Der Zwölfte empfängt den Elften - eine solche Tabellenkonstellation deutet nicht gerade auf ein brisantes Spiel hin. Doch wenn sich hinter dem Elften der FC Bayern München verbirgt, der seit drei Begegnungen nicht mehr gewonnen hat (zwei Niederlagen, ein Unentschieden) und nun beim Karlsruher SC (Samstag, ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) antreten muss, sieht die Sache etwas anders aus.

Mit nur neun Punkten aus sieben Spielen hat der deutsche Rekordmeister und amtierende Titelträger unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann den schlechtesten Start seit 34 Jahren in der Bundesliga hingelegt.

"Haben uns das selbst eingebrockt"

Was dem gemeinen Bayern-Fan die Schweißperlen auf die Stirn treibt, beunruhigt Klinsmann nicht groß. Er analysiert die Sachlage mit entspanntem Gesichtsausdruck und einer Tasse frisch gebrühtem Espresso in der Hand.

"Wir haben uns ein bisschen fahrlässig in eine Situation gebracht, in der es nach Punkten nicht so gut aussieht, wie es eigentlich aussehen sollte. Diese Dinge haben wir uns unnötigerweise selbst eingebrockt und müssen sie jetzt korrigieren", fordert der 44-Jährige, wohl wissend, dass "es enorm wichtig ist, dass wir jetzt in der Bundesliga punkten und in der Tabelle nach oben orientieren".

Klinsmann kennt die Erwartungshaltung, die ihm als Bayern-Trainer entgegenschlägt, schlaflose Nächte bereitet sie ihm jedoch nicht. "Es macht mir heute immer noch so viel Spaß wie am ersten Tag. Wir sind Woche für Woche in der Pflicht, gut zu spielen, die Fans und uns mit den Ergebnissen glücklich zu machen. Aber das ist eine ganz normale Konstellation und für mich gar kein Problem", sagt der Ex-Bundestrainer.

Gegentore als "Kettenreaktion"

Auffällig vor allem: Die Bayern kassierten im Schnitt 1,86 Gegentreffer pro Spiel. Das sind exakt drei Mal so viele wie in der Vorsaison. Allein auf die Fehler der Viererkette, die zuletzt beim 3:3 zuhause gegen Bochum die gegnerischen Stürmer weitgehend unbeaufsichtigt gewähren ließ, will Klinsmann die aktuelle Lage nicht zurückführen.

"Die Defensivarbeit geht immer schon weiter vorne los. Die beiden letzten Gegentreffer gegen Bochum waren in dem Sinne eine 'Mannschaftsleistung', das kann man nicht nur an den Abwehrspielern und am Torwart festmachen", betont er gegenüber bundesliga.de und spricht lieber von einer "Kettenreaktion, die wir hoffentlich nicht mehr allzu oft erleben werden".

Rensing schiebt Extraschichten

Am Ende der Kette stand gegen Bochum Torhüter Michael Rensing. Klinsmann sieht den Nachfolger von Oliver Kahn in einer Entwicklungsphase, in der er sich "all den Herausforderungen stellen und sie bewältigen muss".

Rensing, der nach nicht fehlerfreien Vorstellungen zuletzt im Training freiwillig Extraschichten schob, befinde sich, so Klinsmann, in einer "schwierigen Phase", die man nur dadurch überwinden könne, "indem man mehr arbeitet und sich die Selbstsicherheit wieder holt, um die Bälle herunter zu pflücken, anstatt sie, wie beim 3:3 gegen Bochum, an einem vorbei gehen zu lassen".

Körperliche Arbeit trägt Früchte

Aufgrund der zweiwöchigen Spielpause während der WM-Qualifikationsspiele und der zahlreich abgestellten Nationalspieler konnte im Training an der fehlenden Abstimmung allerdings nur sehr begrenzt gearbeitet werden. Für Klinsmann kein Problem: "Obwohl der Großteil bei Länderspielen unterwegs war, weiß die Mannschaft sehr wohl, wie sie in Karlsruhe aufzutreten hat."

Von einer zusätzlichen Belastung seiner international aktiven Akteure will der FCB-Trainer nichts wissen, im Gegenteil: "Die intensive Aufbauarbeit der ersten drei bis vier Monate trägt langsam erste Früchte. Die Spieler, auch die Nationalspieler, fühlen sich immer frischer und können über die gesamte Spielzeit ein hohes Tempo gehen."

Van Bommel in die Startelf

Außerdem kehrten seine Nationalspieler, nicht nur die deutschen, mit Erfolgserlebnissen zurück. Mark van Bommel beispielsweise markierte den 1:0 Siegtreffer der Niederlande in Norwegen und wird gegen Karlsruhe nach zuletzt drei Pflichtspielen auf der Bank in die Startformation zurückkehren, um für mehr Stabilität zu Sorgen, wie Klinsmann ankündigte.

Auch Bastian Schweinsteiger strotzt nach seinen starken Auftritten mit Deutschland gegen Russland und Wales vor Selbstvertrauen. "Wir müssen die Antwort auf die Probleme auf dem Platz geben. Das 'Mir-san-mir-'Gefühl ist bei mir weiter vorhanden", sagte er zu bundesliga.de.

Schweinsteiger hat sich gedanklich also bereits vom Tabellenmittelfeld verabschiedet. Ob der FC Bayern das gegen Karlsruhe auf dem Platz ebenfalls schafft, bleibt abzuwarten.

Von der Säbener Straße berichtet Denis Huber