Trotz der 0:1-Niederlage beim 1. FC Köln bleibt der 1. FSV Mainz 05 in der oberen Tabellenhälfte. Der Aufsteiger belegt den 8. Platz. Doch mit dem Auftritt in der Domstadt konnten die Mainzer nicht zufrieden sein. "Uns hat die Durchschlagskraft gefehlt", monierte FSV-Torwart Heinz Müller im Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Müller, der FSV Mainz 05 hat 0:1 beim 1. FC Köln verloren. Was hat die Mannschaft falsch gemacht?

Heinz Müller: Wir sind einfach nicht ins Spiel gekommen und haben zu wenig Torchancen zwingend herausgespielt. Wir haben nicht die Torgefahr ausgestrahlt, die wir uns gewünscht haben.

bundesliga.de: Viel zu tun hatten Sie bis auf die drei Chancen des Kölner Stürmers Milivoje Novakovic auch nicht.

Müller: Aber davon hat eine gesessen. Das war der Unterschied. Wir hatten unterm Strich die gleiche Anzahl an Torchancen. Die Kölner haben aber ein Tor gemacht und am Ende auch verdient gewonnen.

bundesliga.de: Mainz steht immer noch nach 9 Spielen mit 14 Punkten auf Platz 8. Damit ist der Verein ja im grünen Bereich. Was lernt man aus so einem Spiel wie in Köln?

Müller: Jedes Spiel hat ein gewisses Potenzial, um daraus zu lernen. Wir werden uns das Spiel genau anschauen und analysieren. Wir werden uns unsere Gedanken machen, der Trainer wird seinen Teil dazu sagen. Dann werden wir versuchen, es im nächsten Spiel besser zu machen. Uns hat die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben recht gut kombiniert, aber nicht den effektiven Zug zum Tor gehabt, um zum Abschluss zu kommen. Das haben wir vermissen lassen. Solche Spiele gibt es auch. Nichtsdestotrotz stehen wir in der Tabelle, wie Sie richtig feststellen, ganz gut da. Man darf ja nicht vergessen, dass wir ein Aufsteiger sind und unser Ziel der Klassenerhalt ist. Wir dürfen uns auf den 14 Punkten aber nicht ausruhen. Die Saison ist ja noch lange nicht vorbei.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison war Mainz auswärts bärenstark und hat daheim geschwächelt. In dieser Spielzeit ist das genau umgekehrt. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Müller (lacht): Letztes Jahr haben wir auch in der 2. Liga gespielt. Das hat damit zu tun, dass Mainz in der letzten Saison Favorit für den Aufstieg war und in der Liga sehr stark war. In der Bundesliga sind wir mehr oder weniger Außenseiter. Da wird es für einen Aufsteiger schwierig, auswärts etwas zu holen.

bundesliga.de: Waren die Mainzer Spieler vielleicht ein bisschen von der Kulisse in Köln beeindruckt?

Müller: Nein. Bei uns ist die Stimmung genauso wie in Köln. Auch wenn hier mehr Zuschauer sind. Bei uns geht keiner aufs Spielfeld und denkt sich: Oh, wo bin ich dann hier gelandet?

bundesliga.de: Merken Sie bereits, dass die Gegner dem FSV Mainz 05 nach den Mainzer Anfangserfolgen mehr Respekt entgegen bringen?

Müller: Ich glaube nicht, dass uns jemand von Anfang an unterschätzt hat. Zuhause haben wir einige Gegner überrollt. Da ist uns das gelungen, was uns auswärts momentan nicht gelingt. Da haben wir schöne Spielzüge zum Abschluss gebracht, da hatten wir die Durchschlagskraft und die gegnerische Abwehr beschäftigt, auch wenn nicht jeder Schuss ein Treffer war. Wir müssen daran arbeiten, dass uns das auch auswärts gelingt.

bundesliga.de: Nächste Woche kommt es zum Aufsteigerduell gegen den SC Freiburg, der auch schon eine Menge Punkte auf dem Konto hat und auf Angriff setzt. Was erwarten Sie von dem Spiel?

Müller: Das wird kein leichtes Spiel. Die Freiburger werden zu uns kommen und versuchen, die Punkte zu stehlen. Aber so wie wir uns in den Heimspielen präsentiert haben, haben wir sehr gute Chancen, die drei Punkte in Mainz zu behalten. Vorausgesetzt, wir liefern die Leistung ab, die wir in den letzten Heimspielen geboten haben.

bundesliga.de: Sie haben in England gespielt und können Vergleiche zum englischen Fußball ziehen. Wie unterscheidet sich das Spiel in England von der Bundesliga?

Müller: In Deutschland werden nicht so viele lange Bälle gespielt. In England wird sehr auf Standards wie Freistöße und Ecken gesetzt. Darauf wird mehr Wert gelegt. Die deutschen Mannschaften sind taktisch besser geschult als die englischen Durchschnittsmannschaften. Das Spiel in Deutschland findet mehr im Mittelfeld statt und ist taktisch anspruchsvoller.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski