München - Hasan Salihamidzic weiß genau, wie es sich anfühlt. 2001 gewann er mit dem FC Bayern München die Champions League nach einer dramatischen Partie gegen den FC Valencia erst im Elfmeterschießen.

Knapp elf Jahre nach dem letzten internationalen Titel stehen die Münchner wieder kurz vor dem großen Wurf. Am 19. Mai trifft der FC Bayern im "Finale dahoam" auf den FC Chelsea (Sa., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). "Es wird ein gefährliches Spiel, aber ich bin überzeugt, dass Bayern im Moment die bessere Mannschaft hat und gewinnen wird", erklärt Salihamidzic im Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Salihamidzic, den Großteil Ihrer Karriere haben Sie beim FC Bayern verbracht - und unter anderem die Champions League gewonnen. Welche Erinnerungen haben Sie noch an den 23. Mai 2001?

Hasan Salihamidzic: Natürlich schöne Erinnerungen. Es war ein super Abend, ein Riesenerfolg. Das war das Größte, was der FC Bayern in den letzten Jahren erreicht hat.

bundesliga.de: Beim Elfmeterschießen sind Sie damals als Zweiter angetreten. Wissen Sie noch, mit welchem Gefühl Sie zum Elfmeterpunkt gegangen sind?

Salihamidzic: Ich wollte schießen, sonst wäre ich nicht angetreten. Ich war fest entschlossen, wollte das Ding unbedingt reinmachen. Und das hat ja auch geklappt.

bundesliga.de: Wenn Sie die damalige Elf mit Ihnen, Giovane Elber, Mehmet Scholl, Stefan Effenberg oder Oliver Kahn mit der jetzigen Bayern-Elf vergleichen würden - wie fiele dann Ihr Fazit aus?

Salihamidzic: Man kann diese Mannschaften nicht wirklich miteinander vergleichen. In den letzten zehn Jahren hat sich viel verändert im Fußball. Damals hatten wir mehr Leute mit Ecken und Kanten, heute ist es anders. Die Jungs spielen einen guten Ball und natürlich wünsche ich ihnen, dass sie das Finale gewinnen.

bundesliga.de: Gibt es einen Spieler aus dem aktuellen Bayern-Kader, der Sie an den damaligen "Brazzo" erinnert?

Salihamidzic:(lacht) Nein, nicht wirklich. Es ist immer schwer, zwei Mannschaften zu vergleichen. Es sind immer andere Typen. Wichtig ist, dass die Spieler erfolgreich sind, zusammen funktionieren. Alles andere ist egal.

bundesliga.de: Blicken wir auf das Endspiel am 19. Mai. Auf welche Taktik wird sich der FC Bayern einstellen müssen? Wird Chelsea - wie schon gegen Barcelona - mit zehn Mann verteidigen?

Salihamidzic: Chelsea wird wieder defensiv spielen, auch weil die Bayern meist mehr Ballbesitz haben. So defensiv wie in Barcelona erwarte ich sie aber nicht. Die Partie wird sich mehr in der Hälfte von Chelsea abspielen, aber dadurch ist noch nichts gewonnen. Es wird ein gefährliches Spiel, aber ich bin überzeugt, dass der FC Bayern im Moment die bessere Mannschaft hat und gewinnen wird.

bundesliga.de: Wie müssen die Bayern auftreten, um den "Henkelpott" nach elf Jahren wieder nach München zu holen?

Salihamidzic: Die Taktik ist, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. (lacht) Das ist natürlich schwierig. Arjen Robben und Franck Ribery sind sehr wichtig. Die Bayern hatten in dieser und in der letzten Saison viel Ballbesitz. Sie haben den Ball gut laufen lassen, häufig die Seiten gewechselt, um dann die beiden Spieler freizuspielen. Auf diese beiden wird es ankommen! Wenn Robben und Ribery funktionieren, wird es für die Bayern immer einfacher sein, ein Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: Welches Team hat durch die vielen Gelbsperren von absoluten Leistungsträgern - bei den Münchnern werden David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo fehlen - größere Nachteile?

Salihamidzic: Es schmerzt, dass Stammspieler fehlen. Die Bayern sind aber in der Lage, die Ausfälle dieser Spieler zu kompensieren. Auch bei Chelsea fehlen vier Stammkräfte - es ist also ausgeglichen. Trotzdem trifft es Chelsea mehr als die Bayern.

bundesliga.de: Werden Sie beim Finale in der Allianz Arena sein? Und wie sieht Ihr Tipp aus?

Salihamidzic: Ja, ich bin im Stadion. Ein 1:0 würde mir reichen.

bundesliga.de: Noch kurz zu Ihrer persönlichen Zukunft, nachdem der Vertrag in Wolfsburg nicht verlängert wurde. Werden Sie weiter Fußball spielen?

Salihamidzic: Ich muss mich noch einmal mit meiner Familie hinsetzen und alles abwägen, mit meiner Frau und meinen Kindern.

Das Gespräch führte Tim Tonner