Dortmund - Dr. Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes, spricht im Interview unter anderem über die Bedeutung des deutschen Champions-League-Finales für die Bundesliga, die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung im deutschen Fußball und Pep Guardiola.

Frage: Herr Dr. Rauball, hinter uns liegt eine denkwürdige Saison. Das Highlight war das Champions-League-Finale. Wie fällt ihr Fazit aus?

Dr. Reinhard Rauball: Es ist nicht nur international überragend gewesen. Aber keine Frage: Das Champions-League-Finale in Wembley zwischen Bayern München und Borussia Dortmund war nicht nur die Sahne auf einer tolle Saison, sondern etwas, was es noch nie gegeben hat. Ich war in London und zuletzt beim Länderspiel in Washington in den USA. Die Achtung und die Hochachtung vor dem deutschen Fußball und das Interesse am deutschen Fußball ist in einem Maße gestiegen, wie ich es nicht erwartet habe. Es wäre schön, wenn neben dem FC Bayern München, der in den letzten Jahren regelmäßig in den Endspielen war, andere Vereine diese Erfolge im Sinne der Nachhaltigkeit bestätigen könnten.

Frage: Eine bessere PR für die internationale Vermarktung hätte es nicht geben können, oder?

Dr. Rauball: Gerade die Auslandsvermarktung ist kein Selbstläufer. Wir haben die Engländer als Beispiel für eine erfolgreiche Art und Weise der internationalen Vermarktung. Wir haben aber unter schwierigen Bedingungen aufgeholt. Wir befinden uns derzeit in einer laufenden Vertragsperiode, so dass keine unmittelbaren Sprünge zu erwarten sind. Wir stehen im Augenblick bei einer Einnahme von 72 Millionen aus der Auslandsvermarktung. Und wir denken, dass ein Bereich von 100 bis 150 Millionen Euro jährlich durchaus möglich ist. Daran werden wir arbeiten.

Frage: Liegt der Schlüssel zum Erfolg in der glänzenden Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball?

Dr. Rauball: Nach den Enttäuschungen bei der WM 1998 in Frankreich und der EM 2000 in den Niederlanden und Belgien wurde unter dem damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder ein neues Nachwuchskonzept mit Jugendleistungszentren der Bundesliga und der 2. Bundesliga ins Leben gerufen. 100 Millionen Euro haben die Clubs zuletzt jährlich investiert, seit 2001 sind es weit mehr als 700 Millionen Euro. Jetzt sind wir in der glücklichen Lage, dass wir die Früchte ernten können. Dass viele junge Spieler in der Bundesliga spielen, ist auch ein Faktor, warum die Euphorie so groß ist und warum der Zuschauerspruch so hoch ist.

Frage: Gab es auch ein Umdenken bei den Trainern?

Dr. Rauball: Es gibt eine geänderte Philosophie bei den Trainern, die bereit sind, junge Spieler in die Verantwortung zu schicken und ihnen die Aufgabe zuzutrauen. Sie haben dieses Vertrauen zurückgezahlt, zeigen, was sie können. Und das ist in der Nationalmannschaft auch so.

Frage: Erhöhen nicht die Erfolge in der Champions League den Druck auf Bundestrainer Joachim Löw im Hinblick auf die WM 2014 in Brasilien?

Dr. Rauball: Wir selbst üben keinen Druck aus, das wäre kontraproduktiv. Aber aus der Sache selbst heraus spürt jeder, dass da etwas erwartet wird angesichts des Spielerpotenzials, auf das sich Joachim Löw stützen kann.

Frage: Wie bewerten sie die Verpflichtung von Star-Trainer Pep Guardiola durch Bayern München?

Dr. Rauball: Das Engagement von Pep Guardiola bei Bayern München war ein doppeltes Ausrufezeichen, das weltweit wahrgenommen wurde. Jose Mourinho hat im Halbfinale schmerzlich die Stärke des deutschen Fußballs selbst wahrnehmen dürfen. Er hat sich zwar jetzt für den FC Chelsea entschieden, aber das muss nicht heißen, dass die Bundesliga sportlich nicht interessant für ihn wäre.

Frage: Kommen die Regeln des Financial Fairplay der Bundesliga zusätzlich zugute?

Dr. Rauball: Karl-Heinz Rummenigge hat mich zu Beginn meiner Amtszeit gefragt, wie wir den Abstand zu anderen Topligen verkürzen können. Ich habe ihm schon damals gesagt: Das kommt ganz alleine auf uns zu. Die Solidität der Ausbildung und die Solidität des Finanzgebarens - das sind Faktoren, die irgendwann zum Erfolg führen. Das war im Gegensatz zu den anderen Ligen absehbar.

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