Mönchengladbach - Früher spielte er selbst für Fortuna Düsseldorf, Hertha BSC, Bayer Leverkusen und Mainz 05. Jetzt trainiert er die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, aus der heutige Bundesliga-Spieler wie Marc-Andre ter Stegen, Tony Jantschke oder Patrick Hermann hervorgingen.

Sven Demandt, einst mit 35 Treffern Zweitliga-Torschützenkönig, spricht im exklusiven Interview mit bundesliga.de über die Chancen der "Fohlen" in München und das Aufeinanderteffen seiner beiden Ex-Vereine in Mainz.

bundesliga.de: Herr Demandt, die Bundesliga startet in Ihre 49. Spielzeit. Worauf freuen Sie sich besonders?

Sven Demandt: Die Vorfreude ist schon groß, dass es wieder los geht. Die Vorbereitung ist immer schön und gut, aber letztlich zählen die Ergebnisse im Bundesliga-Alltag. Besonders interessieren mich die neuen Gesichter in der Bundesliga. Ich bin sehr gespannt, wie sich etwa mein früherer Spieler Yunus Malli nach seinem Wechsel in Mainz schlägt, ob er dort eine Rolle spielen kann und welche das sein wird.

bundesliga.de: Andere Spieler wie Marc-Andre ter Stegen oder Patrick Hermann haben bei der Borussia den Sprung von der von Ihnen trainierten zweiten Mannschaft zu den Profis geschafft. Was sagen Sie zu deren Entwicklung?

Demandt: Ich freue mich darüber. Bei Marc-Andre war schnell abzusehen, dass er den Sprung zu den Profis zügig schaffen würde und das Potenzial für einen Bundesliga-Torhüter hat. Mein Anteil an seinem Erfolg ist aber nicht so groß, er hatte auch schon bei uns einen Torwarttrainer, der ihm noch näher stand. Ich freue mich auch über die Entwicklung von Jungs wie Patrick Hermann oder Tony Jantschke. Die sind alle in unserem Internat groß geworden und gucken auch heute noch immer wieder einmal bei der zweiten Mannschaft vorbei, wo sie noch viele Freunde haben. Manche tauchen auch bei mir wieder öfter auf, wenn sie den Sprung in die erste Mannschaft nicht auf Anhieb schaffen.

bundesliga.de: Die Borussia mit einigen Ihrer Youngster gastiert am Sonntag beim FC Bayern. Viel schwerer hätte der Auftakt nicht werden können oder?

Demandt: Das sehe ich etwas anders. Bei dem Gegner kann man darüber diskutieren, ob das nun ein besonders schwerer Auftakt ist oder nicht. Am Anfang der Saison suchen alle Teams noch nach ihrem Rhythmus, auch die Bayern. Es ist einfacher, jetzt dort zu spielen als mitten in der Saison. Die Borussia hat in München nichts zu verlieren, insofern ist es sogar ein einfaches Spiel.

bundesliga.de: Es ist ja ohnehin ein kleineres Wunder, dass die "Fohlen" in dieser Saison überhaupt in der Bundesliga spielen. Wie ist Ihr Kontakt zum "Retter" Lucien Favre?

Demandt: Unsere beiden Bereiche sind eng verzahnt, wir stehen in einem guten Kontakt. Aber ob es ein Wunder war? Im Fußball ist einfach alles möglich. Die fußballerische Qualität der Borussia war ja schon immer vorhanden. Mit der Mannschaft durfte man nicht absteigen. Aber wenn dann viele Unwägbarkeiten zusammen kommen und das Verletzungspech zuschlägt, kann man unten reinrutschen. Ich glaube, dass die drei Neuverpflichtungen in der Winterpause – Martin Stranzl, Havard Nordtveit und Mike Hanke – der Mannschaft noch einmal richtig weitergeholfen haben. Die Truppe ist danach stabiler aufgetreten und hat es dann auch dank Lucien Favre doch noch geschafft.

bundesliga.de: Aus Ihrer Sicht dürfte auch die Begegnung zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und Bayer Leverkusen sehr interessant sein, Sie haben für beide Clubs gespielt. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Demandt: Das wird ein sehr interessantes und enges Spiel werden, gerade nachdem Bayer im Pokal ausgeschieden ist. Man hat gesehen, dass der Zweitligist nach zwei Spieltagen seinen Spielrhythmus schon besser gefunden hat. Aber Bayer durfte das Spiel in Dresden trotzdem nicht verlieren. Und Mainz hat mit den Abgängen von Andre Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs richtig an Qualität verloren. Das hat man auch im Pokalspiel gesehen. Auch bei ihnen fehlt noch der Rhythmus. Das wird ein offenes, knappes Spiel, bei dem ich aber auf einen knappen 2:1-Sieg für Bayer tippen würde.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung um Michael Ballack?

Demandt: Da kenne ich keine Interna und kann das nicht beurteilen. Es ist für Michael Ballack sicherlich sehr unglücklich gelaufen, beim Stand von 3:0 eingewechselt zu werden und dann am Ende mit 3:4 zu verlieren. Das ist ein gefundenes Fressen für die Presse, die ja meistens nur in "Schwarz-Weiß-Kategorien" berichtet.

bundesliga.de: Mit Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp haben Sie noch in Mainz zusammen gespielt. Glauben Sie, dass die Borussia wieder ganz oben ein Wörtchen mitreden wird?

Demandt: Beim BVB fällt in dieser Saison zwar der Überraschungseffekt weg. Aber ich glaube trotzdem, dass die Mannschaft wieder eine sehr gute Rolle spielen wird. Ich rechne nicht mit Abnutzungserscheinungen. Ich kenne Jürgen Klopp sehr gut, habe noch mit ihm acht Jahre zusammen in Mainz gespielt. Der wird seine Jungs wieder auf den Punkt topmotivieren. In der Mannschaft steckt sehr viel Qualität, sie werden wieder oben mitspielen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski