Zum Auftakt erwartet den BVB gleich eine doppelte Herausforderung: Vor dem Bundesligaspiel gegen Leverkusen geht's am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Werder Bremen (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker). Über Chancen, Perspektiven und verletzte Spieler spricht Sportmanager Michael Zorc im zweiten Teil des Interviews mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Vor einem Jahr hat der BVB auch im heimischen Stadion sein Pokal-Achtelfinale gegen Bremen bestritten - und gewonnen. Wiederholt sich Geschichte?

Michael Zorc: Manchmal ist das so! Aber wir wissen, dass Werder ein sehr starker Gegner mit hoher Qualität ist. In der Vorrunde haben die Bremer nicht immer auf dem höchsten Level gespielt, aber sie sind sehr gefährlich. Andererseits spielen wir zuhause vor vollem Haus - da werden wir die Chance nutzen, in die nächste Runde einzuziehen!

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie Werder ein? In der Winterpause gab es dort einige Unruhe …

Zorc: Das sind Kleinigkeiten, die gerne in der bundesligafreien Zeit für Schlagzeilen genutzt werden, aber einer guten Leistung nicht abträglich sind. Werder hat es immer geschafft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Aber das ist gar nicht unser Ansatz. Wir müssen unsere beste Leistung bringen, um dieses Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: Die Vorbereitungsspiele des BVB waren durchwachsen. Kann die Mannschaft schon hundert Prozent ihrer Leistung abrufen?

Zorc: Unser Ziel ist es, am Mittwochabend um 19 Uhr bei hundert Prozent zu sein. Natürlich sind die längerfristigen Verletzungen von Leistungsträgern wie Dede, Kehl, "Kuba" und Hummels dabei nicht förderlich. Aber wir haben es auch in der Hinrunde immer wieder geschafft, Ausfälle zu kompensieren.

bundesliga.de: Kann man sie weiterhin kompensieren, auch in dieser großen Zahl?

Zorc: Wir haben den Kader zu Saisonbeginn extra breit aufgestellt und uns in der Winterpause auch nur von Spielern getrennt, die gehen wollten und in der Vorrunde nur selten zur ersten Elf zählten. Die Mannschaft ist stark genug, trotz der Ausfälle Werder Bremen zu schlagen!

bundesliga.de: Wann ist mit der Rückkehr der Verletzten zu rechnen?

Zorc: Dede ist wieder im intensiveren Lauftraining und sollte schon in ein paar Tagen ins Mannschaftstraining zurückkehren können. Kehl arbeitet ebenfalls im läuferischen und koordinativen Bereich, aber seine Verletzung lässt nur schwer eine Prognose zu. "Kuba" sollte spätestens gegen die Bayern wieder im Kader stehen; bei Hummels gehe ich auch eher von Wochen als Monaten aus.

bundesliga.de: Mit "Kuba" fehlt der von den Fans frisch gekürte "Spieler des Jahres"…

Zorc: Er ist einer der Garanten gewesen für den schnellen und attraktiven Fußball der Hinrunde, weil er seine neue, noch offensivere Rolle unter Jürgen Klopp auch gut angenommen hat. Er reißt viele Löcher in die gegnerische Abwehr durch seine Dribblings und seine Sprints. Das macht ihn für uns so wertvoll.

bundesliga.de: Dortmund hat mit Kevin-Prince Boateng einen zusätzlichen Mann fürs Mittelfeld geholt. Damit wurde der Konkurrenzdruck erhöht.

Zorc: Man darf nicht vergessen, dass wir mit Federico und Kruska auch zwei Spieler abgegeben haben. Also mussten wir allein zahlenmäßig etwas tun. Wir denken, dass wir mit Boateng noch mehr Substanz und Qualität in den Kader bekommen haben. Wir schaffen den nötigen Konkurrenzdruck, der für eine Leistungssteigerung jedes Einzelnen absolut nötig ist.

bundesliga.de: War der Konkurrenzdruck im Sturm auch so förderlich? Man hatte bisweilen den Eindruck, dass hier Konfliktpotenzial steckt…

Zorc: Innerhalb der Mannschaft ist das überhaupt nicht der Fall. Zudem haben wir Klimowicz nach Bochum abgegeben, "Kuba" ist noch verletzt - die Situation hat sich sicher nicht verschärft. Und in der jetzigen Konstellation mit Valdez, Zidan und Frei kann jeder mit jedem spielen; alle Varianten sind denkbar. Das ist ein absolut offenes Rennen.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Situation von Alex Frei? Wenn er in der Rückrunde nicht mehr Einsatzzeit erhält, würde das seine Laune kaum heben…

Zorc: …und das ist auch gut so! Ich brauche generell keine Spieler, die zufrieden sind, wenn sie nicht spielen. Ich glaube, Alex hat in der Winterpause auch eingesehen, dass er in der Hinrunde nicht in der körperlich besten Verfassung war. Jetzt hat er jede Einheit mitmachen können. Er ist heiß, zu zeigen, dass er seine insgesamt drei Verletzungen gut überwunden hat und auf dem Weg zu alter Stärke ist.

bundesliga.de: Also keine Angst vor Stress, wenn der ein oder andere nicht spielt?

Zorc: Gottseidank sind wir beim BVB wieder in der Situation, dass Spieler auch mal draußen sitzen, wenn sie ihre Leistung nicht bringen. Die Mannschaft stellt sich nicht von alleine auf, wie es in den vergangenen Jahren manchmal der Fall war. Wenn ich dann im Sturm drei Spieler von solcher Qualität habe, auch im Mittelfeld und in der Innenverteidigung, dann liegt es in der Natur der Sache, dass Spieler unzufrieden sind, wenn sie nicht spielen. Aber das ist normal bei einem ambitionierten Verein.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte