Leverkusen - Im Spitzenspiel zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München gab es beim 1:1 keinen Sieger, aber dennoch einen großen Gewinner: Borussia Dortmund. Während der Spitzenreiter einsam seine Kreise zieht, nehmen sich die Verfolger gegenseitig die Punkte weg.

Mit dem Unentschieden gegen den Rekordmeister kann die "Werkself" dennoch besser leben als der FC Bayern. Bayer-Kapitän Simon Rolfes zieht im Gespräch eine positive Zwischenbilanz und schiebt dem BVB die "eindeutige Favoritenrolle" zu.

Frage: Rene Adler hat eben gesagt: "Mit einem Punkt gegen die Bayern können wir leben. Die Mannschaften, gegen die wir drei Punkte holen müssen, die kommen noch. Mir ist nicht bange davor, dass wir doch noch oben herankommen werden." Sehen Sie das auch so, Simon Rolfes?

Simon Rolfes: Da kann ich dem Rene nur zustimmen. Wichtig war, die Bayern auf Distanz zu halten und nicht zu verlieren. Das ist die wichtigste Erkenntnis. Nächste Woche wollen wir versuchen, in Hoffenheim drei Punkte zu holen und den Abstand zu Dortmund ein bisschen zu verringern.

Frage: Wie groß sind Ihre Sorgen, dass dem Tabellenführer Borussia Dortmund in dieser Saison ein Durchmarsch gelingt?

Rolfes: Ich glaube, die Dortmunder stehen enorm unter Druck. Wenn sie mit dem Vorsprung nicht Meister werden, dann werden sie es wohl nie mehr.

Frage: Sprechen Sie da als Leverkusener aus Erfahrung?

Rolfes: Nein. Dortmund hat neun Punkte Vorsprung auf uns, 14 Punkte auf die Bayern. Das ist eine enorme Hausnummer. Dementsprechend ist Dortmund mit Abstand der klare Favorit auf den Titel.

Frage: Ist das psychologische Kriegsführung oder Rechenkunst?

Rolfes: Neun Punkte Vorsprung sind eben enorm. Sie müssen jetzt mit der eindeutigen Favoritenrolle und dem Druck leben.

Frage: Leverkusen ist nach wie vor die einzige Mannschaft, die Dortmund in dieser Saison - nämlich am 1. Spieltag - schlagen konnte.

Rolfes: Stimmt. Ich hoffe aber, dass sich das bis zum Rückspiel am 18. Spieltag geändert hat und die Borussia bis dahin noch ein paar Spiele verliert.

Frage: Zurück zum Spiel gegen die Bayern. Warum ist Leverkusen nicht mehr Risiko gegen die Bayern in der 2. Spielhälfte gegangen, nachdem Bayer den Gegner ganz gut im Griff hatte?

Rolfes: Beide Mannschaften wollten die Abwehrreihen nicht komplett öffnen, weil beide Mannschaften sehr gefährlich gekontert haben. Wir hatten beide sehr gute Chancen, zum Erfolg zu kommen. Dementsprechend ist es wichtig, erst einmal das eigene Tor zu sichern und dann vielleicht durch eine gelungene Aktion zum Siegtreffer zu kommen. Auf dem Niveau kann man nicht einfach die Abwehrreihen öffnen und den Gegner zum Konter einladen.

Frage: Wie haben Sie die Situation zum 0:1 gesehen?

Rolfes: In der Szene waren wir nicht dran am Mann. Bastian Schweinsteiger konnte auf den zweiten Pfosten flanken. Da hat bei uns die Abstimmung nicht ganz funktioniert. Wir haben den Bayern zu viele Räume gegeben.

Frage: Ein Satz zu Arturo Vidal, der bislang eine ganz starke Saison spielt und ein wichtiger Mann für Bayer geworden ist.

Rolfes: Er ist in seiner Spielweise erwachsen geworden. Er war schon immer ein guter Zweikämpfer. Jetzt hat er in seiner Spielweise auch das richtige Maß gefunden. Er spielt jetzt auch einmal den einfachen Pass. Das Zusammenspiel mit ihm klappt immer besser.

Frage: Wie beurteilen Sie das bisherige Abschneiden von Bayer Leverkusen in dieser Saison?

Rolfes: Wir sind ganz zufrieden mit der Rolle, die wir spielen. Wir sind auf einem guten Weg und haben uns spielerisch deutlich verbessert.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski