Köln - In Chile ist Eduardo Vargas ein Held. Der Angreifer der TSG Hoffenheim war in seiner Heimat Fußballer des Jahres 2011 und im selben Jahr Torschützenkönig und bester Spieler der Copa Sudamericana (südamerikanischer Wettbewerb für Vereinsmannschaften) sowie Zweiter bei der Wahl des Fußballer des Jahres in Südamerika. 2015 führte Vargas sein Heimatland als Torschützenkönig zum erstmaligen Gewinn der Copa America. Kein Wunder also, dass Eduardo Vargas, nach dem in seinem Geburtsort Renca eine Straße benannt ist, nun auch wieder zu den großen Hoffnungsträgern der chilenischen Auswahl vor der Copa America Centenario 2016 gehört.

Erstmals wird das Turnier zu dessen 100. Geburtstag außerhalb Südamerikas ausgetragen, die Jubiläumsausgabe findet in den USA statt - und kommt für den mittlerweile 26 Jahre alten Vargas zum richtigen Zeitpunkt.

Unberechenbar, schlitzohrig, fintenreich

Bei der TSG erlebte Vargas eine schwierige Saison mit drei Trainern und einem erst spät gesicherten Klassenerhalt. Nicht immer erfüllte der Offensivspieler die Erwartungen, in 24 Einsätzen stehen nur zwei Tore aber immerhin fünf Vorlagen auf dem Konto des starken Technikers. Stammspieler war er nur kurzfristig, insgesamt stand er nur 752 Minuten auf dem Platz.

Dabei deutete Vargas sein großes Können immer wieder an. An guten Tagen war er mit seiner Unberechenbarkeit, seiner Schlitzohrigkeit und seinem fintenreichen Spiel ein für den Gegner nur schwer zu kontrollierender Stürmer. Aber es gab auch Tage, in denen Vargas seltsam unter seinen Möglichkeiten blieb. Das blieb dieser rätselhafte Zauberfuß allerdings oft auf seinen Vereinsstationen in Europa.

Durchwachsen im Verein, Weltklasse für Chile

Der in Renca, einem Vorort von Santiago de Chile, geborene Fußballer konnte weder beim SSC Neapel (19 Einsätze/0 Tore), bei den Queens Park Rangers (21/3) noch beim FC Valencia (17/3) ganz überzeugen. Aber sobald Vargas das Trikot seiner Nationalmannschaft überstreift, zeigt er sein ganzes Talent. In bislang 51 Spielen traf er für Chile 27 Mal und gab fünf Vorlagen.

Worin die Diskrepanz zwischen den Weltklassewerten für das Nationalteam und den eher schwachen Zahlen in den europäischen Vereinsmannschaften liegt, ist vielen ein Rätsel. Ein Scout der chilenischen Nationalmannschaft versuchte in der "SZ" eine Erklärung und sagte: "In Chile fühlen sich alle Spieler wichtig. Sie fühlen sich durch die Ideen und die Überzeugungen ihres Trainers Jorge Sampaoli bestärkt."

Besondere Beziehung zu Nationaltrainer Sampaoli

Die Beziehung zwischen Sampaoli und Vargas ist eine besondere. Sampaoli war auch Trainer des jungen Vargas, als dieser an der Seite der späteren Bundesligastars Marcelo Diaz (Hamburger SV) und Charles Aranguiz (Bayer Leverkusen) bei Universidad de Chile der Durchbruch als Profi gelang. In Hoffenheim muss sich Vargas das Vertrauen von Trainer Julian Nagelsmann noch nachhaltig erkämpfen.

Bei den Spielen der TSG waren immer auch Reporter aus Chile im Stadion. Damit diese künftig große Taten von Eduardo Vargas aus Europa in die Heimat melden können, wird sich der Spieler steigern müssen. Aber bei der Jubiläumsausgabe der Copa Americana kann sich Vargas diesen Sommer an der Seite von Arturo Vidal vom FC Bayern (Personalie: Krieger mit weichem Kern) viel Selbstvertrauen holen.

Tobias Schächter