Zusammenfassung

  • Johannes Eggestein schießt beim 2:0-Heimsieg gegen Wolfsburg sein erstes Bundesliga-Tor

  • Bruder Maximilian ist bereits eine feste Größe im Mittelfeld von Werder Bremen

  • Johannes Eggestein: "Ich kam rein und hatte sofort das Gefühl, vorne präsent sein zu können"

Bremen - Maximilian Eggestein ist beim SV Werder Bremen längst ein Schlüsselspieler. Mit seinem ersten Bundesligator hat nun auch der jüngere Bruder Johannes der Bundesliga seinen Stempel aufgedrückt. Der Erfolg der beiden Brüder kommt nicht von ungefähr.

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Wie schnell aus einem Scherz doch Realität werden kann: Claudio Pizarro hatte den jungen Johannes Eggestein kurz vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg damit aufgezogen, dass er nun sein erstes Bundesligator schießen könne. "Dann leg mir doch einen auf", hatte der 20-Jährige daraufhin geantwortet. Gesagt, getan: Pizarro spielte am Freitagabend einen genialen Pass in den Lauf von Eggestein, der eiskalt in Manier eines Torjägers ins Tor traf. Grenzenloser Jubel im Weserstadion: Mit dem 2:0 war der Sieg nahezu perfekt. Gerade einmal drei Minuten war der Offensivspieler zu diesem Zeitpunkt im Spiel. Anpassungsprobleme? Fehlanzeige! "Ich kam rein und hatte sofort das Gefühl, vorne präsent sein zu können", sagte der überglückliche Torschütze.

"Ich kam rein und hatte sofort das Gefühl, vorne präsent sein zu können" Johannes Eggestein (SV Werder Bremen)

Mindestens genauso groß war die Euphorie bei Trainer Florian Kohfeldt. "Das sind Momente, wo man sich als Trainer total freut, weil es einfach den richtigen trifft. Es ist immer schön, wenn jemand hart für etwas gearbeitet hat. Und das hat er", sagte der 36-Jährige, der große Stücke auf die Eggestein-Brüder hält. Der 21-jährige Maximilian ist aus dem Mittelfeld der Bremer nicht mehr wegzudenken. In 38 der letzten 41 Bundesligaspiele stand er in der Startelf. Nun empfiehlt sich auch der 17 Monate jüngere Johannes für mehr Einsatzzeit. Der Erfolg der Brüder kommt nicht von ungefähr. "Beide sind extrem fleißig, akribisch und arbeiten in allen Bereichen immer an sich“, sagt Kohfeldt, der dann noch grinsend hinzufügt: "Außerdem essen die beiden sehr gerne."

Zwei Brüder, die sich top verstehen: Maximilian (l.) und Johannes Eggestein
Zwei Brüder, die sich top verstehen: Maximilian (l.) und Johannes Eggestein © imago / Osnapix

Essen tun sie vor allem gemeinsam. Die Eigengewächse des SV Werder Bremen verbringen viel Zeit miteinander. Erst kocht Maximilian für seinen jüngeren Bruder, dann wird über Fußball gesprochen – zum Beispiel über das erste Bundesligator. "Ich habe mich oft mit meinem Bruder darüber unterhalten. Der hat ja auch irgendwann sein erstes Bundesligator geschossen", berichtet Johannes Eggestein. Genau genommen war es im April 2016: Maximilian Eggestein erzielte damals das 3:0 gegen den FC Schalke 04. Der kleine Bruder saß zu jener Zeit auf der Tribüne und jubelte mit. Nun kann er endlich mitreden, wie sich ein Treffer in der Bundesliga anfühlt – oder auch nicht. Die Freude nach dem Tor gegen Wolfsburg war nämlich so groß, dass das Erinnerungsvermögen kurzzeitig ausgesetzt hat. "Ich war so am Feiern, dass ich gar nicht mehr so genau weiß, was nach dem Tor los war", sagt Johannes Eggestein lachend.

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Hohe Erwartungserhaltung an den jüngeren Bruder

Sind die Eggesteins im Doppelpack nun die neue Wunderwaffe des SV Werder Bremen? "Inzwischen ist es ein Stück weit normal mit meinem Bruder auf dem Platz zu stehen, weil wir ja jeden Tag zusammen trainieren", antwortet Johannes. Während sein Bruder seinen Stammplatz meist sicher hat, wird Johannes dosierter eingesetzt. Vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg hatte er in dieser Saison gerade einmal drei Kurzeinsätze über insgesamt zwölf Minuten. War das möglicherweise eine Maßnahme von Kohfeldt, um die Erwartungshaltung an dem jungen Eggestein, der in der Junioren-Bundesliga drei Mal Torschützenkönig wurde, zu senken? "Nein, wenn er soweit ist, dann ist er soweit", antwortet Kohfeldt. "Allerdings wurden an ihn ungerechtfertigt hohe Erwartungen gestellt. Es wurde erwartet, dass er aus der A-Jugend kommt und sofort die Bundesliga zerschießt. Und das ist Schwachsinn."

"Es wurde erwartet, dass er aus der A-Jugend kommt und sofort die Bundesliga zerschießt. Und das ist Schwachsinn" Werder-Trainer Florian Kohfeldt über Johannes Eggestein

Der Trainer sieht in Johannes Eggestein einen flexibel einsetzbaren Offensivspieler. Er bringt ihn nicht nur als Mittelstürmer, sondern lieber noch als Flügelspieler oder Achter. "Das ist für mich nicht so entscheidend, weil wir im Spiel ohnehin viel die Positionen wechseln", sagt Johannes Eggestein. Wichtig ist ihm vielmehr, dass das Erfolgserlebnis vom Freitagabend keine einmalige Sache bleibt. "Es soll nicht bei diesem einen Tor bleiben", sagt er. Das dürfte dann auch ganz im Sinne seines großen Bruders sein.

Aus Bremen berichtet Oliver Jensen