Hamburg - Er lief sich die Seele aus dem Leib und wurde mit Standing Ovations in der 82. Minute entkräftet ausgewechselt. Lewis Holtby war nicht nur Torschütze zum 2:0 beim 3:1 des Hamburger SV über Borussia Dortmund, sondern zusammen mit Keeper Rene Adler bester Mann bei den Rothosen.

Im Interview sprach Holtby über seine Leistung, die Taktik von Bruno Labbadia und das anstehende Derby gegen den SV Werder Bremen.

Frage: Herr Holtby, Glückwunsch zum Sieg. Wie ist dieser Erfolg gegen ansonsten sehr starke Dortmunder zu erklären?

Lewis Holtby: Wir waren einfach mal sehr effizient. Nicht so leichtsinnig, wie in den vergangenen Spielen. Wir haben als Team sehr kompakt verteidigt und mit einer guten Mannschaftsleistung haben wir das Spiel gewonnen. Es ist schon zu erwähnen, dass wir drei Tore gegen den BVB gemacht haben. Gegen eine starke Mannschaft, die vielleicht nicht den besten Tag erwischte. 

"Jemand da oben hat an mich geglaubt"

Frage: Sie haben endlich mal wieder getroffen.

Holtby: Ja, und das freut mich riesig. Ich habe in der Kabine noch zu meinem Teamkollegen Gideon Jung gesagt, dass ich ein Tor mit rechts mache, meinem eigentlich schwächeren Fuß. Er hat mich nur dumm angeschaut und gelacht. Wenn ich mir das Tor jetzt im Fernsehen anschaue, habe ich es wohl mit rechts erzielt (lacht).

Frage: Bei ihrem Tor zum 2:0 brauchten Sie einen langen Anlauf...

Holtby: Ich hatte in diesem Moment eine Szene aus dem Verona-Spiel aus der Vorbereitung im Kopf, als es eine ähnliche Situation gab. Ich habe mir gedacht, obwohl der Weg weit war, da muss ich jetzt mal mitgehen, vielleicht werde ich ja belohnt. Jemand hat an mich geglaubt da oben und dann habe ich den Ball einfach reingemacht.

Frage: Sie erzielen selten Tore mit rechts, oder?

Holtby: So schlimm ist es auch nicht. Mein erstes Bundesliga-Tor habe ich ebenfalls gegen Dortmund mit rechts geschossen noch im Trikot des VfL Bochum. Ich habe einige Tore mit rechts gemacht.

"Gleich in die Eistonne springen"

Frage: Würden Sie sagen, dass es Ihre beste Leistung im Trikot des HSV war?

Holtby: Ich würde mal sagen, es war auf jeden Fall das effektivste Spiel seitdem ich hier bin. Ich bin froh, dass ich neben meinem Tor auch eine Vorlage beisteuern konnte. Am meisten freut es mich aber, dass ich einen Beitrag leisten konnte für den Sieg in so einem wichtigen Spiel. Jetzt haben wir 18 Punkte, das ist in Ordnung. Wir sind froh, dass wir gegen so eine Topmannschaft drei Punkte geholt haben.

Frage: Trainer Bruno Labbadia hatte von Beginn an fast mit drei defensiven Mittelfeldspielern agiert. Wie war ihre Position definiert?

Holtby::Im Grunde genommen habe ich auf der Zehn gespielt, oder eine falsche Acht, könnte man auch sagen. Es war wichtig, dass wir innerhalb des Teams ein gutes Verständnis unter einander gehabt haben. Wir haben das Spiel gewonnen, weil wir eine hervorragende Mannschaftsleistung gezeigt haben. Bestes Beispiel ist Cleber Reis, der für den verletzten Emir Spahic in einer hektischen Phase ins Spiel gekommen ist und sich sehr gut eingefügt hat.

Frage: Sie sind beim HSV als Kabinen-DJ bekannt. Was legen Sie nach dem Sieg in der Kabine auf?

Holtby: Diesmal lege ich nichts auf. Ich wurde mit Krämpfen ausgewechselt und dann beim Tanzen nach dem Spiel kamen die Krämpfe wieder. Ich bin froh, wenn ich wie Per Mertesacker gleich in die Eistonne springen und regenerieren kann.

Frage: Mit 18 Punkten können Sie entspannt zum Nordderby am kommenden Wochenende nach Bremen reisen, oder?

Holtby: Nein. Heute können wir uns freuen, dann ist am Samstag wieder Training. Dann ist frei und wir besuchen unsere Fanclubs. Dann konzentrieren wir uns auf den SV Werder Bremen. Wenn wir jetzt Larifari machen, werden wir in Bremen untergehen. 

Aufgezeichnet von Alexander Barklage