München - Die Dortmunder verwandelten den Kabinentrakt der Münchner Allianz Arena kurzerhand in eine Partyzone. Der Klassiker "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" war noch zwei geschlossene Türen weiter in der Mixed Zone zu hören. Nach dem dramatischen 3:1-Sieg im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München, lebt bei Borussia Dortmund der Traum vom Triumph im DFB-Pokal als Entschädigung für eine enttäuschende Saison.

"Die Jungs freuen sich durchaus ein bisschen", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp und entschuldigte sich mit einem Augenzwinkern für den Lärm seiner feiernden Spieler. "Wir haben in dieser Saison noch nicht viele Gründe gehabt, uns zu freuen", schob Klopp hinterher und musste selbst laut lachen, als Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus mit laut aufgedrehter Diskomusik an den Journalisten vorbei in Richtung Mannschaftsbus zogen.

Aubameyang trifft und der BVB dreht auf

Draußen ging die Party weiter. Vor dem Bus hatten sich bereits einige der zahlreich mitgereisten Dortmunder Fans versammelt, um ihre Helden zu feiern. Aubameyang bekam besonders viel Applaus, schließlich hatte der Gabuner mit seinem Ausgleichstreffer den BVB zurück ins Spiel gebracht. "Ab der 70. Minute haben wir es uns langsam verdient, hier als Sieger vom Platz zu gehen", analysierte Klopp, der mit der Einwechslung von Henrikh Mkhitaryan seinen Teil dazu beitrug.

"Micky hat nach seiner Einwechslung oft sehr gute Sachen gemacht und viel Tempo reingebracht", lobte Kapitän Mats Hummels seinen Teamkollegen. Zunächst bereitete Mkhitaryan mit seinem Pass Aubameyangs Treffer vor, wenig später hatte der Armenier gar die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber an Neuer. "Ich muss der Mannschaft hoch anrechnen, dass sie für den Moment bereit war. Nach dem Ausgleich waren wir brettstark", sagte Klopp.

Kapitän Hummels sah es ähnlich: "Wir haben komplett zu unserem Spiel gefunden. Wir haben das gespielt, was wir in diesen Spielen eben abrufen müssen. Es war zweifellos ein leidenschaftlicher Pokalfight. Das wollen die Fans sehen."

Langeraks "Mindgames"

Sehen wollten die Fans auch Mitch Langerak, der im Elfmeterschießen seinen großen Auftritt hatte und als einer der letzten kurz vor der Abfahrt um 0:40 Uhr den Bus bestieg. Auch beim Showdown auf dem Rasen ließ sich der australische Nationaltorhüter Zeit. "Ich stehe neben dem Tor und lasse es so lange wie möglich offen", erklärte der 26-Jährige seine Taktik. "Das sind ein bisschen 'Mindgames'." Psychospielchen, die eben zum Elfmeterschießen dazugehören.

Und offenbar ihre Wirkung nicht verfehlten. Zunächst rutschten Philipp Lahm und Xabi Alonso aus, dann hielt Langerak Mario Götzes Versuch und schließlich knallte Manuel Neuer den entscheidenden Elfer an die Latte. Als ein "unglaubliches Gefühl" beschrieb der Vertreter des verletzten Roman Weidenfeller den Finaleinzug. Unglaublich ist auch seine Pokalserie: Elf Mal kam Langerak im DFB-Pokal zum Einsatz, elf Mal ging er als Sieger vom Platz.

Traum aller Borussen lebt

Klar, dass der Keeper nun mehr will: "Jetzt fahren wir nach Berlin ins Finale, hoffentlich gewinnen wir auch dort." Auch sein scheidender Trainer Klopp hegt den Wunsch, noch ein Mal mit dem Pokal um den Borsigplatz zu fahren. Ein Traum, der nach dem Triumph in München weiterlebt. "Ich bin froh darüber, schließlich wäre es ja doof gewesen, wenn wir den schon heute hätten begraben müssen", sagte Klopp. "Aber da freuen sich alle darauf. Das ist nicht nur mein Traum, sondern der Traum aller Borussen."

Allerdings können entweder der VfL Wolfsburg oder Arminia Bielefeld, die am Mittwoch den zweiten Finalteilnehmer für den 30. Mai in Berlin ermitteln, diesen Traum noch zunichtemachen. "Wenn man da ist, will man das Finale gewinnen. Da haben wir noch ganz viel vor uns", blickte Klopp bereits voraus. "Das wird alles andere als ein Kindergeburtstag." Aber wie man richtig Party macht, haben die Dortmunder ja bereits in München bewiesen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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