München - Nach acht Spieltagen sollte die Tabelle der Bundesliga so langsam Formen annehmen, aber insbesondere in der oberen Tabellenhälfte drängeln sich die Clubs. Gleich acht Teams rangieren innerhalb eines Punkteabstands von nur drei Zählern.

Derweil müssen die Teams im Tabellenkeller aufpassen, dass sie nicht den Anschluss verlieren. Da kommt die Länderspielpause ganz gut, um neue Kraft zu tanken. Allerdings ist die Tabelle nicht das einzige Indiz dafür, bei welchen Clubs es gerade läuft oder auch nicht. bundesliga.de hat einen Blick in die Datenbank geworfen und erklärt, welche Teams derzeit sehr gute Leistungen abrufen und wer noch Luft nach oben hat. Teil 1 nennt die Clubs, die in Top-Form sind.

FC Bayern München:

Am Rekordmeister, der seit der Auftaktniederlage am 1. Spieltag gegen Mönchengladbach nicht eine Partie verloren hat und zudem seit 1018 Pflichtspielminuten kein Gegentor kassierte, kommt man in dieser Liste nicht vorbei. Zwar beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf Platz 2 nur drei Zähler, aber auch das torlose Remis gegen Hoffenheim am 8. Spieltag täuscht nicht darüber hinweg, dass der FCB derzeit das Maß der Dinge ist.

21 Tore und nur ein Gegentreffer, damit haben die Bayern nicht nur einen Bundesligarekord aufgestellt, es spricht auch für die Qualität in der Mannschaft - offensiv wie defensiv. Mit Mario Gomez stellen die Münchner den momentan besten Stürmer der Bundesliga, aber auch die Kollegen helfen fleißig im Angriff. So kommt der FCB auf eine Trefferquote von 16,2 Prozent, der drittbeste Wert nach Köln (20) und Schalke (16,5). Bei der Torschussgenauigkeit liegen die Bayern in der Statistik ganz vorne, von 130 Torschüssen, so viele wie kein anderes Team hat, kamen 44,6 Prozent aufs Tor. Zudem läuft es in der Defensive rund - nicht nur weil Manuel Neuer auch seit 658 Bundesliga-Minuten keinen Gegentreffer mehr kassierte. der FCB gewinnt 53,8 Prozent seiner Zweikämpfe und lässt die wenigsten Torschüsse zu.

Hertha BSC:

Der Aufsteiger aus der Hauptstadt kommt so langsam richtig in Fahrt und hätte sicherlich gerne auf die Länderspielpause verzichtet. Erst zwei äußerst knappe Niederlagen gegen Nürnberg und Werder stehen für die Hertha auf dem Tableau, in Dortmund feierte man gegen den Meister einen Sieg und zuletzt gab es trotz einiger personeller Veränderungen in der Startelf ein überzeugendes 3:0 gegen Köln.

"Wenn wir wie gegen Köln alle für die Mannschaft rackern, dann hat man auch das nötige Quäntchen Glück", erklärt Stürmer Pierre-Michel Lasogga das Rezept der Berliner. "Auch unserer Defensive gebührt ein dickes Lob. Sie steht schon seit Wochen gut und lassen kaum Chancen zu. Das spricht für uns und unsere Kompaktheit."

Dafür spricht auch die Passgenauigkeit der Hertha, die 83 Prozent an den eigenen Mann bringt. Mit 51,7 Prozent gewonnener Zweikämpfe liegt das Team auch in dieser Statistik auf einem Top-Platz (3). Besonders gefährlich sind die Hauptstädter, wenn sie in den gegnerischen Strafraum kommen, denn jedes ihrer zwölf Tore erzielten sie von dort. Mit Platz 10 kratzt die Hertha an der oberen Tabellenhälfte, allerdings geht es am 9. Spieltag zum FC Bayern.

