Hamburg - Wie ein Einpeitscher stand Jürgen Klopp vor der Dortmunder Fan-Kurve und gestikulierte immer wieder wild in Richtung seiner Spieler, die glücklich - aber sichtlich erschöpft - auf ihn zuschlürften. Man sah dem BVB-Trainer an, wie stolz er auf den Auftritt seiner Mannschaft beim HSV war. Auch wenn es "nur" zu einem 1:1 in letzter Minute gereicht hat.

"Wichtig war mir vor allem, dass wir unsere Art Fußball auch in Hamburg auf den Platz gebracht haben. Alles, was da passierte, waren wir. Und darüber hinaus fahren wir nicht mit leeren Händen nach Hause", lobte Klopp seine Profis.

Dortmund kämpft bis zum Schluss

Nach dem Remis ist der Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen zwar auf fünf Punkte geschrumpft. Die Art und Weise, wie die Dortmunder in der Hansestadt auch in der Schlussphase noch einen Gang hochgeschaltet haben, war aber schon jetzt meisterlich.

Keinen Ball gaben die Schwarz-Gelben verloren, kein Weg war ihnen zu weit - sie kämpften wie die Löwen. Für Lucas Barrios war das aber nicht außergewöhnlich. "Solange der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hat, werden wir niemals aufhören, Fußball zu spielen und zu zeigen, dass wir immer mehr wollen", erklärte der dieses Mal glücklose Torjäger zu bundesliga.de.

Schließlich "wollen wir immer gewinnen und natürlich auch Deutscher Meister werden. Und dafür werden wir in jeder Partie bis zum Schluss alles geben." Ein kleiner Wermutstropfen für Barrios: Mit einer Verhärtung im Adduktorenbereich musste der Paraguayer in der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden.

Vor der Halbzeitpause fehlt die Cleverness

Warum die Überflieger der Saison erst in der zweiten Halbzeit so richtig zum Zuge kamen, erklärte Mittelfeld-Stratege Sven Bender gegenüber bundesliga.de. "Wir nehmen uns das eigentlich immer über die gesamte Spielzeit vor. Aber der HSV hat das in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht, da haben wir uns auch nicht so clever angestellt. Aber dann haben wir die Lücken über deren Außen ausgenutzt. Und jeder ist immer bereit, sich voll zu verausgaben", so Bender.

Das Unentschieden war am Ende dann zwar etwas glücklich, verdient war es aber allemal. Im Stile einer Meistermannschaft suchte der BVB nach dem Rückstand den Ausgleich nicht mit der Brechstange, sondern probierte es immer wieder über die spielerische Komponente. "Wir verlieren in einer hektischen Schlussphase nicht mehr die Linie, sondern bleiben dominant. Genau das ist der Unterschied zu früheren Jahren", meinte Neven Subotic.

Ähnlich sah es Bender, der die Vorzüge des Dortmunder Spiels herausstellte. "Wir spielen sehr variabel Fußball. Der Grundgedanke ist immer gleich - ob zu Hause oder Auswärts. Wir versuchen, dem Gegner unser Spiel aufzudrücken."

Gegen Freiburg an die zweite Halbzeit anknüpfen

Am kommenden Spieltag kann der BVB das gegen den SC Freiburg erneut unter Beweis stellen. Die Elf aus dem Breisgau, die vor allem dank des derzeitigen Bundesliga-Torschützenkönigs Papiss Demba Cisse ihre Minimal-Chance auf eine Teilnahme an der Europa League am Leben hält, ist dann im Signal Iduna Park zu Gast.

"Die Freiburger stehen völlig zu Recht da oben in der Tabelle. Sie agieren sehr, sehr geordnet und spielen einen tollen Fußball", zollte Bender dem SCF Respekt. Aber: "Wenn wir das raushauen, was wir in Hamburg vor allem in der zweiten Halbzeit rausgehauen haben, dann können wir auch gegen Freiburg erfolgreich sein."

Ein Punkt wäre für Barrios dann aber zu wenig. Nicht nur im Hinblick auf die Meisterschaft. "Freiburg hat bislang eine tolle Saison gespielt. Aber wir haben ein Heimspiel und wollen unsere Fans wieder mit einem Sieg glücklich machen."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis