum die Zuschauerzahlen der Bundesliga Jahr für Jahr steigen und weltweit nur noch von einer Profiliga übertroffen wird, nämlich der nordamerikanischen Football League NFL. Birger Naß, Abteilung Spielbetrieb und Lizenzierung DFL, erklärte in seinem Vortrag, dass die DFL-Philosophie im Bereich Spielorganisation und Stadion auf Nachhaltigkeit basiert. Die WM 2006 in Deutschland habe zwar mit dem Bau der modernen Arenen einen wichtigen Impuls gegeben und die Auslastung der Bundesliga-Stadien habe in der Saison 2005/06 deshalb auch bei 80 Prozent gelegen. Aber in der Spielzeit 2011/12 sei die Auslastung sogar bei 95 Prozent angelangt. "Die Bundesliga bietet ein Stadionerlebnis für jedermann: für viele Altersgruppen auf den Stehplätzen, für Familien in speziellen Blocks bis hin zu den Business-Kunden in den Logen. Mit ihren nachhaltigen Angeboten sprechen die Clubs alle gesellschaftlichen Gruppen an", so Birger Naß.

Umwelt und Ökologie als wichtige Themen in den Stadien



Am Beispiel Wolfsburg veranschaulichte Thomas Franke, Leiter Organisation und Stadionbetrieb VfL Wolfsburg, wie steigende Besucherzahlen in der Volkswagen Arena mit einer verbesserten Infrastruktur korrespondieren. Ein Kinderspielplatz im Familienblock, optimierte Plätze für Rollstuhlfahrer und Fans auf der Blindenreportertribüne, eine Skylounge und neue Clubs für Fans und Business-Kunden sind einige Beispiele eines noch viel umfassenderen Service-Angebots beim VfL.

Auch das Thema Umwelt und Ökologie spielt eine immer größere Rolle in den Stadien. Joachim Baur, Abteilung Spielbetrieb und Lizenzierung DFL, und Daniel Bleher vom Ökoinstitut e.V., stellten verschiedene Maßnahmen vor, die zu signifikanten Einsparungen im CO2-, Strom- oder Wasserverbrauch geführt haben.

3D-Software bei Stadionmanagern im europäischen Ausland im Einsatz



Ein Blick über die Grenzen der Bundesliga rundete die Veranstaltung ab. John Beattie, Veranstaltungsleiter für das Emirates Stadion von Arsenal London, berichtete, dass bei Heimspielen bis zu 3000 bei Arsenal beschäftigte Personen im organisatorischen Einsatz sind. Frank Wijnveld, Manager des Philips Stadions vom PSV Eindhoven, und Raphael Pollet, Sicherheitsverantwortlicher beim französischen FC Valenciennes, präsentierten unterschiedliche 3D-Software, die die Stadionsituation bei Einlass, Spielverlauf und Auslass wiedergeben kann.