München - Im zweiten Anlauf und mit zwei Jahren Verspätung hat der Wunschtransfer des FC Bayern München doch noch geklappt. Der Ex-Schalker Rafinha kommt aus Genua und stellt die dringend benötigte Verstärkung für den Rekordmeister in der Defensive dar. bundesliga.de beleuchtet den Werdegang des Brasilianers und zeigt seinen Weg von den Futsalplätzen Londrinas bis in die Allianz Arena und zur perfekten Lösung für Bayerns jahrelange Probleme auf der Außenverteidigerposition.

Seine Karriere begann Rafinha als Futsalspieler im zarten Alter von sieben Jahren bei Gremio Londrina. Futsal, eine Hallenfußballversion auf Handballtore mit sprungreduziertem Ball, gesonderten Regeln und ohne Bandenbegrenzung. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Technik.

In den Fußstapfen von Pele

Kein Wunder also, dass das in Südamerika beliebte Futsal begnadete Ballkünstler hervorbrachte: Beispielsweise begannen keine geringeren als Pele und Ronaldo mit Futsal, bevor sie zum Fußball wechselten. Auch Rafinha glänzt, gerade für einen Abwehrspieler, mit herausragenden technischen Fertigkeiten.

Mit 16 Jahren hatte der kleine Brasilaner dann aber genug vom Hallensport und verließ seine Heimat Londrina. Beim Erstligisten FC Coritiba spielte er sich in die Stammelf und wurde in die brasilianische U-20-Nationalmannschaft berufen.

Richtung weisender Treffer gegen Deutschland

Über diesen Weg fand er auch in Europa Beachtung. 2005 fanden die U-20-Weltmeisterschaften in den Niederlanden statt, Rafinha glänzte als Rechtsverteidiger und war mitverantwortlich dafür, dass sich die brasilianische Auswahl den 3. Platz sicherte. Bei seinem Treffer zum 2:1 im Viertelfinale gegen Deutschland sahen die Scouts der Bundesliga ganz genau hin.

So kam es, dass der 1,72 Meter große Außenverteidiger auf Schalke landete und dort einen Vierjahresvertrag unterschrieb. Und Rafinha startet in der Bundesliga durch: Auf Anhieb war er Stammspieler und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass S04 in vier von fünf Jahren unter den ersten Vier der Bundesliga landete.

2007 und 2010 verpassten die "Königsblauen" als Vizemeister sogar nur knapp die Meisterschaft. Rafinha spielte in fünf Jahren 153 Mal für Schalke, trug sich sieben Mal in die Torschützenliste ein und bereitete 18 Treffer vor.

Teurer Olympiaausflug

Auf dem Fußballplatz sorgte Rafinha als einer der besten Außenverteidiger der Liga für Schlagzeilen. Aber auch einige Kontroversen lieferte er in seinen ersten Bundesligajahren.

So beispielsweise 2008, als er gemeinsam mit Werder Bremens Diego für sein Land an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen wollte. Genauso wie Bremen und der FC Barcelona, der Lionel Messi zunächst verweigerte, für Argentinien aufzulaufen, entschied sich Schalke gegen eine Freistellung Rafinhas.

Die FIFA entschied zu Gunsten der Clubs, aber alle drei liefen dennoch für ihre Länder auf - Brasilien holte Bronze. Dafür setzte es von Seiten der Schalker allerdings eine saftige Geldstrafe für Rafinha.

Nur Maicon war besser

Auch 2009 stand Rafinha im Mittelpunkt des medialen Interesses: Wochenlang zogen sich Verhandlungen um einen Transfer hin - nicht ohne Nebenwirkungen. "Eine Zeit lang konnte ich nur drei Stunden pro Nacht schlafen. Ich habe mir große Sorgen gemacht. Es gab Phasen, da habe ich geweint", gestand Rafinha damals der "Sport Bild". Der Wechsel zum FC Bayern kam damals nicht zustande. Rafinha zog 2010 zum FC Genua weiter.

Auch in Italien war Rafinha Stammspieler, absolvierte 34 Partien für den Erstlgisten und traf zwei Mal. Der Nationalspieler legte seine Rolle betont offensiv aus: 47 Torschussvorlagen aus dem Spiel heraus bedeuten in Italien den zweitbesten Wert eines Defensivspielers, nur geschlagen von Inters Weltstar Maicon.

Perfekte Ergänzung zu Lahm?

Beim FC Bayern haben die Verantwortlichen die außergewöhnlichen Fähigkeiten des 25-Jährigen nicht vergessen und den Transfer nun doch noch realisiert.

Philipp Lahm hielt Rafinha den Posten auf rechts "warm". Nun wird der Nationalspieler höchstwahrscheinlich wieder auf links zum Zug kommen, wo er ohnehin stärker eingeschätzt wird und laut Bundestrainer Joachim Löw auch "spektakulärer" spielt. Mit dem Rafinha-Transfer im zweiten Anlauf kann der FCB nun beide Außenverteidigerpositionen dauerhaft stärken.

Christoph Gschoßmann