Ein Sieg aus den letzten neun Spielen, nur noch Rang 4 in der Tabelle, quo vadis Bayer 04 Leverkusen? Auch in Stuttgart spielte die Mannschaft stark, verlor trotz zahlreicher Chancen aber dennoch. Der Verein steckt mal wieder im Dilemma, erneut steht man kurz davor, alles zu verspielen.

Für manche Dinge muss man im Profifußball hart arbeiten, und wenn es nur ein roter Kopf ist: Leverkusens Trainer Jupp Heynckes bestätigte nach der knappen 1:2-Niederlage beim VfB Stuttgart wieder einmal alle auf ihn gemünzten Klischees.

Durchhalteparolen von Heynckes

Kein Wunder, schließlich bot sein Team in den vorherigen 90 Minuten eine erstklassige Vorstellung, erarbeitete sich zahlreiche Torchancen und war selbst mit nur zehn Mann den ebenfalls sehr selbstbewusst auftretenden Schwaben zumindest ebenbürtig.

Was aber nutzt das alles, wenn man am Ende wieder ohne Punkte die - der Asche sei Dank - beschwerliche Heimreise antreten muss? Heynckes versuchte, die Stuttgarter Pleite schön zu reden. "Abgerechnet wird zum Schluss" oder "Wir bleiben zuversichtlich" waren nur zwei der Durchhalteparolen, die der Bayer-Coach so von sich gab. Heynckes wäre aber nicht der gewiefte Trainerfuchs, wenn nicht auch er wüsste, dass seine Mannschaft, die in der Vorrunde noch einzigartigen Fußball bot, nicht gerade ein Formhoch erlebt.

Die Serie ist Geschichte

Die Leverkusener Bilanz der letzten Wochen liest sich schauderhaft: In den vergangenen neun Spielen gelang Bayer nur ein einziger Sieg, seit fünf Partien gab es keine drei Punkte mehr. Nur der Dortmunder Punktverlust gegen 1899 Hoffenheim hat verhindert, dass die Bayer-Truppe nach diesem Spieltag nicht bis auf Rang 5 durchgereicht wurde. Und das, nachdem die Spieler von Heynckes eine unglaubliche Serie von 25 Spielen ohne Niederlage in Folge hingelegt hatten.

Der Schmerz in Leverkusen sitzt mittlerweile tief. Das nervtötende Image des ewigen Zweiten lastet auf dem Verein, und dieser ist auf dem besten Weg eben dieses wieder einmal eindrucksvoll zu bestätigen. Da wundert es auch nicht, dass Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser die Stuttgarter Mercedes-Benz Arena mehr oder weniger wortlos verließen.

Starker Auftritt im Schwabenland

Dabei hatten die Bayer-Kicker in Stuttgart eine Leistung dargeboten, die selbst Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt ins Schwärmen brachte. Leverkusen sei die "beste Mannschaft gewesen, die bislang in Stuttgart in dieser Saison gespielt habe." In der Tat hatten sich die bärenstarken Stefan Kießling, Toni Kroos oder Eren Derdiyok zahlreiche erstklassige Torgelegenheiten herausgearbeitet, und das zu zehnt, nachdem Mittelfeldmann Tranquillo Banetta schon früh wegen einer Gelb-Roten Karte den Platz verlassen musste.

Leverkusen spielt gut, ist zumeist das bessere Team und - verliert. Dennoch geben sich die Leverkusener weiter kämpferisch. "Jetzt haben wir noch drei Finalspiele. Bei zwei Heimsiegen sieht alles wieder ganz anders aus", sagte beispielsweise Derdiyok.


Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer

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