Es waren Bilder, die niemand im Stadion sehen will. Rechtsgerichtete Fans der Gruppe "Nordsturm Brema" hatten am Ende des Spiels VfL Bochum gegen Werder Bremen im Bremer Fanblock ein Plakat mit der Aufschrift "NS HB Sport frei" gezeigt.

Am Montag haben Werder Bremen und der VfL Bochum auf die Vorfälle vom Samstag reagiert und gegen insgesamt acht Personen, die in diesem Rahmen auffällig wurden, jeweils ein lokales Stadionverbot für das Bremer Weser-Stadion und das rewirpower STADION in Bochum ausgesprochen.

Jens Höhn, Mitarbeiter des Fanprojekts Bremen e.V., war Augenzeuge in Bochum. www.bundesliga.de hat mit dem Diplom-Sozialarbeiter über die Vorkommnisse im Stadion und Probleme in der Bremer Fanszene gesprochen.

bundesliga.de: Herr Höhn, wie haben Sie die Vorfälle in Bochum erlebt?

Jens Höhn: Ich war ungefähr 30 Meter von der Gruppe entfernt und habe nach dem Schlusspfiff zunächst eine große Unruhe unter den Bremer Zuschauern festgestellt. Ich selbst habe vom Plakat nur die Buchstaben "NS" gesehen, später beim Rückweg aus dem Stadion haben mir Bremer Ultras gesagt, dass "NS HB Sport frei" auf dem Plakat stand.

Die Bremer Sitzplatzbesucher waren die Ersten, die mit den "Nazis raus"-Sprechchören angefangen haben. Danach haben alle, die noch im Stadion waren, mitgemacht; also auch die Bochumer. Diese allgemeine Reaktion war natürlich sehr erfreulich.

bundesliga.de: Werder und Bochum haben sofort mit Stadionverboten reagiert.

Höhn: Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um vor allem unsere antirassistisch ausgerichtete Ultra-Szene in ihrem Engagement zu unterstützen. Auch unsere Ultras sind mit den lange geforderten Stadion-Verboten für diese Gruppe ganz zufrieden.

bundesliga.de: Welche Konflikte bestehen in der Bremer Fanszene?

Höhn: Es besteht seit längerem ein schwelender Konflikt zwischen Hooligans und der Ultra-Szene, die sich - wie gesagt – klar antirassistisch bekennt. Für alle sichtbar wurde dieser Konflikt im Januar 2007, als rechtsorientierte Hooligans eine Feier einer antirassistisch eingestellten Fangruppe im Bremer Ostkurvensaal überfallen haben. Dabei wurden zwei Fans schwer verletzt.

Fans aus der Ultraszene berichten uns immer wieder, dass sie von der rechten Szene beobachtet, bedroht oder angegriffen werden. Ganz aktuell fand am Montagabend die "Nacht der Jugend" im Bremer Rathaus statt, bei der das Fan-Projekt Bremen und die Antidiskriminierungs-AG der Werder-Fans einen Informationsstand aufgebaut hatten. Nach Veranstaltungsende wurden diese Mitarbeiter auf ihrem Heimweg von Leuten aus der rechten Szene gezielt beobachtet.

bundesliga.de: Wie groß ist die rechte Szene, die sich im Bremer Fan-Umfeld bewegt.

Höhn: Der "Nordsturm Brema" hat ungefähr zehn bis zwölf Mitglieder. Daneben gibt es noch andere rechtsgerichtete Gruppierungen. Die bekannteste ist die "Standarte Bremen", das sind ältere Hooligans ab ca. 35 Jahren.

bundesliga.de: Kann man diese Gruppen im Stadion leicht erkennen?

Höhn: Nein, es wird immer schwieriger, selbst für Szenekenner. Man kann sie zum Beispiel an der Bekleidungsmarke Thor Steinar erkennen, die die rechte Szene oft trägt und die im Weserstadion verboten ist. Aber die Abzeichen sind nicht immer leicht zu erkennen, die rechte Szene ist auch sehr umtriebig, was ihre Bekleidung betrifft. Im normalen Straßenbild sind sie eigentlich kaum auszumachen.

bundesliga.de: Was sollte aus Ihrer Sicht in den Stadien passieren, um solche Vorfälle wie in Bochum möglichst auszuschließen?

Höhn: Ich würde mir wünschen, dass der Ordnungsdienst in allen Stadien so geschult wird, dass er eindeutige Abzeichen und Insignien der rechten Szene besser erkennt. Es ist mir ein Rätsel, wie so ein Plakat überhaupt in Bochum ins Stadion kommen konnte.

bundesliga.de: Insgesamt gilt die Arbeit von Werder Bremen und des Bremer Fanprojekts in Sachen Anti-Diskriminierung oder Anti-Rassismus als beispielhaft.

Höhn: Das stimmt, im Oktober wurde bekannt, dass Werder, das Fanprojekt Bremen und die Antidiskriminierungs-AG für die vielen Maßnahmen seiner Anti-Diskriminierungskampagne mit dem Julius-Hirsch-Preis 2008 ausgezeichnet wird. Zu den Maßnahmen gehört zum Beispiel das Projekt "Rote Karte gegen Rechts", ein Workshop von Fußballfans in Marseille mit dem Titel "Kick out Racism and Violence" oder auch ein internationaler Jugendaustausch mit israelischen Fußballfans im Rahmen von "Fußballfans gegen Antisemitismus".

Das Gespräch führte Stefan Kusche