Köln - Sie gelten als schnell, technisch versiert und fleißig. Derzeit stehen insgesamt zwölf Japaner bei acht verschiedenen Bundesliga-Clubs unter Vertrag - so viele wie nie zuvor. Doch was zeichnet die Spieler aus Fernost aus und auf welchen Positionen kommen sie vornehmlich zum Einsatz? bundesliga.de macht den Check.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Japaner in der Bundesliga", die am Montag begonnen hat.

"Japaner haben gerade im Mittelfeld große Vorteile gegenüber einem Spieler, der ein wenig größer und schlaksiger ist", sagt Pierre Littbarski im Interview mit bundesliga.de. Und tatsächlich: Die zwölf Japaner in der Bundesliga bringen es auf eine Durchschnittsgröße von 1,75 Meter. Lediglich der Hannoveraner Hiroki Sakai und der Kölner Yuya Osako messen mehr als 1,80 Meter.

Offensive ist Trumpf

Der tiefe Körperschwerpunkt erlaubt schnelle Richtungswechsel - ideal für Spieler im offensiven Mittelfeld. So ist es wenig überraschend, dass mit Shinji Kagawa (Borussia Dortmund, Foto © imago), Hiroshi Kiyotake (Hannover 96), Takashi Inui (Eintracht Frankfurt), Genki Haraguchi (Hertha BSC) und den beiden Kölnern Yuya Osako und Kazuki Nagasawa gleich sechs der zwölf Bundesliga-Japaner das Angriffspiel ihrer Teams ankurbeln - entweder im Zentrum oder auf dem Flügel. Genau wie die beiden Legionäre aus der 2. Bundesliga, Hiroki Yamada vom Karlsruher SC und Yusuke Tasaka vom VfL Bochum.

Dabei unterscheiden sich die Offensiv-Künstler teils stark in ihrer Spielanlage. Kagawa etwa, der seit seiner Rückkehr ganz Dortmund begeistert, besticht mit seinen starken Tempo-Dribblings und seinem schnellen Kurzpassspiel, sucht häufig den Doppelpass, um in den Strafraum einzudringen. Hinzu kommt seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor (21 Tore in 49 Bundesliga-Spielen) und sein gutes Auge für den Mitspieler (14 Assists). Ähnlich setzt sich auch Inui häufig durch seine plötzlichen Tempoverschärfungen durch. Im Schnitt macht er 33 Sprints pro Spiel.

Kiyotake ist hingegen mehr ein Stratege im Mittelfeld, der selten in die Spitze vordringt, sondern lieber aus der Distanz abschließt. So hat er fünf seiner sieben Treffer per Weitschuss erzielt. Zudem ist er ein Standard-Spezialist - bereits zwölf von ihm geschossene Ecken und Freistöße führten zu Toren.

Vielseitig im Defensivbereich

Schnelligkeit und Fleiß sind aber auch Tugenden, die einem Außenverteidiger hervorragend zu Gesicht stehen. Dort werden Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), sein nicht verwandter Namensvetter Hiroki Sakai (Hannover 96) und Schalkes Atsuto Uchida (Foto) eingesetzt. Gotoku Sakai erweist sich dabei seit Jahren als äußerst flexibel einsetzbar, verteidigt beim VfB sowohl links als auch rechts in der Viererkette und kommt dort auf eine gute Zweikampfquote von 55 Prozent.

Sogar 62 Prozent seiner Duelle gewann vergangene Saison der sehr bissige und zudem robuste Hiroki Sakai, womit er zu den zweikampfstärksten Außenverteiligern der Bundesliga gehörte. Der 96er ist sogar überraschend stark im Kopfballspiel und gewinnt 59 Prozent seiner Duelle in der Luft. Atsuto Utchida hat seine Stärken eher in der Vorwärtsbewegung. Seine Flankenläufe führten schon zu acht Toren für Schalke.

Die Kicker aus Fernost können aber auch Abräumen. Makoto Hasebe, inzwischen dienstältester Japaner in der Bundesliga, beweist in Frankfurt seine Qualität auf der Sechserposition, auf der er 56 seiner Zweikämpfe gewinnt. Dabei beackerte Hasebe, bevor er in Nürnberg ins Zentrum berufen wurde, beim VfL Wolfsburg sechs Jahre lang die rechte Außenbahn, in der Viererkette oder dem Mittelfeld. Ähnlich war auch der Werdegang von Hajime Hosogai. In Leverkusen spielte der Japaner links hinten, seit seiner Zeit beim FC Augsburg und auch jetzt bei Hertha BSC sichert er im defensiven Mittelfeld ab.

Okazaki einziger Stoßstürmer

Weniger vermutet man die kleinen Japaner als Stoßstürmer im Angriffszentrum. Der Mainzer Shinji Okazaki ist der einzige Japaner, der in der Bundesliga als klassischer Angreifer zum Einsatz kommt. Okazaki entwickelte sich nach seiner Versetzung von der Außenbahn ins Zentrum zum gefährlichen Torjäger. Der Mainzer erzielte in der vergangenen Spielzeit 15 Treffer - ein Tor und eine Vorlage stehen in der noch jungen laufenden Saison zu Buche.

Überhaupt keine Japaner findet man in der Bundesliga auf der Innenverteidiger-Position und im Tor. Eiji Kawashima, der Keeper der Nationalmannschaft, würde mit seinen 1,85 Metern in Deutschland noch zu den kleinsten Schlussmännern gehören. Aber beim aktuellen Trend für Spieler aus Japan scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der erste Torwart aus Japan in der Bundesliga zwischen den Pfosten steht.