SV Werder Bremen:

Die Hanseaten haben in dieser Saison schon einiges erlebt. Mit Per Mertesacker verließ nach Torsten Frings ein weiterer Stammspieler den Club, in der "Wasserschlacht von Nürnberg" sah Keeper Tim Wiese die Rote Karte, gegen Hannover war es Marko Arnautovic. Und trotzdem steht Werder auf dem 2. Tabellenplatz und meldet sich nach der durchwachsenen Vorsaison zurück im Kampf um die internationalen Plätze. Das liegt nicht zuletzt an Claudio Pizarro, der mit sechs Toren und drei Assists derzeit Top-Scorer der Bundesliga ist. Wenn der Peruaner in dieser Saison in der Startelf stand, war er immer an mindestens einem Tor beteiligt.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist sicher die Genauigkeit der Flanken, die die Bremer schlagen. 24,7 Prozent der Hereingaben landen beim eigenen Mann, bereits sechs Saisontore erzielten die "Grün-Weißen" per Kopf. Zudem haben sie mit 54,2 Prozent die beste Zweikampfbilanz aller Clubs und haben im eigenen Stadion noch keinen Punkt abgegeben. Sollte Werder auch bei seinen Ergebnissen etwas mehr Konstanz hineinbringen - in dieser Saison konnte das Team erst ein Mal zwei Spiele in Folge gewinnen -, ist eine Top-Platzierung auf jeden Fall möglich.

FC Schalke 04:



Dass die "Knappen" eine gute Mannschaft beisammen haben, wurde spätestens nach dem doch überraschenden Trainerwechsel deutlich. Ralf Rangnick gab aufgrund eines Erschöpfungssyndroms seinen Posten vor rund zwei Wochen auf, mit Huub Stevens ist nun ein "alter Bekannter" zurück auf Schalke. Die Mannschaft hat diesen Wechsel sehr gut verarbeitet, hat die ersten beiden Spiele unter dem Niederländer in der Europa League und Bundesliga gewonnen.

Mit 16,5 Prozent hat S04 die zweitbeste Trefferquote der Liga und auch von den 103 Torschüssen gingen fast 40 Prozent aufs gegnerische Tor. Bei "Königsblau" ist fast immer die Leistung nach der Halbzeitpause entscheidend. Von den 17 Toren fielen 13 in den zweiten 45 Minuten, und mit Weltklassespielern wie Raul oder Klaas-Jan Huntelaar gelang es schon drei Mal einen Rückstand in einen Sieg umzumünzen.

Hannover 96:




Nur wenige Experten gingen im Sommer davon aus, dass 96 das Kunststück, das ihnen in der Vorsaison mit Platz 4 gelang, wiederholen könnte, aber die "Roten" sind auf einem sehr guten Weg, ihre Leistung zu bestätigen - trotz Doppelbelastung durch die Europa League. Erst eine Niederlage steht für Hannover auf dem Tableau, zuhause kassierten die Niedersachsen überhaupt noch keine Pleite.

"Wir spielen bisher eine super Runde mit Hannover", meint auch Lars Stindl. "Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg und haben das Positive aus der vergangenen Saison mit in die neue genommen. Der Übergang ist uns gelungen." Auch Teamkollege Jan Schlaudraff ist zufrieden: "Wir spielen im Moment absolut am Limit. Wir kämpfen jeder für den anderen, sind eine geschlossene Einheit, und das macht uns so erfolgreich."

Borussia Mönchengladbach:

Die "Fohlen" waren in der Vorsaison schon fast abgestiegen, hatten zwischenzeitlich sieben Punkte Rückstand auf Platz 15, doch mit Trainer Lucien Favre gelang nicht nur der Klassenerhalt in der Relegation, in dieser Spielzeit sind die Gladbacher eine der großen Überraschungen und sind gemäß ihren Möglichkeiten top in Form. Nicht nur, weil die Borussia als einziges Team den Bayern ein Gegentor und eine Niederlage einschenkten, die Mannschaft steht auf einem sensationellen 3. Tabellenplatz. Im gesamten September kassierte die Favre-Elf nicht eine Niederlage, Torwart Marc-Andre ter Stegen nicht einen Gegentreffer.

Allerdings schossen die Gladbacher von den momentanen Top-Teams die wenigsten Treffer, gewannen zumeist mit einem 1:0, und für die neun Saisontore brauchte die Mannschaft 127 Torschüsse. Ein Drittel der Treffer waren zudem Strafstöße. Für die "Fohlen" ist es quasi ein Tanz auf der Rasierklinge, dank der guten Abwehrleistung mit nur vier Gegentoren und viel Selbstvertrauen im Rücken dürfte die Mannschaft aber für weitere Überraschungen sorgen.

Jessica Pulter

Hier geht es zum zweiten Teil: Gut drauf

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