Freiburg - 162 Tage mussten die BVB-Fans auf einen Auswärtserfolg ihres Teams warten. Dementsprechend groß war die Freude nach dem souveränen Sieg in Freiburg. Die Fans von Borussia Dortmund sind reisefreudig, daran hat auch die Bilanz von zuletzt neun Auswärtsspielen ohne Sieg nichts geändert.

4000 Dortmunder Fans hatten also auch den Trip nach Freiburg angetreten. Und was sie dort sahen, sorgte dafür, dass sie für Heimspielatmosphäre im Südbadischen sorgen konnten.

Schon nach neun Minuten war es merklich ruhiger geworden im Freiburger Stimmungsblock, da hatte Marco Reus die Borussen-Führung erzielt. Und da die Dortmunder Überlegenheit bis zum Schlusspfiff andauerte und Pierre-Emerick Aubameyang (56./72.) zweimal nachlegte, wurde die Stimmung im Gästeblock immer besser, bis Mats Hummels und Co. sich nach dem 3:0 nach allen Regeln der Kunst vorm Gästeblock feiern ließen.

Frühes Tor als Initialzündung

"Durch die frühe Führung haben wir schon in der Anfangsphase das Freiburger Selbstbewusstsein erschüttert", wusste dann auch ein sichtlich erleichterter Trainer Jürgen Klopp. "Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung." Das war er auf jeden Fall - und womöglich war er sogar mehr als das. Schließlich deutete einiges darauf hin, dass der BVB wieder in Schwung kommt. Neven Subotic und vor allem Lukasz Piszczek spielten eine tolle Partie auf ihren Positionen und nutzen die Freiräume, die ihnen die schwache Freiburger Offensive ließ.

Ilkay Gündogan zeigte schon in der Anfangsphase mit zwei guten Distanzschüssen, dass er sich zurückzumelden gedenkt. Überhaupt war der gewohnte Dortmunder Power-Fußball schon wieder in Ansätzen zu bestaunen. Hohes Tempo, die gegnerischen Abwehrspieler konsequent anlaufen, im entscheidenden Moment ein flotter Chip-Ball auf die Außenpositionen oder ins Zentrum - mancher BVB-Fan dürfte sich zeitweilig in die vergangene Saison zurückversetzt gefühlt haben. Etwas differenzierter sah das der Trainer: "Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass wir nach diesem Spiel die nächsten vier automatisch gewinnen. Aber es ist nicht ausgeschlossen."

"Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden"

Ob bei der Borussia nun tatsächlich ein "Knoten geplatzt" ist, wie viele Spieler betonten, muss allerdings abgewartet werden. Zu schwach waren die Freiburger nach zuletzt zwei starken Spielen an diesem Tag, als dass man seriöse Aussagen über die tatsächliche Qualität der Dortmunder treffen könnte. Defensiv waren die Borussen so kaum gefordert - außer bei einem halbherzigen Distanzschuss von Oliver Sorg (43.) blieb Keeper Roman Weidenfeller während des ganzen Spiels völlig beschäftigungslos.

Das Mittelfeld gehörte gar ganz dem BVB, der so völlig problemlos zu seinen Treffern kam. Das 1:0 durch Marco Reus legte Mike Frantz mit einem kuriosen Fehlpass in die Füße von Aubameyang auf (9.), bei dessen beiden Treffern (56./72.) war die SC-Abwehr nicht in der Lage, den flinken Angreifer am Torschuss zu hindern.

Klopp, dessen Team sechs von bislang 19 Zählern gegen den Sportclub geholt hat, hatte vor dem Spiel offenbar die Psyche als Hauptursache für den bisherigen Saisonverlauf ausgemacht. "Gegen Augsburg sind natürlich ein paar Dinge falsch gelaufen. Aber das lag vor allem am fehlenden Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten." Zumindest das dürfte sich seit Samstag geändert haben. "Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden", berichtete Pierre-Emerick Aubameyang. "Wir hatten bei allen Aktionen immer den Gedanken, positiv zu sein."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf