Gelsenkirchen - Mit dem FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach stehen sich zum Abschluss des 4. Spieltags zwei Mannschaften mit ganz breiter Brust gegenüber (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Nicht einmal eine halbe Stunde nach dem Triumph, nach jenem 6:1-Erfog über HJK Helsinki und dem Einzug seiner Schalker in die Gruppenphase der Europa League, da hatte Ralf Rangnick innerlich schon wieder umgeschaltet. "In Gedanken", verriet der Schalker Trainer, "bin ich schon wieder bei unserem Spiel gegen Mönchengladbach."

Der "Hunter" trifft nach Belieben

Gegen den ungeschlagenen Club vom Niederrhein, der sich die Tabellenführung vom zwischenzeitlich vorbeigezogenen FC Bayern München zurückholen will, wollen die Schalker am Sonntag ihre Serie fortsetzen. 5:1 gegen Köln, 4:2 in Mainz, 6:1 über Helsinki - keine Frage, der Offensivexpress in Königsblau hat zuletzt mächtig Fahrt aufgenommen. Mit neun Treffern in drei Spielen ist Schalke auch das offensivstärkste Team der Bundesliga. Vor allem Klaas-Jan Huntelaar trifft zurzeit fast nach Belieben, was auch seinem vermeintlichen Gegenspieler am Sonntag Respekt abnötigt. "Er ist eiskalt und macht fast jedes Ding rein", meint Gladbachs Roel Brouwers, der nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder auflaufen kann.

Rangnick lobte nach dem Helsinki-Spiel insgesamt die Schalker Offensivabteilung um Huntelaar, Raul und Jefferson Farfan: "Nach vorne war das auch gegen die Finnen wieder ein Klassespiel." Zugleich schränkte der Trainer aber auch ein: "In den ersten 20 Minuten haben wir abenteuerliche Sachen gegen den Ball gemacht. Und darum müssen wir auch mit Blick auf das Duell gegen die Borussia weiter an unserer Balance zwischen Defensive und Offensive arbeiten." Er habe, sagt Rangnick, am Sonntag "nichts dagegen, wenn auch mal ein Tor reichen würde, weil wir keines kassieren."

Auch Sportdirektor Horst Heldt hat bei allem Lob für den souveränen Einzug in die Europa League für die Schalker warnende Worte: "Wenn der Tabellenführer (vor dem 4. Spieltag, Anm. d. Red.) kommt, müssen wir an unsere Offensivleistung anknüpfen. Aber wir müssen auch lernen, dass wir es uns einfacher machen können."

Respekt ja, Angst nein

Die Gladbacher um Trainer Lucien Favre werden aufmerksam registriert haben, wie leicht die finnischen Gäste in der ersten Halbzeit durch die Schalker Abwehrreihen spazieren konnten. Etwas mehr Effizienz im Abschluss, und das Spiel hätte einen deutlich anderen Verlauf nehmen können. Diese Erkenntnis - gepaart mit der Tatsache, selbst seit zehn Pflichtspielen ohne Niederlage zu sein - lässt Borussia Mönchengladbach mit breiter Brust nach Gelsenkirchen reisen. "Wir haben Respekt, aber keine Angst", stellt Gladbachs Trainer Lucien Favre klar.

Und gerade weil der Gegner zuletzt defensive Schwächen offenbarte, will der Gladbacher Coach seine stürmischen "Fohlen" auch am Sonntag nicht unnötig zügeln und dem Spiel einen eigenen Stempel aufdrücken. "Druck machen, Ballbesitz halten, den Weg nach vorne suchen", lautet seine Vorgabe für die Partie.

Verstecken will man sich auf keinen Fall, unterstreicht auch Sportdirektor Max Eberl: "Bei uns ist jetzt viel Selbstvertrauen im Spiel. Wir wollen etwas mitnehmen aus Schalke!" Dabei kämpfen die Gladbacher Borussen am Sonntag allerdings nicht nur gegen elf ambitionierte Gegner, sondern auch gegen die Statistik: Seit 15 Spielen konnte Mönchengladbach auf Schalke nicht mehr gewinnen. Der letzte Sieg datiert aus dem August 1992.

Dietmar Nolte