Stuttgart - Es war wie so oft in den vergangenen Wochen: Torchancen en masse, null Punkte am Ende. Beim VfB Stuttgart herrscht nach dem 0:1 gegen Schalke Unverständnis, denn die Offensive agierte wieder einmal überzeugend, einzig das Tor fehlte.

Am Ende eines bitteren Arbeitstages hatte Stuttgarts Kapitän Christian Gentner dann noch eine besondere Aufgabe. Beinahe schockiert standen seine Mitspieler nach der 0:1-Niederlage am frühen Sonntagabend auf  dem Rasen und wussten nicht, was zu tun ist. Hin zu den Fans, die ihnen trotz der Enttäuschung einen warmen Applaus spendeten, oder weg in die Katakomben, einfach nur weg von dem Ort, an dem sie in der vergangenen 90 Minuten so oft der Verzweiflung nahe waren. Gentner rief sie zu sich, redete auf sie ein, sprach seiner Mannschaft Mut zu. Das war auch bitter nötig, schließlich hatte der VfB Stuttgart gerade sein fünftes Spiel in Serie verloren, und das nach einer Leistung, die wie so oft in den vergangenen Wochen als gut zu bezeichnen ist.

"Haben ein gutes Spiel gemacht"

© gettyimages / Alexander Hassenstein/Bongarts

26:10 Torschüsse, mindestens zwei Hände voll hochkarätige Chancen, null Tore – so die  Schreckensbilanz aus Sicht der Schwaben. Kein Wunder, dass rund um den Wasen am Sonntagabend beinahe Verzweiflung herrschte. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Es war bis auf die Chancenverwertung Vieles gut – wie schon ein paar Mal in dieser Saison. Dennoch stehen wir weiter mit null Punkten da“, erklärte ein frustrierter Daniel Didavi und sprach damit allen Beteiligten aus der Seele.

Immer und immer wieder berannten die Stuttgarter das Schalker Tor und zeigten wie schon in den letzten Spielen das von Trainer Alexander Zorniger favorisierte System vom Pressing und der Bällejagd. Nur: Der Kugel wollte einfach nicht über die gegnerische Torlinie, sei es aus eigenem Verschulden oder weil Schalkes Keeper Ralf Fährmann vielleicht eines der besten Spiele seiner bisherigen Karriere machte.  Alleine Daniel Ginczek hatte Chancen für drei Partien, aber auch seine Kollegen hätten mehrmals treffen müssen.

Eine starke Offensive

Wieder einmal zeigten die Stuttgarter, dass sie in der Offensive über mit die besten Individualisten der Bundesliga verfügen. Gegen Schalke zeigten diesmal Filip Kostic, Alexandru Maxim, der junge Timo Werner und Ginczek ihre Qualitäten, Trainer Zorniger hatte sogar noch den Luxus, Didavi und Martin Harnik aufs Feld bringen zu können. Es half alles nichts.

Für den Hintergrund: Nur die Bayern haben in der laufenden Spielzeit öfter auf das gegnerische Tor geschossen als der VfB, viel zu oft aber blieb das Glücksgefühl des Treffers aus. So auch gegen Schalke. "Wir haben während der Trainingswoche hart gearbeitet, sind in diesem Spiel viel gelaufen und erspielen uns Chancen. Es war am Ende aber ein Tag, an dem du machen kannst, was du willst, der Ball geht einfach nicht über die Linie", sagte Maxim, der einen starken Didavi-Vertreter abgab.

"Kompliment an die Fans"

Die Verunsicherung bei den Stuttgarter Spielern wächst wieder. Und das obwohl das Umfeld nach wie vor ruhig bleibt. "Ein Kompliment geht an die Fans. Es ist bemerkenswert, wenn du nach fünf Spielen ohne einen Zähler dennoch Applaus bekommst", sagte Sportvorstand Robin Dutt. "Da haben die Fans das richtige Gefühl und das ist nicht selbstverständlich."

Für die Stuttgarter das Positivste an einem ansonsten völlig verkorksten Sonntag: Schon am Mittwoch können sie bei Hannover 96 ihre Abschlussschwäche beheben. "Wir werden uns wieder aufrichten und in Hannover versuchen, die nächste Möglichkeit auf Punkte zu nutzen", kündigte Abwehr-Youngster Timo Baumgartl an, der gegen die Schalker selbst zwei dicke Gelegenheiten hatte. Leicht wird das jedenfalls nicht, schließlich stehen auch die Niedersachsen spätestens seit der Niederlage in Augsburg mit dem Rücken zur Wand. Und bereits am kommenden Samstag kommt der Tabellenletzte aus Gladbach an den Neckar – Existenzkampf pur bereits am siebten Spieltag?

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer