Sinsheim - Es war ein Sieg des Willens: Der FC Bayern hat in letzter Sekunde bei 1899 Hoffenheim mit 2:1 gewonnen und scheint nach anständiger Leistung wieder auf Kurs zu sein. Besser hätte es für die Mannschaft von Louis van Gaal kaum laufen können - wäre da nicht die Szene in der 62. Spielminute gewesen. Franck Ribery verletzte sich bei seiner Vorarbeit zum 1:1-Ausgleich durch Thomas Müller schwer am Knöchel. Das Entsetzen war anschließend groß bei den Verantwortlichen der Münchner.

Ob Karl-Heinz Rummenigge, Sportdirektor Christian Nerlinger oder van Gaal - aschfahl waren sie, als sie in den Katakomben der Rhein-Neckar-Arena ihre ersten Eindrücke der Verletzung schilderten. "Die erste Diagnose sieht nicht gut aus. Es könnte sein, dass etwas am Bänderapparat kaputt ist und er länger ausfällt", sagte Rummenigge. Van Gaal sprach von einer schweren Verletzung und Nerlinger mimte den Optimisten: "Ich hoffe, es ist nicht so schlimm." Riberys malader rechter Knöchel, wohl eine Bänderverletzung, trübte aus Sicht der Bayern einen Abend, der sie wieder hoffen lässt.

Hohe Quote an Ballbesitz

So sprach Holger Badstuber gegenüber bundesliga.de wieder vom "kaputt spielen" des Gegners, im Prinzip aber kamen die Bayern schlecht in die Partie und lagen schon nach 36 Sekunden nach einem Patzer von Diego Contento zurück. In der Folge rissen sie die Partie an sich, verzeichneten sage und schreibe 79 Prozent Ballbesitz, hatten aber erneut allergrößte Mühe, den entscheidenden Stich zu setzen. "Es war schwierig, die Hoffenheimer waren nur auf Konter aus", so Badstuber.

Mit zunehmender Dauer der Spielzeit aber griff das "System van Gaal". Sicheres Passspiel, feine Ballstafetten und eine wachsende Anzahl an Torchancen - die Bayern haben die Partie verdient gewonnen, wenn auch glücklich durch van Buytens Last-Minute-Treffer.

Der Glaube ist zurück

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass mit den Bayern ab sofort im Kampf um den Titel wieder gerechnet werden muss. Viel wichtiger als die die drei Punkte in Hoffenheim scheint dabei zu sein, dass die Kicker von der Isar ihr beinahe legendäres Selbstbewusstsein wiedergefunden haben.

"Das war ein großer Schritt für uns", erklärte ein erleichterter van Gaal, Badstuber sprach vom Schwung, den seine Mannschaft jetzt mitnehmen wolle und Nerlinger betonte mit viel Hingabe den Mannschaftsgeist, der derzeit sehr gut sei. Spieler und Verantwortliche taten ihr Bestes, um die Aufbruchstimmung zu erzeugen, die sie in der vergangenen Saison so weit gebracht hatte.

Jetzt kommt Mainz

Nun wartet auf die Bayern am kommenden Samstag allerdings ein echter Härtetest: Die Sensationsmannschaft aus Mainz kommt in die Allianz-Arena, da wird im Vergleich zum engen Sieg in Hoffenheim noch einmal eine Steigerung nötig sein. "Jetzt müssen wir natürlich auch gegen Mainz gewinnen", meinte Müller im Gespräch mit bundesliga.de, der sich bei seinem Treffer wieder einmal eiskalt präsentierte.

Und auch sein Trainer wusste, dass man sich eine Niederlage oder einen Punktverlust gegen den Tabellenführer kaum erlauben könne. "Jetzt müssen wir sehen, dass wir auch gegen Mainz gewinnen, sonst wird die Distanz zu groß", gab van Gaal die Marschroute vor. Ein Selbstläufer wird das allerdings nicht. Auf Ribery und Arjen Robben werden sie dabei nicht zählen können.

Jens Fischer