München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im NOVEMBER 2010 ereignet hat:

Borussia Dortmund siegt und siegt und siegt. Einsam zieht der BVB an der Tabellenspitze seine Kreise. Die Truppe von Jürgen Klopp ist drauf und dran, alle Rekorde zu brechen. Die Mainzer Himmelsstürmer halten sich immer noch auf Platz 2, haben aber bereits sieben Punkte Rückstand.

Meisterliches Umdribbeln der M-Frage

Die Rituale wiederholen sich. Nach dem , nach dem 2:0 gegen den Hamburger SV, nach dem 2:1 beim SC Freiburg und auch nach dem 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Alle Verantwortlichen des BVB, egal, ob Trainer, Spieler oder Vorstand, blocken hartnäckig alle Fragen zum möglichen Gewinn der deutschen Meisterschaft ab.

Im Umdribbeln der M-Frage sind die Dortmunder schon meisterreif. Ja, die Fans dürfen vom Titel träumen, aber für die Mannschaft sei das natürlich kein Thema, lautet unisono die Antwort. Nach dieser Methode verfuhren schon andere Meisterteams in der Vergangenheit, man denke nur an den VfB Stuttgart 2007 oder den VfL Wolfsburg 2009.

Unterschiedliche Meinungen beim FC Bayern

Andere Vereine wie Schalke 04 oder Bayer Leverkusen hatten damit weniger Erfolg. Zum Ziel Meisterschaft bekennt sich hierzulande nur der FC Bayern. Auch jetzt noch, trotz inzwischen 14 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter nach dem , glauben Trainer Louis van Gaal, sein Kapitän Mark van Bommel und Stürmer Mario Gomez an den Titel.

Andere haben das Kapitel schon abgehakt. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sieht die Dortmunder um Lichtjahre enteilt, Sportdirektor Christian Nerlinger gesteht: "Von der Meisterschaft brauchen wir nicht zu reden."

Die Bayern sind in diesen Wochen auch mehr mit sich selbst beschäftigt. Der Präsident höchstpersönlich sorgt für Missstimmung. In einem Fernseh-Interview kritisiert Uli Hoeneß seinen Coach heftig. Er klagt über dessen Führungsstil und darüber, dass einigen Spielern Unrecht geschehen sei. Die überraschenden Aussagen schlagen ein wie ein Bombe. Louis van Gaal ist "sehr, sehr enttäuscht von meinem Präsidenten". Mühsam wird das zerschlagene Porzellan wieder zusammengekittet. Doch sportlich treten die Münchener auf der Stelle.

Hannover entdeckt "neue" Spieler

Vor ihnen stehen immer noch neben Borussia Dortmund auch die etwas schwächelnden, aber immer noch starken Mainzer, die konstant gute "Werkself" aus Leverkusen und die zweite Überraschungsmannschaft, Hannover 96.

Die Niedersachsen haben nach der 0:4-Lektion gegen den BVB drei Mal hintereinander gewonnen und zuletzt sogar in ihrem eigenen Kader Spieler wiederentdeckt, die bereits keine Rolle mehr zu spielen schienen. Jan Schlaudraff ist der eine, Mike Hanke der andere. Hanke, vor vier Jahren noch WM-Teilnehmer für Deutschland, erzielt als Joker zum Beispiel das Siegtor im Nordderby gegen den Hamburger SV.

Schalke nur in der "Königsklasse" top - dicke Luft in Köln

Der HSV dümpelt im Mittelmaß herum, genauso wie Werder Bremen, das in der Champions League ausscheidet. Besser macht es dagegen Schalke 04, das sich nach einem 3:0 gegen Olympique Lyon wie die Bayern vorzeitig fürs Achtelfinale qualifiziert und auch in der Bundesliga auf einem guten Weg scheint und die Abstiegsränge verlassen hat.

Doch nach der 0:5-Klatsche beim Aufsteiger Kaiserslautern ist bei Felix Magath endgültig Schluss mit lustig. Der Erfolgscoach wirft Jermaine Jones, der kurz vorher noch sein Länderspieldebüt für die USA gegeben hatte, Alexander Baumjohann und Hans Sarpei aus dem Profikader und schickt sie zur Schalker Regionalliga-Truppe.

Im Abstiegskampf steckt auch trotz Trainerwechsel der VfB Stuttgart fest. Einem Zwischenhoch mit einem beeindruckenden 6:0-Kantersieg gegen desolate Bremer folgen immer wieder Rückschläge wie das 0:1 gegen den 1. FC Köln. Die Rheinländer kämpfen an mehreren Fronten. Sportlich stabilisiert sich der Club abgesehen vom 0:4-Debakel im Derby gegen Mönchengladbach unter dem neuen Trainer Frank Schaefer und sammelt Punkte. Doch bei der Jahreshauptversammlung herrscht dicke Luft. Dem Vorstand wird die Entlastung verweigert, Präsident Overath und seine Vorstandskollegen werden hart kritisiert. Der Verein reagiert schließlich und entlässt seinen Manager Michael Meier.

Noch schlechter steht Borussia Mönchengladbach da, das als Tabellenletzter mit 40 Gegentoren in 14 Spielen die Schießbude der Liga darstellt. Gut schlagen sich weiterhin die beiden Aufsteiger aus St. Pauli und Kaiserslautern sowie Teams wie Nürnberg, Frankfurt oder vor allem der SC Freiburg.

Youngster debütieren im DFB-Team

In der 2. Bundesliga steht Aufsteiger Erzgebirge Aue Ende November trotz einer 0:6-Packung in Cottbus an der Tabellenspitze. Zwei weitere Trainer werden gefeuert: Christian Ziege muss die Bielefelder Alm wieder verlassen. Dort soll Ewald Lienen den Klassenerhalt doch noch schaffen. In Ingolstadt gilt Gleiches für Benno Möhlmann, der Michael Wiesinger beerbt.

Auch ein Länderspiel gibt es wieder, das 17. des Jahres. Bei frostigen Temperaturen begnügt sich Deutschland mit einer
Nullnummer in Schweden. Vier Jungs kommen zu ihrem Debüt, die Dortmunder Marcel Schmelzer und Mario Götze sowie die Mainzer Lewis Holtby du Andreas Schürrle. Die Jahresbilanz kann sich sehen lassen. 12 Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen. 40:10-Tore, WM-Dritter und in der EM-Qualifikation ohne Punktverlust vorne.

International setzt der FC Barcelona ein großes Ausrufezeichen: Im Clasico demontieren die Katalanen Tabellenführer Real Madrid mit 5:0 und verdrängen damit die "Königlichen" von Platz 1.

Kuriosiät des Monats

Dass Jürgen Klopp ein absoluter Medienprofi ist, weiß spätestens seit den brillanten WM-Analysen Klopps im Jahr 2006 in Deutschland jeder Fußballfan. Dass er aber auch über ein großes schauspielerisches Talent verfügt, konnte man nur ahnen.

Aber was Jürgen Klopp in einem satirischen Interview mit TV-Moderator Arnd Zeigler aus dem Stegreif abliefert, ist absolut Oscar-reif. Nach dem 4:0-Sieg in Hannover muss sich Klopp "kritischen" Fragen stellen, die er mit einer Leichenbittermiene todernst beantwortet und dabei kombiniert mit den üblichen Fußballerfloskeln nur Unfug von sich gibt.

"Wir haben Probleme, die Mannschaft hält sich nicht an die Vorgaben", klagt Klopp nach der Gala in Hannover scheinbar betreten. "Ich weiß nicht, ob ich noch der Richtige bin. Das war schlecht, wir müssen viel ändern. Ich bin ratlos. Roman Weidenfeller gibt morgens nach dem Aufstehen ein schreckliches Bild ab. Wir müssen uns den schönsaufen. Vielleicht spielt die Mannschaft gegen den Trainer." Ganz großes Kino...

Tobias Gonscherowski


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