Gelsenkirchen - Der Niederlage des FC Schalke 04 gegen den AC Mailand misst Timo Hildebrand keine große Bedeutung zu. Bei bundesliga.de erklärt der Torhüter, warum er mit dem Spiel der Mannschaft schon recht zufrieden ist - und wie er seine eigene Rolle sieht.

Bei der 0:1-Niederlage im Test gegen die Italiener durfte Hildebrand in den ersten 45 Minuten das Schalker Tor hüten, bevor Trainer Huub Stevens die Mannschaft komplett durchwechselte. Nach der Partie sprach der 33-Jährige exklusiv mit bundesliga.de über positive Ansätze im Schalker Spiel, Druck im Kader und seinen Dreikampf um die Torwart-Position gegen die Konkurrenten Ralf Fährmann und Lars Unnerstall.

bundesliga.de:Timo Hildebrand, nach der langen Sommerpause stand gegen den AC Mailand wieder Fußball auf dem Programm. Wie fällt Ihr Fazit nach der Niederlage aus?

Timo Hildebrand: Die Pause ist für uns leider schon seit drei Wochen vorüber, weil wir schon länger wieder im Training sind. Aber es stimmt, dass der AC Mailand der erste ernsthafte Testgegner für uns war. Ich finde, wir haben insgesamt ein gutes Spiel gemacht, auch wenn das Ergebnis das nicht so aussagt. Aber das spielt in diesem Fall eigentlich auch keine Rolle. Wichtiger war, wie wir uns präsentiert haben.

bundesliga.de: Auch Trainer Huub Stevens war zumindest mit den ersten 45 Minuten zufrieden. Was hat Ihnen am Schalker Spiel gefallen?

Hildebrand: Wir hatten gegen die Italiener vor allem sehr viele Balleroberungen. Das konnte sich schon sehen lassen. Ich denke, dass wir insgesamt die Vorstellungen des Trainers ganz gut umgesetzt haben: Wir haben im Mittelfeld aggressiv den ballführenden Spieler unter Druck gesetzt, haben so viele Bälle gewonnen und konnten auf diese Weise auch einiges an Gefahr für das Mailänder Tor provozieren. Milan hat sich vor allem in der ersten Halbzeit eher darauf beschränkt, das eigene Tor zu verteidigen. Da hätten wir locker ein, zwei Treffer machen können.

bundesliga.de: War es für Schalke der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt?

Hildebrand: Es war wirklich so etwas wie eine erste Bestandsaufnahme. Zuvor hatten wir nur gegen drei, vier schwächere Mannschaften gespielt. Aber es ist wichtig, auch gegen einen solchen Gegner mit einer solchen individuellen Qualität spielen zu können. Nur so können wir sehen, wo wir selbst zurzeit stehen. Und unter diesem Aspekt kann man wohl sagen, dass wir den Test bestanden haben.

bundesliga.de: Huub Stevens hat komplett durchgewechselt und hat auf fast jeder Position zwei, drei Optionen. Entsprechend groß ist auch der Druck - ist das ein Problem?

Hildebrand: Wir haben einen sehr großen Kader, in dem nach meiner Ansicht insgesamt die Qualität noch einmal zugenommen hat. Entsprechend groß ist natürlich der Druck und jeder muss um seinen Platz kämpfen. Das ist aber bei einem Bundesligisten auch eine Situation, der man sich stellen muss. Das ist Normalität, das ist also völlig okay.

bundesliga.de: Um die Besetzung im Tor gibt es einen Dreikampf auf Augenhöhe. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihren Konkurrenten Lars Unnerstall und Ralf Fährmann beschreiben?

Hildebrand: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, das ist wirklich absolut positiv. Wir verstehen uns alle Drei gut miteinander uns es macht auch Spaß, in diesem Team zusammen zu arbeiten. Es ist einfach angenehmer, wenn man sich dabei versteht. Natürlich ist es für niemanden von uns eine einfache Situation, da muss man nicht herumreden. Aber ich habe es eigentlich bisher in meiner Laufbahn immer so gehalten, dass ich mit meinen Konkurrenten ein gutes Verhältnis pflege.

bundesliga.de: Gerade nach dem Abgang von Raul sind bei Schalke 04 Erfahrung und Führungsqualität gefragt. Könnte das am Ende für Sie ein wichtiger Vorteil im Vergleich zu Ihren jüngeren Konkurrenten sein?

Hildebrand: Ich denke nicht, dass dies allein am Ende den Ausschlag geben wird. Aber natürlich habe ich in meiner Kariere schon viel Erfahrung sammeln können und gebe das auch gerne weiter. Ich denke, ich weiß auch ganz gut, was man braucht, um als Mannschaft erfolgreich zu spielen. Ich will einfach der Mannschaft helfen. Und ich hoffe, ich kann ihr helfen - wenn ich auf dem Platz stehe.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte