Nürnberg - Almog Cohen ist der einzige Israeli in der Bundesliga. Beim 1. FC Nürnberg avancierte der 22-Jährige wegen seiner Einsatzfreude schnell zum Publikumsliebling.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Mittelfeldspieler über die positiven Überraschungen im Fränkischen, die Notwendigkeit von Extraschichten und seine Kindheit als Fan des deutschen Fußballs.

bundesliga.de: Herr Cohen, Sie blicken nun auf ein dreiviertel Jahr in Deutschland zurück. Was erzählen Sie ihren Freunden zuhause?

Almog Cohen: Dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet haben, außer vielleicht der, dass es im Winter wirklich sehr kalt hier ist.

bundesliga.de: Was waren denn Ihre Befürchtungen?

Cohen: Ich hatte Angst, dass ich alleine in einer ganz anderen Gegend bleiben müsse. Dass der Alltag aus Training besteht und man dann alleine nach Hause fährt.

bundesliga.de: Es kam dann anders?

Cohen: Es war schon im ersten Monat ganz anders. Das Erste, was ich in Israel erzähle, ist deshalb, dass die Deutschen sehr warmherzige Leute sind.

bundesliga.de: Das entspricht nicht unbedingt der Klischeevorstellung vom Deutschen.

Cohen: Nein, aber das Klischee stimmt nicht. Die Leute hier kümmern sich um mich, fragen mich dauernd, ob ich etwas brauche, ob mit der Wohnung alles in Ordnung ist und so weiter.

bundesliga.de: Wie lief die Umstellung im sportlichen Bereich?

Cohen: Die Bundesliga hat schon ein hohes Niveau. Der Trainer hat mir immer wieder gesagt, dass ich mir Zeit nehmen muss, dass die Umstellung schwierig ist, dass er aber an mich glaubt. Das war wichtig für mich.

bundesliga.de: Wie groß ist der Unterschied zur israelischen Liga?

Cohen: Schon recht groß. In der vergangenen Saison hatte ich vielleicht drei Spiele, die Bundesliganiveau hatten. Der Rest fällt doch ziemlich ab. Das Tempo ist niedriger, die Stadien sind kleiner, es kommen längst nicht so viele Fans. Ich wusste nicht viel über Nürnberg, als ich hierherkam. Aber hier kommen 40.000 Fans zu jedem Spiel, das kann man sich in Israel gar nicht vorstellen.

bundesliga.de: Das gefällt Ihnen?

Cohen: Na klar, ich habe schon als Kind immer die Übertragungen von BVB-Spielen gesehen, diese Atmosphäre, Wahnsinn. Und hier ist auch eine super Atmosphäre, das hilft dir, das Tempo mitzugehen.

bundesliga.de: Sie wirken ja richtig begeistert.

Cohen: Die meisten fußballbegeisterten Kids in Israel träumen davon, bei Real oder Barca zu spielen. Bei mir war das anders. Ich wollte immer in der Bundesliga spielen. Ich war immer für die deutschen Mannschaften, wenn die gegen Manchester oder Arsenal gespielt haben.

bundesliga.de: Warum?

Cohen: Es ist schwer, gegen deutsche Mannschaften zu spielen. Die fighten immer, sie kämpfen, und das ist auf dem Platz auch mein Stil. Ich liebe es, wenn mein Gegenspieler sagt, es sei schwer, gegen mich zu spielen.

bundesliga.de: Was sind Ihre Stärken und woran müssen Sie noch arbeiten?

Cohen: Aggressivität und Fitness sind sicher ganz okay bei mir. Ich muss aber noch einiges verbessern: Ich muss mich im Offensivspiel steigern, beim Kopfball, bei der Schusstechnik. In Israel habe ich 20 Prozent gegeben, das reichte, heute gebe ich 100 Prozent. Und das muss ich auch, weil ich ein Spieler bin, der über die Fitness kommt.

bundesliga.de: Sind Sie sicher? Ihr Tor gegen Frankfurt, ein 25-Meter-Schuss, sah doch ganz ordentlich aus.

Cohen: Ja, das war eine Bestätigung. Ich bleibe auch immer nach dem Training und trainiere noch Schüsse mit den Co-Trainern.

bundesliga.de: Bei den Fans sind Sie jetzt schon sehr beliebt. Liegt das daran, dass man Ihnen Ihren Ehrgeiz anmerkt?

Cohen: Die Fans schätzen es, glaube ich, wenn jemand sich anstrengt und nicht aufgibt. Dann ist es auch egal, ob mal ein Pass danebengeht. Ich vergleiche Fußball immer mit Autofahren.

bundesliga.de: Das müssen Sie uns erklären.

Cohen: Es ist ja schön, wenn man einen Führerschein hat, aber man muss ihn dann auch behalten. Der ist ja manchmal bei einem dicken Fehler weg, genau wie dein Stammplatz. Ich sage mir: Ich will nicht einfach in der Bundesliga spielen, ich will da etwas erreichen. Easy come, easy go heißt, dass du schnell gehst.

Das Gespräch führte Christoph Ruf