Köln - Mit einer jungen Mannschaft und hochtalentierten Youngstern wie Dembélé und Pulisic sorgt Borussia Dortmund in dieser Saison für Furore. Den Unterschied machen am Ende aber die erfahrenen Superstars aus – wie auch beim 2:1-Sieg über die TSG 1899 Hoffenheim, der die Borussia wieder auf direkten Kurs Richtung Champions League gebracht hat. Vor allem der Faktor Reus wird im Saisonfinale zum schwarz-gelben Trumpf.

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Marco Reus baute sich stolz vor der Südtribüne auf und legte die Hand ans Ohr, als wollte er sagen: „Na, wollt ihr nicht noch lauter feiern?!“ Gerade einmal vier Minuten waren gegen Hoffenheim gespielt, Reus hatte den BVB gerade mit einem Tunnel gegen Gästekeeper Oliver Baumann in Führung geschossen.

Eingebaute Torgarantie

Wieder mal, möchte man sagen - und das gleich in doppelter Hinsicht. Denn der Nationalspieler hat seit seinem Comeback vor drei Wochen quasi die eingebaute Torgarantie. In fünf seiner sechs Pflichtspiele traf er seitdem. Zudem ist Reus dabei für die Borussia immer wieder der Mann für das so wichtige 1:0. So wie jetzt gegen Hoffenheim schoss er die schwarz-gelben Farben mit vier Treffern jeweils in Front. Auch beim Pokal-Halbfinalsieg bei den Bayern war Reus als Erster zur Stelle. Kein Zufall, wirft man einen Blick auf die gesamte Torbilanz von Dortmunds Nummer 11. Weit über ein Drittel seiner 87 Pflichtspieltore brachte die Borussia mit 1:0 in Führung.

Fast hätte Reus gegen Hoffenheim noch das schnelle 2:0 erzielt und seine Ausbeute auf sechs Treffer in den letzten sechs Spielen geschraubt. Doch den Elfmeter in der 14. Minute überließ er Sturmpartner Pierre-Emerick Aubameyang. „Wir haben uns beide gut gefühlt, aber mit Blick auf die Torjägerkanone wollte ich ihm den Vortritt lassen“, erklärte der 27-Jährige nach der Partie.

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Der Gabuner wiederum verschoss zwar in dieser Szene, legte sein 28. Saisontor aber mit einem Abstauber per Kopf kurz vor Spielende nach. Damit hat Aubameyang nicht nur in der Torjägerliste wieder mit Bayerns Robert Lewandowski gleichgezogen, sondern auch seinen Wert für die Borussia einmal mehr unterstrichen. „Als Stürmer ist es wichtig, dass du in genau so einer Situation genau da stehst und das nötige Glück hast – und das hat er einfach“, schickte Reus beste Grüße und Komplimente an den Mitspieler.

Den Verletzungen zum Trotz

Die beiden erfahrenen Offensivstars machen für den BVB bei allem jugendlichen Elan am Ende den Unterschied aus. Das ist im Fall Reus umso erstaunlicher, da der Dortmunder auch in dieser Spielzeit wieder mit schweren Verletzungen zu kämpfen hatte. Erst eine Schambeinentzündung, dann ein Muskelfaserriss setzten ihn lange außer Gefecht. Die Partie gegen die Kraichgauer war erst sein 20. Pflichtspieleinsatz in dieser Saison, doch die Ausbeute kann sich sehen lassen. Stolze elf Treffer selbst gemacht, weitere acht Tore aufgelegt – das ist seine Bilanz der 20 Partien und drückt auch in Zahlen aus, wie wertvoll Reus für diesen BVB ist.

Allerdings ist es nicht nur seine Torgefahr, die Trainer und Mitspieler an ihm zu schätzen wissen. Kapitän Marcel Schmelzer lobte ihn erst kürzlich als „absoluten Führungsspieler“. Und Thomas Tuchel gerät regelmäßig ins Schwärmen, wenn er über Reus spricht: „Er macht alle Spieler um sich herum besser.“

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Tatsächlich wirkt dieser Marco Reus des Jahres 2017 noch einmal gereifter, übernimmt auf und auch außerhalb des Platzes Verantwortung, setzt Impulse und ist präsent, gibt intern die Richtung an und stellt sich auch der Öffentlichkeit. Paart der trickreiche und schnelle Techniker sein Können auf dem Platz noch mit Zweikampfstärke wie gegen die TSG, gegen die er in einem hektischen Spiel starke 64 Prozent seiner Duelle gewann, dann wird er für den BVB zum absoluten Erfolgs-Faktor. „Wir haben uns nicht den Schneid abkaufen lassen“, lobte Reus – und hätte sich gut und gerne als bestes Beispiel anführen können.

DFB-Pokalfinale zum Saisonabschluss

Zwei Bundesligaspiele stehen jetzt für den Vize-Kapitän und die Dortmunder noch aus, in denen die direkte Qualifikation für die Champions League verteidigt werden soll: „Wenn wir noch vier Punkte holen, sind wir Dritter. Das wollen wir erreichen!“ Zum Abschluss steigt in Berlin Ende Mai dann noch das DFB-Pokalfinale gegen Frankfurt, in dem Reus wohl nur allzu gerne auch wieder das wichtige 1:0 für den BVB erzielen und seine Mannschaft zum Sieg führen möchte. Es wäre im fünften Jahr in Schwarz-Gelb endlich sein erster Titel mit der Borussia.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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