Köln - Der FC Ingolstadt setzt seine Erfolgsserie fort und gewinnt auch das dritte Auswärtsspiel dieser Saison beim SV Werder Bremen. In der Auswärtstabelle belegt Ingolstadt damit den ersten Platz. Der FCI ist der erste Aufsteiger der Bundesliga-Historie, der die ersten drei Auswärtsspiele einer Saison gewann.

Gegen Werder Bremen brauchte es dazu kurz vor Schluss einen Elfmeter, den Moritz Hartmann sicher verwandelte. Bemerkenswert ist aber vor allem, dass ein Treffer reicht. "Ich habe jetzt drei Mal in der Bundesliga auswärts gespielt und weiß noch gar nicht, wie es sich anfühlt dort einen Gegentreffer zu kassieren", sagte Torschütze Hartmann nach dem Spiel schmunzelnd. In vier der bislang fünf Saisonspiele stand die Null – öfter als bei Bayern oder Wolfsburg. Ramazan Özcan kassierte in dieser Saison noch kein Gegentor, er parierte in Bremen alle vier Bälle auf seinen Kasten. Bei der einzigen Niederlage, dem 0:4 gegen Dortmund, stand Örjan Nyland im Tor.

Ingolstadt segelt so weiter auf Erfolgskurs, hat bereits zehn Punkte gesammelt und belegt vor den Sonntagspielen einen Platz in der Top Five der Tabelle – klar vor ambitionierten Mannschaften wie zum Beispiel Leverkusen oder Schalke. Es ist 24 Jahre her, dass ein Bundesliga-Neuling zuletzt besser startete. Insgesamt gab es in der Bundesliga-Geschichte nur 13 Aufsteiger, die nach fünf Spieltagen zehn oder mehr Punkte auf dem Konto hatten (auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet). Allerdings hatten alle zwölf Vorgänger eine bessere Tordifferenz als der FCI.

Die Defensive garantiert den Erfolg

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Dank der der tollen Defensive kann es sich Ingolstadt aber erlauben, offensiv etwas weniger erfolgreich sein. 14 Bundesligisten haben mehr Tore erzielt als der FCI, der erst drei Mal traf. Mit ihren drei Toren haben die Ingolstädter aber zehn Punkte geholt, jedes einzelne Tor war also 3,3 Punkte wert. Damit hat der Fußballclub einen weiteren Bundesliga-Rekord aufgestellt: Nie zuvor hatte ein Bundesligist mit drei oder weniger Toren an den ersten fünf Spieltagen so viele Punkte auf der Uhr wie die Schanzer.

Ein weiterer Grund für die guten Leistungen ist der hohe Aufwand, den die Ingolstädter betreiben. Ingolstadt versteht es geschickt, die Räume eng zu machen. Die Gegner des FCI kamen in dieser Saison durchschnittlich nur auf eine Laufstrecke von 110 Kilometern – Ligaminus. Räume zum Spielen lässt der FCI nicht zu. "Wir haben im Moment richtig Spaß daran, total kaputt vom Platz zu gehen", sagt Keeper Ramazan Özcan. "Wenn wir dann noch einen Dreier mitnehmen, macht es natürlich sogar noch mehr Spaß." Ingolstadt ist ohne Kontergegentor, ohne Gegentor nach Ecken und Freistößen und auch ohne Kopfball-Gegentor. Kurz: Alles, was man mit Ordnung, Einsatz und Disziplin verhindern kann, verhindert der FCI.

Stolzer Trainer

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Trainer Ralph Hasenhüttl ist stolz auf seine Mannschaft: "Der Rekord ist sensationell, keine Frage. Wir haben Geschichte geschrieben, da sind wir sehr sehr stolz drauf." Hasenhüttl setzt auf einen hohen Wiedererkennungswert im Spiel seines Teams: Frühes Pressing ist das Ziel, Ingolstadt will den Gegnern richtig lästig werden, sie nicht zur Entfaltung kommen lassen. Das gelang bislang bemerkenswert gut, vor allen in den Auswärtsspielen. Bei Balleroberungen schaltet der FCI schnell um. Grundsätzlich sind Offensivaktionen aber eher ein Abfallprodukt der Arbeit gegen den Ball – auf Ballbesitzfußball mit langen Offensivstafetten wird nicht gesetzt.

Personell setzte man beim FCI auf Kontinuität, dem Stamm des Aufstiegsteams wurde vertraut. Der Vorteil ist, dass das Team eingespielt daherkommt. Wie schon auf früheren Stationen versteht es Hasenhüttl, eine geschlossene Einheit zu formen. Und die Aussichten des Bundesliga-Newcomers sind nicht so schlecht.

Von den zwölf Aufsteigern, die vor Ingolstadt mindestens (umgerechnet) zehn Punkte an den ersten fünf Spieltagen einer Saison geholt hatten, sind nur zwei am Saisonende ab abgestiegen – das entspricht nur 17 Prozent. Betrachtet man alle Absteiger komplett, dann gab es neben diesen beiden nur eine weitere Mannschaft, die nach mindestens zehn Punkten nach fünf Spieltagen noch abgestiegen ist. Von den bislang 133 Absteigern der Bundesliga-Geschichte hatten 130 nach fünf Spieltagen also weniger Punkte auf dem Konto als die Schanzer derzeit. Und: Erst zehn Mal in der Historie ist ein Team abgestiegen, das sich nach fünf Spieltagen im oberen Drittel der Tabelle befand.