München - Pedro Geromel ist einer der Leistungsträger beim 1. FC Köln. Seit drei Jahren hält der Brasilianer in der Domstadt nun schon die Abwehr zusammen. In diesem Sommer wurde ihm eine große Ehre zuteil. Er wurde zum neuen Kapitän des FC ernannt.

Doch welche Person steckt eigentlich hinter dem Fußballer Pedro Geromel? bundesliga.de stellt Ihnen anhand von zehn Fakten den neuen Kölner Kapitän genauer vor und erklärt auch, warum er ohne seine Ehefrau wohl nicht in Köln gelandet wäre.

Brasilianer mit italienischen Wurzeln

Pedro Tonon Geromel wurde am 21. September 1985 in Sao Paulo geboren. Was viele nicht wissen: Der Kölner Kapitän hat eine doppelte Staatsbürgerschaft. So ist er Brasilianer und auch Italiener. Sein Großvater stammt nämlich aus Catania. "Meine Heimat liegt aber in Brasilien. Dort habe ich den größten Teil meines Lebens verbracht und fühle mich zu Hause", stellt Geromel klar, der seinen Opa zudem nie persönlich kennengelernt hat. Irgendwann will er auf jeden Fall wieder nach Südamerika zurückkehren, allerdings nicht als Profi, sondern erst nach seiner Karriere. "Dort kennt mich keiner, auf der Straße werde ich nicht angesprochen. Ich kann leben wie ein Student, da freue ich mich drauf."

Vorbild Nesta

Bei seinem fußballerischen Vorbild kommen jedoch Geromels italienische Wurzeln klar zum Vorschein. Er bewundert Alessandro Nesta, der bei Lazio Rom unter Vertrag stand und seit 2002 beim AC Mailand spielt. "Ich mag die Art, wie er seinen Körper einsetzt. Er ist für mich der Beste", lobt der Südamerikaner, der am liebsten genauso viele Erfolge feiern möchte wie sein Vorbild. Nesta hat nämlich so gut wie alles in seiner Karriere gewonnen. Neben der italienischen Meisterschaft und dem Pokal gewann er zwei Mal die Champions League und ein Mal den Weltpokal. 2006 holte der damals 31-Jährige mit Italien den Weltmeister-Titel.

Abwehrspieler durch Zufall

Wie sein Vorbild ist auch Geromel Innenverteidiger. Diese Position wurde ihm aber eher zufällig zugeteilt. Die meisten jungen Fußballer wollen am liebsten im Mitteldfeld oder im Sturm spielen und dabei viele Tore schießen. Das war bei Geromel zunächst nicht anders. Nachdem er sich bei der Jugendmannschaft von Sociedade Esportiva Palmeiras vorgestellt hatte und alle seine Mitspieler im Sturm oder als "Zehner" spielen wollten, sagte er einfach, dass er auch Stürmer sein möchte. Als ihn aber sein Trainer fragte, ob er mal Fußball gespielt habe, antwortete Geromel mit nein. Prompt wurde er in die Abwehr gestellt. "Danach kamen jeden Tag neue Jungs zum Probetraining, und der Trainer hat alle aussortiert. Ich bin übrig geblieben und habe da mehr als drei Jahre gespielt. So bin ich in der Abwehr gelandet."

Anfangsprobleme

Man mag es kaum glauben, aber Geromel hat seine ersten Anfänge im Fußball nicht draußen auf einem Bolzplatz, sondern in einer Sporthalle gemacht. "Ich habe als Kind in Sao Paulo mit Futsal angefangen." Nach den Statuten der FIFA ist Futsal die offizielle Form des Fußballs in der Halle. Draußen auf dem Fußballfeld lief es für Geromel anfangs dagegen nicht so gut. Bei Sociedade Esportiva Palmeiras hatte er große Schwierigkeiten. "Es lief nicht so gut für mich." Nach dem Abitur zog er von zu Hause aus und wurde Profi. Durch einen Kumpel führte sein Weg zunächst nach Portugal. "Er erzählte mir, dass er Bekannte dort habe und ich dort Fußball spielen könne. Er lud mich ein mitzukommen. Ich überzeugte die Verantwortlichen und unterschrieb dann in Portugal."

Vorliebe für Telenovelas

Mit gerade einmal 17 Jahren wagte er also den Sprung nach Europa und wechselte zum portugiesischen Zweitligisten GD Chaves. Von der Millionen-Metropole Sao Paulo in die abgelegene Kleinstadt Chaves (ca. 20 000 Einwohner) - der Brasilianer fühlte sich zu Beginn ziemlich einsam, da seine Familie in Brasilien blieb und auch sein Freund nach zwei Monaten dorthin wieder zurückkehrte. So machte er in Chavez nur zwei Dinge: Fußball spielen und brasilianische Telenovelas schauen.

Steiler Aufstieg

Der Start in Portugal verlief nicht gut. In Chavez spielte er das erste halbe Jahr nicht, da er noch keinen italienischen Pass hatte und der fünfte Nicht-EU-Ausländer war. Erst in der Rückrunde durfte er mitkicken und überzeugte auf ganzer Linie. Nach einem Probetraining beim FC Porto wechselte er 2005 schließlich zum portugiesischen Zweitligisten Vitoria Guimaraes. "Die drei Jahre dort waren toll", sagt Geromel. Nach dem Aufstieg 2007 landete er mit dem Neuling in der Saison 2007/08 sensationell auf den 3. Platz und wurde zudem zum besten Spieler der Saison gewählt. Und das als Verteidiger. "Das war eine große Ehre."

Glücksbringer Liv

Durch seine starken Leistungen geriet er ins Blickfeld vieler europäischer Spitzenclubs. Doch als der damalige Manager des 1. FC Köln, Michael Meier, Geromel im Sommer 2008 anrief und ihn in die Domstadt holte, stand dieser "Gewehr bei Fuß". "Ich war sehr glücklich. Das Stadion und die Stadt sind ein Traum." Auch seine Ehefrau Liv hatte großen Einfluss auf den Wechsel. Sie war schon mehrmals in Köln gewesen und wollte unbedingt, dass ihr Mann dorthin wechselt. Sie ist bei jedem seiner Spiele dabei und sein persönlicher Glücksbringer.

Publikumsliebling

Die Eingewöhnung in Deutschland fiel Geromel überhaupt nicht schwer, auch weil seine Familie dieses Mal mitkgekommen ist. Auf Anhieb überzeugte der Innenverteidiger durch eine gute Technik und seine Zweikampfstärke. Durch seine nette, höfliche und bodenständige Art neben dem Platz entwickelte er sich in Windeseile zum Kölner Publikumsliebling. Diese Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. "Die Menschen hier sind total freundlich, offen und multikulturell." Nur die Kälte macht dem 25-Jährigen manchmal zu schaffen. Wenn er im Winter zum Urlaub nach Brasilien geflogen ist, dann sei es für ihn manchmal schon hart gewesen, ins kalte Deutschland zurückzukehren.

Lernwillig

Die logische Folge seiner Entwicklung ist, dass Geromel erst kürzlich zum Kapitän beim FC ernannt worden ist. Er identifiziert sich mit dem Club und belegte bereits kurz nach seinem Wechsel 2008 gemeinsam mit seiner Ehefrau Liv die ersten Deutsch-Sprachkurse. "Meiner Ehefrau fiel es irgendwie leichter, die Sprache zu lernen", sagt Geromel, der nach anfänglichen Problemen mittlerweile aber auch problemlos Interviews ohne einen Dolmetscher geben kann. Und nachdem er zum Kapitän ernannt wurde, paukt er noch mehr. "Ich lerne momentan sehr intensiv Deutsch. Ich muss jetzt jeden Tag sprechen", sagt der Brasilianer, für den die Ernennung zum Kapitän "eine Herausforderung" ist.

Charity

Meio campo (Mittelkreis) - so nennt sich das Hilfsprojekt von Geromel, dass er in diesem Jahr auf die Beine gestellt hat. Damit will er Kindern helfen, die finanziell benachteiligt sind. "Kinder sind unsere Zukunft. Doch um sich entwickeln zu können, brauchen sie eine Orientierung, einen Mittelpunkt im Leben. Ich habe in Brasilien viel Armut gesehen, auch wenn ich nicht direkt davon betroffen war. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint und nun möchte ich etwas zurückgeben. Ich habe auch in der Mannschaft Geld für das Projekt gesammelt."

Robin Schmidt