München - Sebastian Kehls Worte wirken nach: "Unter dem Strich steht eine Tabellensituation, die uns alle sehr unzufrieden macht." Nur einen Tag nach der bitteren 1:2-Niederlage beim FC Bayern hat sich die Situation von Borussia Dortmund nochmals verschärft.

Denn nach dem ersten Saisonsieg des SC Freiburg rutschte Borussia Dortmund am Sonntagabend tatsächlich unter den Strich. Die beachtliche Leistung gegen die Bayern macht Mut für die kommenden Wochen, birgt jedoch zugleich Gefahren - denn die Zahlen sind ernüchternd.

Der BVB hatte den Rekordmeister am Rande einer Niederlage, stand jedoch am Ende mit leeren Händen da. Und das nun schon zum siebten Mal in dieser Saison. Damit hat der BVB schon jetzt genauso viele Niederlagen wie in der gesamten Vorsaison auf dem Konto. Angesichts solcher Zahlen ist Rang 17 in der Tabelle die logische Konsequenz.

Der BVB im Abstiegskampf?

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Dennoch will das Wort "Abstiegskampf" niemand so recht in den Mund nehmen beim BVB. Solch eine starke Vorstellung, wie die ersten 45 Minuten gegen den FC Bayern München will eben nicht so recht zum Tabellenstand der "Schwarz-Gelben" passen. "Wir haben die beste Halbzeit seit langem gespielt und trotzdem nichts bekommen. Daran haben wir zu knabbern", gestand Trainer Jürgen Klopp.

Die Situation ist eine schmale Gratwanderung. Seit Wochen schon beschwört der BVB-Trainer verbal die Wende herbei - einzig das bislang magere Punktekonto zeigt sich davon unbeeindruckt und verharrt nach zuletzt vier Niederlagen in Folge konstant bei sieben Zählern. "Wir brauchen jetzt Punkte", fordert Lukasz Piszczek, "das muss uns klar sein. Wir stecken da unten drin und müssen so schnell wie möglich da raus."

"Wir haben viele Baustellen"

Oftmals waren es in den vergangenen Wochen Nuancen, die den BVB um den Lohn seiner zumeist gezeigten spielerischen Überlegenheit brachte.

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Und individuelle Fehler. Gegen Bayern setzte Neven Subotic diese Serie der entscheidenden Nachlässigkeiten, die sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison zieht, fort. "Ich war an beiden Gegentreffern direkt beteiligt", räumte der Innenverteidiger selbstkritisch ein. "Das hätte ich sicherlich besser lösen können."

Auch Klopp sucht nach guten Lösungen, die Probleme in den Griff zu bekommen. "Unsere Lage ist momentan alles andere als gut, wir haben viele Baustellen", sagt der 47-Jährige. Eine weitere bricht nach der Verletzung Mats Hummels', der wegen einer Bänderdehnung in den kommenden drei Wochen fehlen wird, in der Innenverteidigung auf. Subotic kämpft derzeit mit Formschwankungen und auch Neuzugang Matthias Ginter braucht noch Zeit.

Schweres Programm

Zeit, die der BVB beim Blick auf den Spielplan eigentlich nicht hat. Am kommenden Sonntag empfängt der angeschlagene Vizemeister den ungeschlagenen Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach.

"Das wird auch nicht einfach, aber irgendwann müssen wir punkten", sagt Piszczek. Anschließend geht es zum Überraschungsaufsteiger SC Paderborn, zudem warten mit dem VfL Wolfsburg und der TSG Hoffenheim vor Weihnachten noch zwei Teams aus den Champions-League-Regionen auf den BVB.

Selbstvertrauen für die wichtigen Wochen wollen die Dortmunder ausgerechnet in der Königsklasse tanken. Immerhin steht der BVB dort nach drei Spieltagen mit der maximalen Punktausbeute, ohne Gegentor auf Platz eins der Gruppe D und kann am Dienstag bereits den Einzug ins Achtelfinale schaffen.

"Wir haben jetzt ein wichtiges Spiel gegen Galatasaray in der Champions League", sagt Subotic. "Das ist die nächste Gelegenheit, zu beweisen, dass wir es besser können." Gelingt es, diesen Schwung in den nächsten Wochen auch in der Bundesliga in Punkte umzumünzen, wird der Blick auf die Tabelle schon bald die Dortmunder wieder zufriedenstellen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz