Hamburg - Trotz des 3:1 beim Mitabstiegskandidaten FC St. Pauli, dem Sprung auf Rang 11 der Tabelle und acht Spielen in Folge ohne Niederlage hat der SV Werder Bremen das Abstiegsgespenst immer noch nicht endgültig vertreiben können.

"Wenn man die anderen Ergebnisse betrachtet, sieht man, wie wichtig der Sieg hier war", wunderte sich Geschäftsführer Klaus Allofs über die Siege der Konkurrenten Kaiserslautern und Stuttgart sowie das Remis von Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern München.

Drei Spieltage vor Ende der Saison trennen den viermaligen Deutschen Meister und Dauergast in der Champions League der vergangenen Jahre zwar bereits neun Punkte von den direkten Abstiegsrängen und sechs vom nächsten Gegner VfL Wolfsburg auf Relegationsrang 16, aber das Wort vom sicheren Klassenerhalt will keiner in den Mund nehmen.

"Wir müssen nachlegen"

Trainer Thomas Schaaf warnt vor Übermut: "Dieser Sieg war wichtig, aber das Rennen geht weiter. Wir müssen nachlegen. Am besten schon am Freitag gegen Wolfsburg." Da wollen die Bremer vor eigenem Publikum den Klassenerhalt endgültig klarmachen.

"Diese Saison war mit Qualen verbunden, aber jetzt können wir wieder in Ruhe atmen", freute sich immerhin Claudio Pizarro, der mit seinem "Doppelpack" in der 73. und 74. Minute Werder dem Klassenerhalt ein großes Stück nähergebracht hat.

Ausgerechnet Bargfrede

Eingeleitet hatte die Wende nach dem 0:1 zur Pause Philipp Bargfrede, der nach einem Solo durch die gegnerische Abwehr St. Paulis Markus Thorandt von der Grundlinie so anschoss, dass der den Ball nur ins eigene Tor befördern konnte.

"Ausgerechnet der Sohn von unserem U-17-Trainer", stöhnte St. Paulis Sportdirektor Helmut Schulte nach der Partie.
"Natürlich haben vorher wir viel über das Spiel gesprochen. Mein Vater wird mein Tor und das Ergebnis sicher mit gemischten Gefühlen sehen", erklärte Sohn Phillip gegenüber bundesliga.de: "Ich hoffe, dass die Freude über meine Leistung überwiegt."

Vater Hans-Jürgen "Hansi" Bargfrede trainiert nicht nur die U 17 des FC St. Pauli, sondern hat zwischen 1984 und 1989 selbst 233 Mal, davon 13 Mal in der Bundesliga, das "Braun-Weiße" Trikot getragen. So schlugen an diesem Tag zwei Herzen in der Brust des 52-Jährigen. Darauf konnte der Filius keine Rücksicht nehmen. "Der Sieg heute war ein ganz wichtiger Schritt", freute sich der Mittelfeldmann.

"Seit zehn Wochen nur wichtige Spiele"

Wie ihm schien allen Werderanern eine Last von den Schultern gefallen. "Seit zehn Wochen haben wir nur wichtige Spiele", beschrieb Torsten Frings den Druck, der auf der Mannschaft lastet.

"In der Halbzeit haben wir mitbekommen, dass die anderen Ergebnisse für uns alles andere als gut waren. Da haben wir uns vorgeommen, dass wir in der zweiten Halbzeit noch einmal richtig draufgehen. Das hat dann ja auch geklappt", analysierte der Kapitän und liegt mit seinem Trainer auf einer Wellenlänge.
Zwar hat Bremen nun seit acht Spielen nicht verloren, trotzdem "dürfen wir nicht nachlassen. Wir müssen gegen Wolfsburg punkten".

Danach kommt mit Borussia Dortmund "ein richtiger Brocken" ins Weser-Stadion und auf ein "Endspiel gegen den Abstieg am letzten Spieltag" auf dem gefürchteten Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern hat der Kapitän "keine Lust".

Jürgen Blöhs