Gelsenkirchen - Der S04 hat einen echten Lauf. Nach dem 3:0 zum Auftakt in der Champions League gegen Steaua Bukarest - der dritte Pflichtspielsieg in Folge - stand ein gut aufgelegter Julian Draxler in der Mixed Zone Rede und Antwort.

Im Interview spricht er über das Zusammenspiel mit Kevin Prince-Boateng, das bevorstehende Topspiel gegen den FC Bayern und seine Geburtstagsplanung.

Frage:Julian Draxler, Glückwunsch zum Sieg. War es trotz des klaren Ergebnisses ein hartes Stück Arbeit?

Julian Draxler: Ja, wir haben mit Sicherheit sehr viel Geduld gebraucht. Unterm Strich steht ein 3:0 zum Champions-League-Auftakt. Es zeugt auch von unserem Selbstvertrauen, das wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben. Wir sind sehr zufrieden.

Frage: Kevin-Prince Boateng hat gesagt, dass Sie sein Tor im Stile eines echten Zehners vorbereitet hätten.

Draxler: Dann kann er ja gerne nächstes Spiel auf links spielen (lacht). Nein, ich glaube, dass er aufgrund seiner Präsenz auf der Zehn sehr gut aufgehoben ist. Er kann die Bälle super halten und entlastet mich dadurch auch. Das kommt mir momentan sehr entgegen, weil zu Saisonbeginn doch viele Augen auf mich gerichtet waren. Jetzt haben wir eine ideale Lösung gefunden.

Frage: Wenn Sie die Positionen wechseln, passiert dies spontan?

Draxler: Ja, das machen wir meistens intuitiv, je nach Spielverlauf. Ich habe mich auf links in der Phase etwas verloren gefühlt und bin dann nach innen gegangen. Wir sind ja beide nicht festgewachsen auf unseren Positionen. Wenn wir zwischendurch wechseln und ich dann auch von der Zehn mit einer Vorlage wie heute aktiv werden kann, ist es umso schöner.

Frage: Was kann man vom Duo Draxler/Boateng künftig noch erwarten?

Draxler: Ich denke, dass das Zusammenspiel in den nächsten Wochen noch wachsen wird und wir daraus eine echte Waffe für Schalke 04 machen können. Wir verstehen uns sehr gut, auch neben dem Platz.

Frage: Es fällt auf, dass sich ihr Spiel in der Rückwärtsbewegung verbessert hat.

Draxler: Freut mich, dass man das sieht. Ich bin ja nicht als großer Defensivspezialist bekannt, aber wenn man als Mannschaft verteidigen will, muss jeder mitmachen. Der Trainer hat mit mir drüber gesprochen. Ich bin zwar am Ende immer noch Offensivspieler, aber ich versuche mich immer in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Frage: Viel läuft in der Offensive über Sie, Boateng und Jefferson Farfan. Kommt Stürmer Adam Szalai momentan etwas zu kurz?

Draxler: Wir müssen spielerisch noch zulegen und das Zusammenspiel mit ihm verbessern. Wenn wir über die Außen kommen, fehlt es noch an der Abstimmung, um Adam in Szene zu setzen. Trotzdem ist er sehr wichtig für uns. Er rackert unheimlich für die Mannschaft und wird auch bald wieder zuschlagen.

Frage:Sie haben am Freitag Geburtstag, gibt es eine große Party?

Draxler: Würde es Facebook und Fotohandys nicht geben, dann vielleicht (lacht). Aber heutzutage hat man keine Chance mehr aus der Nummer herauszukommen. Deswegen werde ich schön brav im Hotel bleiben.

Frage: Nach einem Sieg gegen Bayern wird dann aber am Samstag gefeiert.

Draxler: Das wäre natürlich ideal, wenn wir jetzt noch die Bayern schlagen könnten. Das ist aber Träumerei. Wir müssen auf jeden Fall gegen sie besser spielen als gegen Bukarest. Dann wird man sehen, wie weit beide Mannschaften sind. In unserem eigenen Stadion wollen wir fighten und uns nicht einfach so geschlagen geben. Wenn wir gewinnen, werde ich auch sicher ein bisschen Geburtstag feiern.

Frage:Manuel Neuer hat noch kein Tor gegen Schalke kassiert. Wird es langsam Zeit?

Draxler: Klar würden wir uns freuen, wenn Manu gegen uns mal hinter sich greifen müsste. Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen und wenn er ein paar Bälle aus dem Netz holen müsste, wäre ich damit einverstanden.

Frage: Bei Schalke steht seit drei Spielen die Null. Klappt das auch gegen Bayern?

Draxler: Wir sollten aufpassen, dass wir nicht zu große Töne spucken, nur weil wir uns gegenüber dem Saisonbeginn stabilisiert haben. Das war sehr wichtig, denn nur so fährt man Siege ein. Aber gegen Bayern müssen wir alle nochmal eine Schippe drauflegen, wenn wir was holen wollen. Die Bayern sind ganz klarer Favorit.

Frage: Schalke also nur mit Außenseiterchancen?

Draxler: Wir sind als Team so weit gereift, dass wir nach vier gewonnenen Spielen nicht davon reden, dass wir mit Bayern auf Augenhöhe sind. Wir haben natürlich im Team ein paar Experten, die gerne mal einen Spruch raushauen. Dazu gehöre ich nicht. Die Favoritenrolle ist klar vergeben. Aber natürlich rechnen wir uns auch Chancen aus.

Aus Gelsenkirchen berichtet Markus Hoffmann