Sinsheim - Beim 2:2 in gegen die TSG 1899 Hoffenheim zeigte Borussia Dortmund eine kämpferisch, spielerisch und taktisch brillante Leistung. Und das, obwohl die Borussen ohne zahlreiche Stammspieler auskommen mussten und 50 Minuten in Unterzahl spielten. Doch da war ja noch Ousmane Dembélé.

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Als Schiedsrichter Benjamin Brand die Partie beendete, brandete Applaus auf. Für die 30.150 Zuschauer war dieses 2:2 zwischen Hoffenheim und dem BVB ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gewesen – völlig unabhängig davon, welchem der beiden Teams sie die Daumen gedrückt hatten. Denn diese Partie enthielt so gut wie alles, was ein fantastisches Fußballspiel ausmacht. Dynamik, Tempo, Spielwitz – und Spannung bis zur letzten Minute.

Nicht zu vergessen: Überragende Individualisten, an diesem Abend allen voran Dembele. Was der erst 19-Jährige mit dem Ball anstellt, sieht man nicht oft im Weltfußball. Überragend ist dabei vor allem die Technik des in der Normandie geborenen Mittelfeldspielers, der den Ball so abschirmen kann, dass der Gegenspieler nicht den Hauch einer Chance hat, mit fairen Mitteln an das Spielgerät zu kommen. Immer wenn der BVB offensiv in Unterzahl war, konnte Dembele so wertvolle Zeit herausholen, bis die Kollegen nachgerückt waren, um dann blitzschnell das Tempo anzuziehen. Es war deshalb kein Zufall, dass er gleich beide Dortmunder Tore durch Mario Götze (20.) und Pierre-Emerick Aubameyang (48.) mit seinen zentimetergenauen Zuspielen vorbereitete.

Dembele wird "beser und besser"

Als Dembele in der Schlussphase der Partie mit einer Bahre vom Platz getragen wurde, stockte den BVB-Fans der Atem. Doch Christian Pulisic, der unmittelbar nach dem Spiel von „Krämpfen“ bei seinem Mitspieler ausging, gab ebenso Entwarnung wie Trainer Thomas Tuchel, der später eine genauere Diagnose lieferte: „Die Auswechslung wegen einer Prellung war ein krasser Nachteil für uns. Bei seinen Drehungen hätte der vorbelastete Gegner wegbleiben müssen.“ Einig waren sich die beiden allerdings in einem Punkt: „Er wird mit jedem Spiel besser und besser.“ (Pulisic)

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Eine längere Pause für Dembele wäre für den BVB ein Horrorszenario. Zumal Tuchel bereits in Hoffenheim gleich zehn verletzte Spieler ersetzen musste, darunter Roman Bürki, Lukasz Piszczek, Sokratis, Gonzalo Castro, Sebastian Rode und Raphael Guerreiro. Zudem musste er nach Marco Reus´ Platzverweis über eine Halbzeit lang mit zehn Mann auskommen.

Gute Defensivarbeit der Offensive

Doch das gelang im zweiten Durchgang bravourös. Hatte man erwartet, dass den Dortmundern nach dem enormen Tempo beider Mannschaften nun die Kräfte schwinden würden, passierte stattdessen das Gegenteil. Der BVB agierte noch kompakter als im ersten Durchgang, machte die Räume eng und setzte vorne immer wieder Nadelstiche. Bemerkenswert auch, dass die Offensiven sich nach Ballverlust sofort zurückzogen und in der Defensive mitarbeiteten. Anders wäre einem so starker Gegner wie es Hoffenheim an diesem Abend war, allerdings auch nicht zu trotzen gewesen. „Wir wollten uns mit allem, was wir haben, dagegen stemmen“, erklärte Tuchel, der sein Team in der Halbzeit noch mal neu motiviert hatte. „Ich finde, das hat man bis unters Dach gespürt. Dafür gebührt der Mannschaft ein riesengroßes Kompliment.“

So ist es, zumal die Borussen dadurch auch in der Tabelle prima dastehen. Im Falle einer Niederlage hätten bereits vier Zähler zwischen den in dieser Saison als einziger Mannschaft noch ungeschlagenen Hoffenheimern und dem BVB gelegen. So bleibt es bei einem Punkt und der gegenüber Hoffenheim deutlich besseren Tordifferenz. „Alles, was gegen uns laufen konnte, lief gegen uns. Das machte es noch viel, viel schwerer“, bilanzierte Tuchel dann auch. „Unsere Reaktion darauf war außergewöhnlich."

Aus Sinsheim berichtet Christoph Ruf

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