Bundesliga

Eberl und Schmadtke im Doppel-Interview vor dem Derby Gladbach gegen Köln

Schmadtke: Vielen Dank!

bundesliga.de: Herr Schmadtke, wie sehen Sie Max Eberl? Kann man von Freundschaft sprechen?

Schmadtke: Wahrscheinlich müsste man Freundschaft zunächst einmal genau definieren. Max und ich fahren nicht zusammen in Urlaub und wir feiern auch keine Geburtstage gemeinsam. Aber wir schätzen uns in diesem Job sehr, und ich sitze lieber mit Max zusammen und rede auch häufiger mit ihm als mit anderen Kollegen. Ich sehe Max als absoluten Experten. Er ist jemand, der seinen Job wirklich versteht und immer versucht, das Bestmögliche für seinen Club herauszuholen.

bundesliga.de: Holt sich der eine beim anderen schon mal einem Rat?

Eberl: Warum nicht?! Sicher gibt es nicht viele in diesem Geschäft, die ich ansprechen würde. Aber wenn ich einen Ratschlag brauchen würde, wäre Jörg ganz sicher jemand, den ich fragen würde.

Schmadtke: Wenn es ein Thema oder ein Problem gäbe, zu dem ich eine zusätzliche Meinung benötigen würde und ich wüsste, dass es keine unmittelbare Konkurrenzsituation zwischen unseren Clubs gibt, kann ich das mit einem klaren "Ja" beantworten. Ich würde Max anrufen und fragen "Wie schätzt du diese Geschichte ein? Gib' mir bitte mal deine Expertise".

bundesliga.de: Gibt es bei Ihnen ganz besondere Derby-Erinnerungen?

Eberl: Ganz spezielle Derby-Erinnerungen, die sich besonders eingebrannt hätten, habe ich nicht. Wahrscheinlich, weil jedes dieser Spiele ein Highlight ist und eine besondere Geschichte schreibt. Allerdings erinnere ich mich noch gut an den Herbst 2010, als Michael Frontzeck unser Trainer war. Damals haben wir in der Hinrunde nur zwei Spiele gewonnen, beide auswärts, einmal in Leverkusen und einmal in Köln. Dennoch wären wir am Ende um ein Haar abgestiegen. Das zeigt schon, dass ein Derby bzw. das Ergebnis in einem Derby etwas ganz Spezielles ist und nicht unbedingt Rückschlüsse auf die weitere Saison zulässt.

Eberl: (lacht) Ein Traditionsverein bedeutet auch sehr viel Emotionalität. Und ich glaube, dass es geboten ist mit Rationalität an die Dinge heranzugehen, wenn Entscheidungen anstehen. Umso wichtiger ist das, was Jörg gerade angedeutet hat. Dass wir beide mit Stephan Schippers und Alexander Wehrle gute Partner haben, uns beide aber auch auf gute Teams verlassen können. Das ist sicherlich ein Stück weit der Schlüssel, dass man empathisch versucht alle miteinzubinden, um gemeinsam die beste Lösung zu finden. Denn es geht nicht um Jörg Schmadtke oder um Max Eberl, sondern um den FC und um Borussia.

bundesliga.de: Der nachhaltige Erfolg beider Clubs hat wohl auch damit zu tun, dass man eine gewisse Demut an den Tag legt und sich nicht durch Tages-Erfolge oder auch mal -Misserfolge aus dem Konzept bringen lässt...

Eberl: Sehr gerne erinnere ich mich da an die Videos, die der 1. FC Köln schon mal verschickt. Jörg, kannst Du das bitte noch mal sagen...

Schmadtke: Ruuuuuuuhig... (lacht) Wir hatten, damals noch als Zweitligist, ein Pokalspiel bei Mainz 05 gewonnen, und es gab eine Rieseneuphorie um den Club herum. Beim Verlassen des Stadions habe ich unsere Jungs vom FC-TV getroffen, die ebenfalls völlig euphorisiert waren. Also habe ich ihnen gesagt "Jungs, ganz ruhig. Ruuuuuhig. Das wird schon". Am nächsten Tag sind sie zu mir gekommen, weil sie sich überlegt hatten, dass man damit unbedingt etwas machen müsse. Sie hatten dann die Idee mich das Ganze, unterlegt mit Zen-Musik, noch einmal wiederholen zu lassen. Diese Selbstironie hat bestens funktioniert. Für mich wurde das allerdings schnell anstrengend, eine Zeitlang hat mich niemand mehr mit "Hallo Jörg" begrüßt. Überall hieß es: "Ruuuuuhig, ganz ruuhig!"